Galápagos – der erste Eindruck (26.02. – 05.03.2014)

Wie zu dieser Jahreszeit zu erwarten ist, ist der Wind auf der Strecke von Panama nach Galápagos eher schwach und wir rechnen damit, dass wir viel unter Motor fahren müssen. Um schnellstmöglich die Innertropische Konvergenzzone  (ITCZ) zu durchqueren, nehmen wir nicht den direkten Kurs auf Galápagos, sondern fahren erst einmal nach Südwesten. Die ITCZ ist ein Bereich mit wenig oder keinem Wind, heißem, schwülem Wetter und häufig auftretenden, sehr starken Gewittern mit heftigen Regenfällen – kein Gebiet, in dem man sich lange aufhalten möchte. Im Frühjahr kann sich die ITCZ von Panama bis hinunter nach Galápagos erstrecken, später im Jahr wandert sie weiter nach Norden hinauf.
Wir haben zwar insgesamt wenig Wind, schaffen es aber uns fernab der Gewitter zu halten, so dass die Fahrt insgesamt sehr angenehm und entspannt ist. Am 04.03.2014 um 15.48 Uhr (21.48 Uhr UTC) überqueren wir bei strahlendem Sonnenschein und glatter See zusammen mit MeriTuuli den Äquator und stoßen mit einem Bier auf das Erreichen der südlichen Hemisphäre an.
Die letzte Nacht ist wunderschön und die See so ruhig, dass sich die Sterne im Wasser spiegeln. Einziger Wehrmutstropfen ist unser blinder Passagier in der Mastspitze, der sich einfach nicht vertreiben lässt und die ganze Nacht bis kurz vor Galápagos mit uns fährt. Das ein Seevogel eine so rege Verdauung haben kann und das ganze Bimini, den Baum und einen großen Teil des Decks dermaßen verunreinigen kann, ist schon unglaublich. Am nächsten Morgen nach Sonnenaufgang heißt es also erst einmal Bootwaschen und Wasser produzieren, da wir unbedingt mit vollen Tanks zum Ankerplatz fahren wollen.
Entschädigt werden wir für die morgendlichen Mühen  mit einer großen Schule Delfine, die uns eine ganze Zeit begleite. Erstmals sind es die Großen Tümmler, also Flipper, die uns besuchen kommen.
Die großen Tiere um unser Boot spielen zu sehen ist schon beeindruckend.

Die Auflagen für Segler in Galápagos sind sehr streng, teuer und unangenehm. Wir haben ein „Autografo“, eine Cruising-Erlaubnis, für Galápagos beantragt, damit wir