Die Marquesas oder auf polynesisch Te Fenua Enata – Die Erde der Männer (14.04. – 07.05.2014)

Einige Inseln der Marquesas haben das Wort „Hiva“ in ihrem Namen, was ein Synonym für den Garten Eden ist. Und genau so kommen uns diese Inseln nach der langen Seefahrt auch vor. Die Vulkaninseln sind bis zu 1.232 m hoch (auf Ua Pou), schroff und zerklüftet, aber auch üppig grün und dicht bewachsen – ein Traum in Grün nach dem vielen Blau um uns herum. Kein Wunder, dass es Paul Gauguin hier so gut gefiel.
Die polynesische Besiedlung der Marquesas erfolgte ab etwa 300 n. Chr. vermutlich von Samoa und Tonga aus. Von den Europäern wurde die Inselgruppe 1595 von den Spaniern entdeckt, die ihr ihren heutigen Namen gaben. Sie wurde benannt nach dem damaligen Vizekönig von Peru: „Las Islas Marquesas Don García Hurtado de Mendoza y Canete“, kurz Marquesas.
Aufgrund der ungenauen Positionsangaben und des mangelnden Interesses der Spanier, gerieten die Inseln bald in Vergessenheit. Erst fast zweihundert Jahre später wurden sie von James Cook wiederentdeckt.
Die Inselgruppe gehört zu Französisch Polynesien und besteht aus 13 bewohnten Inseln, von denen wir vier besucht haben. Sandstrände gibt es hier nur wenige und die Ankerbuchten sind meist recht ungeschützt und Schwell ausgesetzt, da ein schützendes Saumriff fehlt. Obwohl hier jedes Jahr ein ganzer Schwung Segler vorbei kommt, sind Einrichtungen für diese quasi nicht vorhanden. Marinas gibt es keine und das Anlegen mit dem Dingi am Betonsteg ist bei dem heftigen Schwell jedes Mal ein Abenteuer und manchmal einfach nicht möglich. Aber die Freundlichkeit und Offenheit der Polynesier und die Schönheit der Inseln stellen diese Unwägbarkeiten in den Hintergrund und lassen unseren Aufenthalt zu einem wunderbaren Erlebnis werden.
Die erste Insel die wir besuchen ist Hiva Oa. Das Einklarieren bei den französischen Behörden ist schnell und unkompliziert gemacht und als ich Olaf frage, wie lange wir in Französisch Polynesien bleiben dürfen, antwortet er: „Für immer!“ Na, das fängt doch schon mal gut an.
Um einen besseren Eindruck zu bekommen, buchen wir eine geführte Tour über die Insel. Frida, unser Guide, fährt uns quer über die Insel zur Nordseite. Wir arbeiten uns die Berge hoch und wieder runter, es geht über gut ausgebaute Straßen und endlose Schotterpisten zu einem abgelegenen Ort, wo wir ein leckeres marquesisches Essen erhalten und eine alte Tiki-Stätte, eine Zeremonienstätte der polynesischen Ureinwohner, besuchen.
Das Betanken von „Antares“ ist leider ein weniger schönes Erlebnis. Da gerade der erste Teil unserer Pazifik- Passage nicht mit genügend Wind gesegnet war und wir viel unter Motor fahren mussten, müssen wir dringend Diesel tanken. Der Betonpier ist leider nur für das Versorgungsschiff und nicht für Segelboote unserer Größe ausgelegt. So müssen wir unseren Dieselvorrat mit 20l-Kanister auffüllen und fahren gemeinsam mit „MeriTuuli“ mit unseren Dingis mehrere Male zwischen der zum Glück in derselben Bucht liegenden Tankstelle und unseren Booten hin und her. Bei über 30°C und heftigem Schwell ist das kein Vergnügen und kann schon mal mehrere Stunden in Anspruch nehmen.
Unser nächstes Ziel ist Fatu Hiva, ganz im Süden des Archipels – eine Insel, die durch ihre raue Schönheit beeindruckt. Unser Ankerplatz ist von hohen, steil ins Meer abfallenden Bergen umgeben, die an jeder nur erdenklichen Stelle mit Palmen, Bäumen und Sträuchern bewachsen ist. An den hohen Gipfeln bleiben häufig Wolken hängen und Schauer sind nicht selten, was das üppige Grün beweist. Gerade zu Sonnenuntergang ist das Farbenspiel einfach fantastisch und der Anblick der steilen Felswände und dicht bewachsenen Berge in dem Licht der untergehenden Sonne einfach spektakulär.
Hier besuchen wir einen Wettbewerb traditioneller polynesischer Tänze, bei dem Tanzgruppen der verschiedenen marquesischen Inseln im Alter zwischen etwa 8-12 Jahren gegeneinander antreten. Der Sieger darf zur Endausscheidung nach Tahiti fliegen und muss sich dort gegen die Gewinner aus den anderen Regionen Französisch Polynesiens behaupten. Es ist ein schönes Spektakel, die Kinder in den traditionellen Kostümen tanzen und singen zu sehen.

Auf dem Hin- und Rückweg nach Fatu Hiva passieren wir die Insel Tahuata. Hier finden wir eine traumhafte, unbewohnte und sehr geschützte Bucht mit einem der wenigen hellen Sandstrände der Marquesas. Der Ankerplatz gefällt uns so gut, dass wir hier beide Male gleich ein paar Tage verbringen.

Von hier aus segeln wir nach Norden, vorbei an der wunderschönen, rauen und auch hohen Steilküste an der Westseite von Ua Pou, an der wir jedoch nur einen kurzen Stopp einlegen. Unser nächstes und letztes Ziel ist Nuku Hiva, die Hauptinsel des Archipels. Hier wollen wir noch einmal unseren Proviant mit frischen Lebensmitteln aufstocken. Zum Glück kommt kurz nach uns auch das Versorgungsschiff aus Tahiti an, so dass wir in den beiden kleinen Lebensmittelläden eine ganz gute Auswahl an westlichen Produkten finden. Ein paar Tage später sind viele Regale bereits wieder leer und bleiben es auch bis zum nächsten Versorgungsschiff. Wie zu erwarten war, sind die Preise recht hoch und wir sind froh, dass wir das Boot mit Lebensmittel und Drogerieartikel zuvor bis in die letzte Ecken ausgefüllt haben. Einen Gemüsemarkt gibt es ebenfalls, aber zu unserem Entsetzen wird uns gesagt, dass er in der Woche bereits um 6 Uhr aufmacht und man auch zeitig dort sein sollte, da man ansonsten nur noch Reste bekommt. Als Segler stehen wir zwar meistens recht früh auf, aber das ist uns doch zu früh, zumal es um diese Zeit auch noch stockdunkel ist. Wir waren um 7 Uhr dort und haben zwar nicht mehr alles, aber doch ausreichend Ware bekommen. Am Samstag darf man dort bereits um 4 Uhr zum Einkaufen hingehen. Aber das ist nichts für uns – soweit reicht unsere Liebe zu Tomaten und Salat dann doch nicht.

Nach 3 Wochen in den Marquesas ist es dann für uns Zeit, weiter zu ziehen. Die nächste Region Französisch Polynesiens erwartet uns: die Tuamotus mit ihren Lagunen und palmengesäumten Stränden – wir sind gespannt.

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Der Pazifik (21.03. – 14.04.2014)

Dreiviertel der Oberfläche unseres Planeten ist mit Wasser bedeckt. Alleine die Hälfte der Erdoberfläche nimmt der Pazifik ein. Eine unglaubliche Wassermasse, auf der man sich in einem fast 13-Meter-Boot sehr klein und unbedeutend vorkommt. Die Weite des Atlantiks war ja schon eine Herausforderung für uns, ist aber nichts im Vergleich zu den Ausmaßen des Pazifiks – wobei man auch noch bedenken muss, dass wir den Pazifik an seiner schmalsten Stelle überqueren.
Von Galápagos bis zu den Marquesas liegen rund 3.000 Seemeilen, d.h. etwa 3-4 Wochen Segeln, vor uns mit nichts als Wasser um uns herum. Der beste Weg damit umzugehen, dass wochenlang kein Land in Sicht und in Reichweite ist, ist wohl nicht weiter darüber nachzudenken. Andernfalls könnte einen diese Vorstellung und was sich daraus alles für Probleme und Gefahren ergeben, schlichtweg abschrecken. Wir bestreiten die Strecke zusammen mit „MeriTuuli“, so dass wir uns nicht ganz so einsam und verloren in dieser Wasserwüste vorkommen.

Mit jeder Seemeile, die wir zurückgelegt haben ist mein Vertrauen in „Antares“ gewachsen. Wir haben schon ein paar raue Wetterverhältnisse erlebt, teilweise über Tage, aber „Antares“ hat diese Situationen mit Bravour gemeistert, so dass ich dem Boot mit der Zeit immer mehr zutraue und mich gut aufgehoben fühle. Auch in meine seglerischen Fähigkeiten habe ich deutlich mehr Vertrauen, seitdem ich im Juni 2012 mit Null Segelerfahrung an Bord gekommen bin. Nach jetzt mehr als 17.000 gemeinsamen Seemeilen sind Olaf und ich als Team gut zusammengewachsen. Das zeigt sich sowohl bei den alltäglichen Dingen und dem engen Zusammenleben an Bord, als auch in kritischeren Situationen unterwegs, wenn Teamarbeit erforderlich ist und wir uns aufeinander verlassen müssen.

Der 9. Tag unserer Reise fängt eigentlich sehr beschaulich an. Wir haben angenehmes, sonniges Wetter, Wind um 14-16 Knoten und kommen gut voran. Eigentlich ist alles herrlich und wir genießen die Fahrt – aber zu früh gefreut. Es gibt vorne plötzlich einen Knall und der obere Teil der Genua, unseres Vorsegels, rauscht herunter, gleitet ins Wasser und wird neben dem Boot hergezogen. Der Schäkel oben am Fall, mit dem die Genua hochgezogen wird, ist gebrochen. Unten an der Furlexrolle hängt sie noch fest.
Wir sehen zu, dass wir das Segel an Bord bekommen und überlegen, was jetzt zu tun ist. Zum Glück ist das Segel in Ordnung und nur der Schäkel gebrochen. Jetzt gibt es eigentlich nur eine Möglichkeit: einer muss in den Mast und das Fall herunterholen, mit dem die Genua hochgezogen wird, damit wir den Schäkel austauschen und das Segel wieder hochziehen können. Das ist normalerweise keine große Sache – wenn man bei wenig Wind im Hafen ist. Bei Wind und Welle mitten auf dem Pazifik sieht das jedoch schon anders aus, zumal ich Olaf bisher überhaupt erst einmal in den Mast gezogen habe.
Die Mastspitze in 18 m Höhe pendelt etwa 2-3 m je Seite hin und her, was das Arbeiten dort oben nicht einfach und auch nicht ungefährlich macht. Da wir 1.000 Seemeilen von Galapágos und noch 2.000 Seemeilen von den Marquesas entfernt sind, sollte hier definitiv nichts passieren. Wir können aber auch nicht ohne weiteres auf das Vorsegel verzichten, da es auf dieser Route das wichtigste Segel ist, um bei achterlichem Wind gut voran zu kommen. Mit dem Großsegel würden wir bedeutend langsamer unterwegs sein.
Wir bereiten uns vor und wählen den Kurs so, dass wir vor den Wellen ablaufen, um die Schiffsbewegungen so gering wie möglich zu halten. Dann kurbel ich Olaf in die Mastspitze und er rutscht wie ein Klammeraffe den Mast hoch. Oben angekommen muss er eine Hilfsleine an dem Fall befestigen, um es wieder nach unten ziehen zu können. Als dies geschafft ist, lasse ich ihn langsam wieder herunter und wir sind heilfroh, dass alles ohne Zwischenfall geklappt hat.
Auf der Suche nach einem Ersatzschäkel müssen wir jetzt allerdings feststellen, dass wir keinen in der passenden Größe dabei haben. „MeriTuuli“, die unser Missgeschick mitbekommen und sofort die Segel eingeholt haben, fahren die ganze Zeit mit Motor neben uns her und haben glücklicherweise einen passenden Schäkel dabei. Wir ziehen die Genua wieder hoch und können nach knapp 2 Stunden Unterbrechung wieder unseren Kurs aufnehmen.
Gut, dass wir mit zwei Booten unterwegs sind und „MeriTulli“ uns aushelfen konnten. Wir hätten zwar in diesem Fall eine Notlösung gefunden, aber mit dem passenden Ersatzteil können wir doch beruhigter weitersegeln. Außerdem haben sie unsere Aktion in Bildern festgehalten und wir werden immer eine visuelle Erinnerung daran haben.
Bis zu diesem Ereignis gestaltet sich unsere Fahrt recht ereignislos. Da wir anfänglich wenig bis keinen Wind haben, können wir noch keinen direkten Kurs anlegen, sondern müssen unter Motor erst einmal nach Süd-Westen auf etwa 6 bis 7 ° südlicher Breite, da hier langsam der Süd-Ost-Passat einsetzt, der uns dann mit gleichmäßigem Wind in die Südsee bringen soll. Bis dahin heißt es jedoch vier Tage mit Motor fahren, wobei wir am 2. Tag die Gunst der Stunde und die ruhige See nutzen, um noch schnell drei Maschinen Wäsche zu waschen.
Am 5. Tag früh morgens haben wir dann endlich etwas Wind gefunden und können den Motor ausstellen. Von jetzt an geht es mehr oder weniger direkt zu den Marquesas. Das Wetter ist anfänglich sehr wolkig und regnerisch und erinnert eher an Ostseesegeln, als an Passatsegeln im Pazifik, jedoch ist hier immerhin der Regen wärmer. Ein paar Gewittergebieten müssen wir noch auszuweichen, aber nach ein paar Tagen setzt stetiger Wind ein und wir kommen unserem Ziel langsam, aber sicher näher. Einzig die See ist sehr unruhig. Wir hatten erwartet, dass die Wellen etwa aus der Windrichtung kommen. Aber das ist nicht der Fall – sie kommen leider aus verschiedenen Richtungen, so dass sie manchmal das Boot wie einen Korken hin- und her werfen.

Die größten Herausforderungen – neben unserer Mastaktion – sind sicherlich die Bewegungseinschränkung auf so einer langen Reise, das platt gesessene Hinterteil und die aufkommende Lethargie gekoppelt mit Müdigkeit. Auch nerven die ewig rollenden Bewegungen des Schiffs von rechts nach links ungemein. Was ein, zwei Tage sicherlich ganz in Ordnung ist, ist nach Wochen einfach nur anstrengend. Bis zu einem gewissen Maß gewöhnen wir uns natürlich daran, aber irgendwann ist dann doch einfach mal genug.

Neben unserem Satellitentelefon ist unser Kurzwellengerät (SSB) mit Pactor-Modem unsere Schnittstelle zur Außenwelt. Hierdurch bekommen wir unsere Wetterinformationen und können mit Familie und Freunden per E-Mail und mit anderen Seglern per Funk über längere Distanzen kommunizieren.
Bei diesem Trip hören wir morgens und abends auf zuvor festgelegten Frequenzen und Zeiten regelmäßig im „Multinet“ rein, eine von Seglern organisierte Funkrunde. Boote, vorwiegend welche, die im Pazifik unterwegs sind, können hier ihre aktuelle Position melden, sich über das Wetter austauschen und gegebenenfalls Probleme technischer oder gesundheitlicher Art besprechen. Eine schöne Unterbrechung im Segelalltag.

Nach 23,5 Tagen tauchen langsam aus der Dunkelheit die Umrisse einer Insel auf. Wir segeln in den frühen Morgenstunden an der hohen, zerklüfteten Küstenline von Hiva Oa vorbei zu unserem Ankerplatz vor Atuona. Es ist ein wunderbares Gefühl nach so vielen Tagen auf See wieder Land zu sehen. Das üppig grün bewachsene Hiva Oa kommt uns vor wie der Garten Eden.

Wir haben es geschafft: nach 3.057 Seemeilen und knapp 24 Tagen auf See haben wir unsere erstes Ziel in der Südsee erreicht!

Galápagos – ein Naturparadies (05.03. – 21.03.2014)

Der zu Ecuador gehörende Archipel liegt etwa 1.000 km vor der Westküste Südamerikas direkt auf dem Äquator. Die Inselgruppe umfasst 13 größere, 6 kleinere Inseln und mehr als 40 Eilande. Die Galápagos-Inseln sind ozeanische Inseln, d.h. sie sind vulkanischen Ursprungs und erheben sich vom Meeresboden aus großer Tiefe an die Oberfläche. Die Vulkane der östlichen Inseln sind erloschen, die westlichen Inseln liegen auf einem Hot-Spot und haben noch aktive Vulkane. Die letzte Eruption im Archipel war 2005 auf der jüngsten Insel, auf Isla Fernandina.

Galápagos liegt im Einflussbereich mehrerer Meeresströmungen,  die das Inselklima bestimmen und die Gewässer mit Nährstoffen anreichern. Der Panama Strom bringt von Januar bis Juni warmes Wasser von Norden und der Cromwell Strom oder Äquatoriale Tiefenstrom bringt im Juli/ August kaltes, nährstoffreiches Wasser von Westen.  Der Humboldt-Strom (Peru-Strom) führt von Juli bis Dezember ebenfalls kaltes,  nährstoffreiches Wasser aus der Antarktis bis zu der Inselgruppe und ist eine wichtige Nahrungsgrundlage für die Tierwelt. In einem El Nino Jahr erreicht der Humboldt-Strom die Inseln nicht und vielen Meerestieren wird ihre Nahrungsquelle geraubt, was verheerende Folgen für die Tierwelt haben kann.

Aufgrund ihrer isolierten geografischen Lage konnte sich eine festlandähnliche, aber trotzdem sehr eigene Flora und Fauna mit zahlreichen endemischen Arten im Laufe der Millionen Jahre entwickeln.  Selbst auf den einzelnen Inseln konnten unterschiedliche endemische Arten entstehen. Die Artenvielfalt sowohl an Land, als auch im Wasser ist enorm.
Die Tierwelt setzt sich primär aus Vögeln und Reptilien zusammen: Fregattvögel, verschiedene Tölpel-Arten, Albatrosse, Pelikane und die am nördlichsten lebende Piguin-Art, der Galápagos-Pinguin, die Galápagos-Riesenschildkröte, Landechsen und Lavaleguane um nur einige Beispiele zu nennen. Säugetiere sind nur mit wenigen Arten vertreten wie z.B. dem Galápagos-Seelöwen oder der Galápagos-Pelzrobbe.
Die an den Felsküsten lebende Meerechse ist die einzige ihrer Art weltweit, die eine amphibische Lebensweise angenommen hat. Sie kann sich unter Wasser gut fortbewegen und ernährt sich von Algen. Über 300 Fischarten, Wasserschildkröten, verschiedene Rochen- und Hai-Arten leben in den Gewässern. Eine besondere Attraktion sind die Hammerhaie, die zu Schulen von Dutzenden Tieren im Archipel leben.

Es existieren zwei Jahreszeiten auf Galápagos. In den Monaten von Januar bis Juni herrscht Regenzeit, in der es bei ansonsten blauem Himmel und hoher Lufttemperatur zu kurzen Schauern kommen kann und durch den Panamastrom warmes Wasser heranführt wird. In den Monaten von Juli bis Dezember ist es eher kühl, der Himmel ist meist wolkenverhangen und der Humboldt-Strom führt kaltes Wasser in den Bereich der Inseln. Diese Zeit wird auch Garúa genannt.

Nur vier Inseln des Archipels sind bewohnt: Isla San Cristóbal mit dem Verwaltungssitz (8.000 Einwohner), Isla Santa Cruz, die touristische Hauptinsel (18.000 Einwohner),Isla  Isabela, die größte Insel (2.000 Einwohner) und Isla Floreana (100 Einwohner). Insgesamt bewohnen somit rund  28.000 Menschen die Inselgruppe. Die Zuwanderung wird strikt geregelt und ist nur möglich durch Heirat eines Bewohners der Galapágos –Insel.  Dies gilt selbst für Festland-Ecuadorianer, die auch nur eine Aufenthaltsgenehmigung bis maximal 3 Monate bekommen.

Wir haben im Vorfeld ein „Autografo“, eine Cruising-Erlaubnis, in Quito durch einen Agenten beantragt und können dadurch drei Inseln anlaufen. Ohne „Autografo“ ist nur eine Insel gestattet. Die Reihenfolge, in der man die Inseln besucht und die jeweilige Ankerbucht pro Insel ist genau festgelegt und jede Insel darf nur einmal angefahren werden.  Häfen gibt es keine in der ganzen Inselgruppe.
Nach einer Woche Überfahrt von Panama laufen wir Puerto Baquerizo Moreno auf San Cristóbal, die fünftgrößte Insel des Archipels, als erstes an (max. Höhe: 896 m). Die Hauptstadt der Provinz Galápagos ist klein, aber man findet Restaurants, kleine Einkaufsmöglichkeiten für das Nötigste und sogar Internet – letzteres allerdings erschreckend langsam. Neben den 8.000 Einwohnern leben hier am Ort und in der Bucht massenhaft Seelöwen, die den ortseigenen Strand und teilweise auch die Promenade des Ortes belagern.
Als nach drei Tagen die Einklarierungsformalitäten abgeschlossen sind, nehmen wir uns ein Taxi und schauen uns das Inland der Insel an. Die Fahrt geht von unserem Ort zur 700 m hoch gelegenen Laguna El Junco, einem Maarsee und eines der wenigen Süßwasserreservoirs der Insel. Von hier aus hat man einen guten Blick über das Hochland bis hinunter zum Meer und zum einzigen Windpark Ecuadors, der 50% des Stroms der Hauptinsel erzeugt – mit sage und schreibe drei Windrädern!
Danach geht es zur Schildkröten-Aufzuchtstation La Galapaguera, in der man die Galápagos-Riesenschildkröten in den verschiedenen Altersstufen anschauen kann. Als Abschluss geht es zum Baden an den schönen Strand Puerto Chino mit seinem weißen Sand und türkis-blauem Meer.

Unsere zweite Station ist Puerto Ayora auf Isla Santa Cruz, der zweitgrößten Insel Galápagos (max. Höhe: 864 m). Die Insel ist der touristische Mittelpunkt des Archipels und der Ort ist dadurch deutlich geschäftiger. Von hier aus starten viele Exkursionen zu den umliegenden Inseln.
Der Ausflug zur Tortuga Bay, eine etwa 5 km lange Wanderung unter der unbarmherzigen Äquatorsonne ist zwar schweißtreibend, aber die Anstrengung lohnt sich. Der weiße, lange Sandstrand und das grünliche Meer sind wunderschön. Den Strand suchen Wasserschildkröten zur Eiablage auf und ist dadurch ab 18 Uhr gesperrt. Verschiedene Vogelarten, Pelikane und Meerechsen sind hier anzutreffen. Wegen der rauen Brandung und der starken Strömung gehen wir zum Baden in die angrenzende, mangrovengesäumte Bucht, die deutlich geschützter liegt, wo aber das Wasser fast schon zu warm ist und kaum Abkühlung bringt. Hier schwimmen ein paar Mal große Fische um unsere Füße, die sich als kleine Weißspitzenriffhaie entpuppen. Highlight ist ein Bad mit den Meerechsen, wobei sie ohne Scheu nahe an einem vorbei schwimmen und strikt ihren Kurs beibehalten – egal, ob da jemand steht. Hier haben die Tiere Vorfahrt und das scheinen sie auch zu wissen. Die Meerechsen kommen nach der Nahrungsaufnahme im Wasser zahlreich an den Strand, um sich in die Sonne zu legen und ihren Wärmehaushalt zu regulieren. Die größten Echsen sind um 1,20 m lang und sehen aus wie aus einem anderen Zeitalter.
Auf Isla Santa Cruz haben wir die letzte Möglichkeit, noch einmal größer einzukaufen, bevor wir uns auf den Weg zu der dritten und letzten Insel machen.

Isla Isabela ist die größte Insel im Archipel (max. 1.707 m). Sie liegt direkt auf dem Galapágos-Hot-Spot und alle fünf Vulkane der Insel, die bis zu 1.707 m hoch sind, sind aktiv.
Wir gehen in Puerto Villamil vor Anker. Der Ort ist deutlich beschaulicher, weniger touristisch und sowohl Haupt-, als auch Nebenstraßen sind staubige Sandpisten, die alles in ihrer Nähe mit einer Sandschicht überziehen.
Von hier aus machen wir drei Touren, um die Insel zu erkunden. Mit der ersten Tour geht es in einer 5-stündigen Wanderung zu den Vulkanen  Sierra Negra (1.370 m) und Chico (860 m). Der Vulcáno Sierra Negra beeindruckt durch die Größe seines Kraters, dessen  Ausmaß erst deutlich wird, wenn man am Kraterrand steht und bis zur anderen Seite hinüber blickt. Er hat einen Durchmesser von 12 km und ist damit der zweitgrößte weltweit. Danach geht es weiter zum jungvulkanischen Gebiet des Vulcáno Chico, der mit seiner bizarren Landschaft sehr sehenswert ist.
Am nächsten Tag machen wir einem Bootsausflug  an die Südküste zu den Los Túneles – interessante Lavaformationen direkt am Meer,  wo wir Blaufußtölpel aus nächster Nähe sehen und  in deren seichtem Gewässer sich Wasserschildkröten tummeln. Auf dem Weg dorthin springen wir ins Wasser, um mit Manta Rochen (Devil Manta Rays) zu schnorcheln, die dort in großer Anzahl anzutreffen sind und fahren an dem vorgelagerten Felsen Roc Unídad vorbei, einer Brutkolonie für Nazcatölpel. Zum Abschluss schnorcheln wir noch einmal mit Weißspitzenriffhaien, die uns quasi über die Füße schwimmen.
Direkt bei Puerto Villamil gibt es auch noch ein paar interessante Spots, um Landschaft und Tiere anzuschauen. Für die insgesamt 12 km lange Strecke leihen wir uns Fahrräder und radeln die Küste entlang mit abschließendem Bad an einem wunderschönen Strand, den wir uns mit den Meerechsen teilen. Drei wirklich tolle, aber bei der Hitze auch anstrengende Touren. Die Sonne ist wirklich unbarmherzig so nahe am Äquator und die Hitze zu dieser Jahreszeit ebenso.

Es ist wirklich unglaublich, die Tiere so nah zu sehen. Selbst an unseren Ankerplätzen schwimmen immer wieder Seelöwen, Rochen, Schildkröten und auf der letzten Insel auch kleine Pinguine bei uns am Boot vorbei. In der Luft schwirren Pelikane, Fregattvögel, verschiedene Tölpelarten direkt über uns her – die Pelikane teilweise zum greifen nah. Und an den Stränden sieht man viele Meerechsen zum wärmen in der Sonne liegen. Die Tierwelt ist hier wirklich zahl- und artenreich – einfach fantastisch und wirklich was besonderes. Wir sind trotz des anfänglichen Ärgers und der Kosten froh, dieses Fleckchen Erde besuchen zu können. Irgendwas scheint die Naturschutzbehörde hier ja doch richtig zu machen, denn so etwas haben wir bisher noch nicht gesehen.
Am Freitag (21.3.2014) nehmen wir dann Abschied von Galápagos und machen uns wieder zusammen mit „MeriTuuli“ auf den Weg zur längsten Etappe unserer gesamten Reise – in die Südsee zu den Marquesas nach Französisch Polynesien. Das sind rund 3.000 Seemeilen Wasser, Wasser und nichts als Wasser.

Galápagos – der erste Eindruck (26.02. – 05.03.2014)

Wie zu dieser Jahreszeit zu erwarten ist, ist der Wind auf der Strecke von Panama nach Galápagos eher schwach und wir rechnen damit, dass wir viel unter Motor fahren müssen. Um schnellstmöglich die Innertropische Konvergenzzone  (ITCZ) zu durchqueren, nehmen wir nicht den direkten Kurs auf Galápagos, sondern fahren erst einmal nach Südwesten. Die ITCZ ist ein Bereich mit wenig oder keinem Wind, heißem, schwülem Wetter und häufig auftretenden, sehr starken Gewittern mit heftigen Regenfällen – kein Gebiet, in dem man sich lange aufhalten möchte. Im Frühjahr kann sich die ITCZ von Panama bis hinunter nach Galápagos erstrecken, später im Jahr wandert sie weiter nach Norden hinauf.
Wir haben zwar insgesamt wenig Wind, schaffen es aber uns fernab der Gewitter zu halten, so dass die Fahrt insgesamt sehr angenehm und entspannt ist. Am 04.03.2014 um 15.48 Uhr (21.48 Uhr UTC) überqueren wir bei strahlendem Sonnenschein und glatter See zusammen mit MeriTuuli den Äquator und stoßen mit einem Bier auf das Erreichen der südlichen Hemisphäre an.
Die letzte Nacht ist wunderschön und die See so ruhig, dass sich die Sterne im Wasser spiegeln. Einziger Wehrmutstropfen ist unser blinder Passagier in der Mastspitze, der sich einfach nicht vertreiben lässt und die ganze Nacht bis kurz vor Galápagos mit uns fährt. Das ein Seevogel eine so rege Verdauung haben kann und das ganze Bimini, den Baum und einen großen Teil des Decks dermaßen verunreinigen kann, ist schon unglaublich. Am nächsten Morgen nach Sonnenaufgang heißt es also erst einmal Bootwaschen und Wasser produzieren, da wir unbedingt mit vollen Tanks zum Ankerplatz fahren wollen.
Entschädigt werden wir für die morgendlichen Mühen  mit einer großen Schule Delfine, die uns eine ganze Zeit begleite. Erstmals sind es die Großen Tümmler, also Flipper, die uns besuchen kommen.
Die großen Tiere um unser Boot spielen zu sehen ist schon beeindruckend.

Die Auflagen für Segler in Galápagos sind sehr streng, teuer und unangenehm. Wir haben ein „Autografo“, eine Cruising-Erlaubnis, für Galápagos beantragt, damit wir drei Inseln des Archipels anfahren können und nicht nur eine.
Unsere erste Ankerbucht ist daher Puerto Baquerizo Moreno auf San Cristobal. Als wir den Anker ins Wasser werfen kommt erst einmal ein neugieriger Seelöwe angeschwommen – und das soll nicht der einzige bleiben, was man von weitem auch schon riecht. In der ganzen Bucht und am Land wimmelt es nur so von Seelöwen. Hätten man nicht den Küstenstreifen zumindest größtenteils abgesperrt, würden sie sich wahrscheinlich mitten auf die Straße zum Sonnen legen. Gerne springen sie auch auf die Boote in der Bucht und genießen das leichte Schaukeln. Daher ist es auch nicht ratsam, sein Dingi hinten ans Boot zu binden, da man nicht lange auf Besuch warten müsste und sich die Sonnenanbeter nur unter lautstarkem Protest wieder vertreiben lassen.
Wir hatten eigentlich gedacht, dass unsere Badeplattform zu steil und die Stufen zu schmal sein würden, aber das sieht der kleine Kerl, der es nach mehreren vergeblichen Versuchen doch noch schafft, anders und er macht es sich auf der untersten Stufe gemütlich.

Für das Einklarieren brauchen wir drei Tage und ist mit Abstand das langwierigste, komplizierteste und teuerste Verfahren von allen mit dem Boot bisher bereisten Ländern. Vielleicht soll das zur Abschreckung von Seglern dienen. Unser Agent, den wir schon im Vorfeld wegen des „Autografo“ beauftragt hatten, kommt diverse Male mit den unterschiedlichen Behörden zu uns an Bord. Auf Galápagos sind aber nicht die normalen Behörden wie Zoll, Immigration oder die Capitanía das Problem, sondern die Nationalparkverwaltung. Uns ist ja klar, dass der Park mit seinen endemischen Tieren und Pflanzen geschützt werden muss, aber müssen die Nationalparkleute gleich mit fünf Leuten und zwei Tauchern aufkreuzen? Wollen die bei uns eine Party feiern? Uns werden diverse Fragen gestellt, Kühlschrank und Schränke werden inspiziert und zu unserer Verwunderung wird alles fotografiert. Warum muss der Inhalt unserer Kühlschränke und das Fach mit meiner Unterwäsche fotographisch festgehalten werden? Was machen die mit diesen Fotos? Das ist wohl etwas übertrieben und verletzt doch irgendwie unsere Privatsphäre.
Unser Unterwasserschiff wird auch abgetaucht und auf mitgebrachte Tiere oder Pflanzen untersucht – und natürlich fotografiert. Das ist zum Glück der letzte „Besuch“. Hoffentlich lohnt der ganze zeitliche, finanzielle und nervliche Aufwand. Für Olli ist bereits klar: einmal Galápagos reicht – zumindest mit dem Segelboot. Eine gebuchte und organisierte Kreuzfahrt ist sicher eine ganz andere Geschichte, aber als Segler scheint man hier nicht so willkommen zu sein.
Dummerweise unterteilt die Inselgruppe aber die 4.000 Seemeilen von Panama zu den Marquesas und man kann nach rund 1.000 Seemeilen noch einmal verschnaufen, sich mit frischen Produkten eindecken und vor allem Diesel tanken, den man in dem Kalmengürtel um den Äquator dringend braucht. Andernfalls würden wahrscheinlich die meisten Segler Galápagos links liegen lassen.

Nachdem wir das ganze Prozedere hinter uns haben, können wir uns jetzt daran machen, die Inseln zu erkunden und die Tierwelt zu entdecken. Einen kleinen Eindruck haben wir ja bereits bekommen.

Der Panamakanal und ein kurzer Stopp in den Islas Las Perlas (21.02. – 26.02.2014)

Am 21.02.2014 um 16 Uhr ist es soweit: wir werfen in der Marina die Leinen los und machen uns auf Richtung Panamakanal. Der Vormittag war noch recht hektisch.  Zwei warme Mahlzeiten für jeweils sechs Personen in der kleinen Bordküche zu kochen bzw. vorzubereiten braucht schon etwas Zeit. Wir sind nämlich verpflichtet, dem Lotsen ein ordentliches, warmes Abendessen und am nächsten Tag ein entsprechendes Mittagessen zu servieren. Da die drei Leinenhändler und wir selbst auch was essen müssen, bedeutet es halt, für Sechs zu kochen.
Wir haben den Tipp bekommen, dass man auf der Seite „Panlinehandler.com“ Leute finden kann, die daran interessiert sind, durch den Panamakanal zu fahren und sich als Leinenhändler anbieten. Auf dieser Seite finden wir Inma und Carlos, zwei mit ihren drei Kindern seit vier Jahren in Panama lebende Spanier, die kurzfristig zusagen und eine wirkliche Bereicherung sind. Von unserem Agenten brauchen wir somit nur einen professionellen Leinenhändler, damit wenigstens einer an Bord schon einmal die Passage gemacht hat und weiß, was er zu tun hat.

Auf halber Strecke zur Kanaleinfahrt müssen wir auf das Lotsenboot warten, dass uns dann, etwas verspätet, unseren Lotsen an Bord bringt. Wir sollen zu Dritt als Päckchen hochgeschleust werden und werden kurz vor der ersten Schleuse zusammengeschnürt: wir rechts, in der Mitte MeriTuuli als größtes Boot und links ein Boot aus Südafrika.
Mittlerweile ist es 19 Uhr und dunkel, was aber nichts ausmacht, da die Schleusen hell erleuchtet sind. Das mittlere Boot übernimmt das Steuern des Päckchens und manövriert uns hinter einen großen Frachter mittig in die erste Schleuse. Jeweils zwei Leinen von den äußeren Booten gehen hoch an die Schleusenmauer und werden dort fixiert. Die doppelten Schleusentore schließen sich und Wasser strömt schnell hinein und bildet kleine Strudel.
Von den 12 Leinenhändlern, die für die drei Boote vorgeschrieben sind (vier je Boot), haben effektiv nur vier etwas zu tun – nämlich je zwei auf den äußeren Booten. Der Rest sitzt rum und schaut sich das Ganze nur an. Als der erste Schleusenvorgang beginnt, meint unser Lotse, er wäre jetzt jederzeit bereit für sein warmes Abendessen und ich muss leider zwischendurch in die Küche verschwinden – wie ärgerlich.

Die Gatun-Schleuse besteht aus drei direkt hintereinander liegenden Schleusen. Wir fahren also als Päckchen nach dem Schleusenvorgang von einer in die nächste Schleuse. Nach etwa 1,5 Stunden werden wir im Gatun See, 26 m über dem Meeresspiegel,  raus gespült. Auf Geheiß des Lotsen steuern wir eine Mooringboje an, an der bereits drei Boote liegen, so dass wir längsseits an ein dort vertäutes Segelboot gehen. Der Lotse wird vom Boot abgeholt, die drei Leinenhändler Inma, Carlos und Eric bleiben mit uns auf „Antares“.

Am nächsten Morgen soll es um 7 Uhr weitergehen, allerdings kommt der neue Lotse erst gegen 9 Uhr an Bord und wir können unseren Weg durch den Gatun See und den Kanal fortsetzen.
Für MeriTuuli beginnt der Morgen mit einem Schrecken. Ihr Lotse hat sie nämlich über Nacht ankern lassen und zur Abfahrt am nächsten Morgen können sie erst nach mehreren Versuchen den Anker heben.  Der Gatun See ist ein Stausee, in dem Bäume und Unrat auf dem Grund liegen, in dem sich der Anker prima verfangen kann. Unser Lotse hat uns daher mitgeteilt, dass es keine gute Idee ist, hier zu ankern. Der Lotse von MeriTuuli war leider nicht so umsichtig. Wenn man den Anker nicht wieder hoch bekommt, bleibt einem nur das Kappen der Ankerkette übrig oder einen Taucher für viel Geld zu bezahlen, der den Anker befreit. Bei letzterem würde man allerdings auf einen neuen Termin für die Weiterfahrt warten müssen und so lange im Gatun See festhängen. Zum Glück klappt es ja beim letzten Versuch.

Die Weiterfahrt durch den blau-grünen See ist sehr ruhig und entspannt und erinnert ein wenig an deutsche Talsperren, wäre die Vegetation nicht deutlich exotischer und die Temperaturen nicht etwa doppelt so hoch. Zudem schwimmt hier auch mal ein Leguan am Boot vorbei und es soll ja auch Krokodile geben, die sich allerdings nicht blicken lassen.
Nach einiger Zeit verlassen wir den See und fahren durch den Gillard Cut, einem Kanal, der bis zu den letzten Schleusen führt. Wir kommen an dem 200 m hohen Gold Hill vorbei. Hier stand dem Kanal beim Bau leider ein Hügel im Weg. Um die Arbeiter zu motivieren, den Hügel mit viel Enthusiasmus abzutragen, erzählten die Bauherren, dass hier Gold gefunden wurde. Das beschleunigte zwar das Bauvorhaben, verhalf aber den Arbeitern nicht zu Reichtum, da hier natürlich niemand auch nur den kleinsten Goldklumpen fand.
Vor der Pedro-Miguel-Schleuse, der ersten Schleuse am Ende des Kanals, werden unsere drei Boote wieder zusammen vertäut. Diesmal gehen wir vor einem Frachter bzw. einem Autotransporter  in die Schleuse. Unser Päckchen hat die Position in der Schleuse rasch erreicht, das Schiff braucht bei seiner Größe etwas länger. Es wird von kleinen Loks langsam in die Schleuse gezogen und ragt turmhoch hinter uns auf. Nach Absinken des Wasserspiegels scheinen letztlich nur noch Zentimeter zwischen Bordwand und Schleusenmauer zu sein.
Verlief das Hochschleusen am Tag zuvor schon problemlos, so ist das Runterschleusen nochmals unspektakulärer. Die Schleusentore öffnen sich und wir fahren als Dreierpäckchen durch den kleinen Miraflores See zu den letzten beiden direkt hintereinander liegenden Schleusen, den Miraflores Schleusen. Hier wiederholt sich die Prozedur von der ersten Schleuse und nach dem letzten Schleusenvorgang öffnen sich die Tore zum Pazifik. Wir haben es tatsächlich geschafft und befinden uns jetzt auf der anderen Seite des amerikanischen Kontinents. Unglaublich! Hätte uns das jemand bei unserer Abreise oder auch nur ein Jahr zuvor gesagt, wir hätten ihn schlichtweg für verrückt erklärt. Eigentlich wollten wir ja nur bis Nordspanien!
Der Lotse wird abgeholt, wir fahren unter der „Bridge of the Americas“, über die die Panamericana führt, durch und in Balboa gehen per Wassertaxi die Leinenhändler von Bord. Die Drei waren wirklich super nett und haben uns die Durchfahrt sehr angenehm gemacht. Hoffentlich werden wir Inma und Carlos irgendwo noch einmal wieder sehen und können uns dann für ihre vergnügliche und anregende Gesellschaft und Hilfe bedanken. Wir ankern ein Stückchen weiter in La Playita de Amador und bleiben dort für die nächsten zwei Tage liegen.

Die gesamte Passage ist wirklich sehr unproblematisch verlaufen und unsere Sorgen oder Gedanken waren in unseren Fall völlig unbegründet.
Etwas unangenehm waren nur zwei Mal Schlepper, die mit ihrer rücksichtslosen Fahrweise unser Dreierpäckchen ins Trudeln gebracht haben. Der erste fuhr mit hoher Geschwindigkeit nahe an uns vorbei und erzeugte ordentliche Wellen, so dass unsere vertäuten Boote heftig auf- und ab wippten. Der zweite gab gerade in dem Augenblick, als wir uns direkt hinter ihm befanden, Vollgas, um einen Frachter wegzuschieben. Durch die von der Schraube erzeugte Strömung drifteten wir plötzlich Richtung Ufer, konnten aber durch sofortiges Gegensteuern das Dreierpäckchen schnell wieder auf Kurs bringen. Alles andere war ein Kinderspiel – und darüber sind wir sehr froh und glücklich.

Von unserem Ankerplatz in La Playita de Amador geht es mit MeriTuuli weiter zu unserem letzten Stopp in Panama. Die Inselgruppe Las Perlas befindet sich südwestlich vom Panamakanal und Panama City.  Wir steuern zunächst die Isla Contadora an, eine nördlich gelegene Insel. Da unsere Windanzeige 0 Knoten Wind anzeigt und das Meer glatt wie ein Spiegel ist, waschen wir erst einmal zwei Maschinen Wäsche – gelobt sei unsere Waschmaschine! Das haben wir bisher auch noch nicht bei Seefahrt gemacht.
Olaf, der früher unter keinen Umständen auch nur mit einem Handtuch an der Reling den Hafen verlassen hätte, steuert nun ein Boot mit zwei Wäscheleinen voller Bettwäsche – die Zeiten und Notwendigkeiten ändern sich.
Am nächsten Tag geht es weiter zur Isla Canas. Unterwegs sehen wir massenhaft Seevögel, Pelikane, Delfine und sogar zwei Wale. In einer einsamen, ruhigen Bucht im Süden der Inselgruppe gehen wir gemeinsam vor Anker. Am 26. Februar verabschieden wir uns bei strahlendem Sonnenschein und annähernd keinem Wind von Panama und machen uns mit zwei Booten auf nach Galapagos.

Oh, wie schön ist Panama (05.-20.02.2014)

Wir verlassen Curacao und segeln 643 Seemeilen weiter die venezolanische und kolumbianische Küste entlang nach San Blas, Panama. Die 4 Tage auf See sind eigentlich sehr schön, jedoch erwischt es uns in der dritten Nacht ordentlich. Die Ecke ist bei Seglern berühmt-berüchtigt für starken Wind und ausgesprochen hohen, kurzen Wellen und genau das erwartet uns dort auch nachts. Eigentlich ist es gut, dass es dunkel ist, als wir durch dieses Gebiet segeln. Dann kann man die achterlichen Wellenberge wenigstens nicht sehen. Am nächsten Vormittag ist dann der Spuk vorbei und wir können wieder perfektes Passat-Segeln genießen. Die Nacht hat uns allerdings reichlich Beute beschert: wir zählen 91! fliegende Fische an Deck. Das ist bisher absoluter Rekord!

Die San Blas Inseln sind Teil des autonomen Gebietes Guna Yala und liegen vor der Nordküste Panamas. Auf 57 der insgesamt 365 Inseln leben etwa 25.000 Kuna, eine indigenen Ethnie Panamas. Zusammen mit der auf dem Festland lebenden Bevölkerung sind es insgesamt etwa 33.000 Kuna, die sich in diesem Gebiet selbst verwalten.

Das Inselarchipel ist wirklich traumhaft schön und bietet einen Vorgeschmack auf die Südsee – oder zumindest stellen wir uns das so vor: kleine Palmeninseln mit weißem Sandstrand umgeben von Wasser in den schönsten Blautönen – einfach herrlich!

Im Westen, nahe der Hauptinsel El Porvenir, ist es etwas touristischer. Weiter nach Osten hin, zur kolumbianischen Grenze, sind kaum noch Segler anzutreffen. Lange können wir leider nicht im Paradies bleiben, da wir in Colón verabredet sind.

Jetzt liegen wir in der Shelter Bay Marina etwa 10 Seemeilen vom Eingang des Panamakanals entfernt und bereiten uns für die Durchfahrt und die Passage in den Pazifik vor. Und da sind wir nicht die einzigen! Es herrscht reges Treiben in der Marina. Überall wird gewerkelt, geschraubt, gebastelt und proviantiert. Antares ist bereits so voll mit Lebensmitteln, dass es an ein Wunder grenzt, dass sie überhaupt noch schwimmt. Jede freie Stelle ist mit Nudeln, Reis, Dosen etc. belegt. Aber zum einen brauchen wir Proviant für die langen Passagen, zum anderen wird es sicher in manchen Regionen der Südsee deutlich schwieriger sein, Lebensmittel zu bekommen oder wenn doch, dann zu horrenden Preisen. Also nehmen wir so viel wie möglich mit.

Für die Kanaldurchfahrt haben wir einen Agenten beauftragt, der sich um die Formalitäten kümmert, Termine mit der Kanalbehörde zur Abmessung des Bootes vereinbart und uns für die Durchfahrt einbucht. Zudem versorgt er uns mit den in den Schleusen vorgeschriebenen langen, stabilen Leinen und zusätzlichen Fendern bzw. Autoreifen.

Bevor man in die Schleuse fährt, bekommt jedes Boot einen Lotsen zugeteilt, der die gesamten 40 Seemeilen an Bord bleibt. Zusätzlich muss jedes Boot neben dem Lotsen und dem Skipper noch vier Leinenhändler haben, die in den Schleusen dafür zuständig sind, das Boot in der Mitte zu halten und die Leinen entsprechend zu fieren oder dicht zu holen. Leinenhändler können Crewmitglieder, andere Segler oder vom Agenten beauftragte Leute sein.

Wir haben unseren Termin für Freitag, den 21.2. erhalten. So wie es jetzt aussieht, werden wir Freitagnachmittag mit zwei weiteren Segelbooten im Päckchen in die ersten drei Schleusen fahren, die uns 26 m über den Meeresspiegel bringen. Nach dem Schleusenvorgang verlässt der Lotse für die Nacht das Boot und wir machen im Gatun-See an einer Boje fest. Früh am nächsten Morgen geht es weiter durch den Kanal bis zu den drei Schleusen am Ende, die uns dann auf den Pazifik-Level runterbringen. In Balboa gehen dann der Lotse und die drei Leinenhändler von Bord und wir segeln zu zweit weiter.

Die Schleusenvorgänge können für kleine Boot manchmal etwas unangenehm sein, da ca. 101.000 m³ Wasser in ungefähr 8 Minuten in die Schleuse rein- oder raus fließen. Da können schon ordentliche Strömungen entstehen. Ein weiteres Handicap ist der sogenannte White-Wash, der entsteht, wenn man hinter einem großen Frachter hochgeschleust wird. Wenn der Frachter dann mit eigener Motorkraft die Schleuse verlassen muss, entstehen durch die Schraube Turbolenzen, die dann ein Segelboot schon mal in Schwierigkeiten bringen können, wenn die Leinen nicht richtig gehandhabt werden. Im Großen und Ganzen soll es aber wenig Schäden oder Probleme geben und das soll auch bitte so bleiben. Wir dürfen auf Freitag und Samstag gespannt sein.

Karibik die Zweite (09.12.2013 – 04.02.2014)

Zurück in die Karibik nach Antigua – hier waren wir ja schon einmal und wären hier auch nicht wieder hingesegelt, wenn es nicht ein guter Treffpunkt mit unseren schweizer Freunden Eva und Alec und deren Boot „Tangaroa“ gewesen wäre. Von den beiden nach dieser beschwerlichen Fahrt aus den USA im Hafen von Jolly Harbour in Empfang genommen zu werden tut richtig gut. Die 10 Monate Trennung werden bei gemeinsamen Abendessen und so mancher Flasche Wein schnell aufgearbeitet.
Die beiden erhalten für zwei Wochen Besuch von Ulrike und Matthias, zwei deutschen Seglern aus Köln, die wir auch im letzten Jahr kennengelernt haben und wir verbringen gemeinsam eine schöne Zeit mit vielen feucht-fröhlichen Abenden in den Cockpits unserer beiden Boote und einem sehr gemütlichen  Weihnachtsessen auf „Tangaroa“.
Olaf’s Geburtstag und Silvester verbringen wir noch auf Antigua, bevor wir am 02. Februar unsere Zelte abbrechen und mit einer Nachtfahrt gemeinsam mit Eva und Alec zu den BVI’s in den Virgin Gorda Sound segeln.

In den British Virgin Islands waren wir ebenfalls schon im Jahr zuvor gewesen, allerdings nur recht kurz, so dass wir den Inseln gerne noch einen zweiten Besuch abstatten wollen. Der Gorda Sound von Virgin Gorda ist ein großer, geschützter Bereich umgeben von Inseln, wo man gut mal ein paar Tage verbringen und die Seele baumeln lassen kann. Wir ankern direkt vor Saba Rock, einer Mini-Insel mit einem kleinen Hotel und zugehörigem Restaurant und Bar – ein perfekter Platz für einen Sundowner mit Blick über die Bucht. Nebenan, auf der nächsten Insel und auch sehr schön, ist Bitter End: Yachtclub mit kleiner Marina, Hotel, Restaurant und Bar.

Unsere nächste Station ist Road Town auf Tortola, da uns am Achterstag, dem Drahtseil, dass den Mast nach hinten abspannt, ein kleiner Draht am Isolator gebrochen ist und wir jetzt einen Rigger brauchen. Das Achterstag wird abgenommen, zwei neue Isolatoren werden eingebaut und das ganze wird wieder angebracht. So ganz klappt es auf Abhieb leider nicht, aber nach einigem hin- und her, neuen Überlegungen und einem weiteren Tag in der Marina, können wir nach zwei Tagen wieder nach Virgin Gorda aufbrechen, wo wir uns mit Eva und Alec treffen, um uns gemeinsam „The Bath“ anzuschauen.

Dieser schöne Küstenabschnitt ist gesäumt und unterteilt von großen Granitfelsen. Ein Durchgang zwischen den wie willkürlich hingeworfenen, enormen Felsbrocken verbindet zwei Buchten mit schönen Sandstränden – ein traumhafter Ort, wären dort nur halb so viele Touristen.
Der nächte Stopp ist Marina Cay – wieder eine kleine Insel mit Hotel und Bar und an mehreren Abenden in der Woche mit Live-Musik , allerdings kein Reggae oder karibische Klänge, sondern amerikanische Klassiker – passend für das hauptsächlich amerikanische Publikum.
Zu Vollmond wird in der gegenüber liegenden Trellis Bay regelmäßig eine Full-Moon-Party organisiert mit BBQ, Musik, Artisten und einem Feuerspektakel in den vom Ortsansässigen Künstler geschmiedeten, großen Eisenkugeln.

Unsere letzten Stopps sind Cooper Island und Norman Island und hier heißt es nach über 5 wunderschönen, gemeinsamen Wochen von Eva und Alec Abschied zu nehmen. Die beiden wollen noch einige Zeit in der nördlichen Karibik bleiben, unser Weg führt uns weiter Richtung Süden. Wir vermissen die beiden jetzt schon und hoffentlich vergehen bis zum nächsten Wiedersehen nicht wieder 10 Monate!

Von den British Virgin Island geht es für einen kurzen Zwischenstopp nach St. Croix: von Christoph Kolumbus 1493 entdeckt, wurde die Insel von den Engländern und Holländern besiedelt, dann von den Spaniern besetzt, die wiederum von den Franzosen vertrieben wurden. Diese verkauften die Insel an den Malteserorden, der St. Croix dann bald weiter an die Französische Westindien-Kompanie verkaufte. 1733 wurde die Insel dann wiederum an die Dänische Westindien-Kompanie veräußert. Ihr jetziger Besitzer, die USA, erwarb St. Croix 1917 für 25 Millionen $ von Dänemark – eine wahrlich abwechslungsreiche Inselgeschichte.

St. Croix ist die größte der US Virgin Islands, liegt etwas Abseits und wird von Seglern daher nicht so häufig angefahren. Die Insel ist eigentlich ganz schön, wirkt aber etwas verschlafen, da der größte Arbeitgeber vor ein paar Jahren seine Tore geschlossen hat und viele „Crucians“ die Insel auf der Suche nach Jobs verlassen mussten. Viele Läden in den historischen Stadtteilen von Christiansted und Frederiksted mussten leider schließen. Eigentlich herrscht nur reger Betrieb, wenn in Frederiksted ein Kreuzfahrtschiff anlegt, ansonsten wirken die Straßen der beiden schönen Städte mit den Kolonialbauten aus der dänischen Verwaltungszeit eher verlassen.

Von der nördlichen Karibik geht es dann für uns 418 Seemeilen quer über das karibische Meer zu den ABC-Inseln. Bonaire steuern wir als erstes an und es gefällt uns ausgesprochen gut dort. Die Insel selbst ist zwar landschaftlich ziemlich karg, aber insgesamt ist die Atmosphäre dort sehr relaxt und die Leute sind super nett.

Bonaire ist politisch eine besondere Gemeinde der Niederlande und ist dadurch eine Mischung aus viel Holland, einen Teil Lateinamerika und wenig Karibik. Außerdem bekommt man dort alle nur erdenklichen holländischen Produkte. Das Größte war die Käsetheke im Supermarkt: endlich gab es mal wieder etwas anderes als Chedder! Gouda, Beemster in Hülle und Fülle – das ist schon was besonderes und peppt unser Frühstück ordentlich auf.

Curaçao, ein autonomer Landesteil der Niederlande, ist recht ähnlich, aber deutlich größer, lauter und hektischer und etwas weniger entspannt. Die historische Innenstadt, seit 1997 von der UNESCO zum Weltkulturerbe ernannt, ist schon ein Hingucker und hat uns gut gefallen.

Da wir hier einen Mietwagen haben, nutzen wir die Chance, um das Boot mit holländisch-europäischen Lebensmitteln vollzustopfen.

Eins war hier jedoch besonders auffällig: die Zollbeamten auf beiden Inseln waren mit Abstand die freundlichsten und hilfsbereitesten, die wir auf unserer ganzen Reise angetroffen haben – und das waren ja schon einige! Normalerweise vermitteln die Beamten bei der Einreise eher den Eindruck, im Land nicht willkommen zu sein – jedoch nicht so in Bonaire und Curacao.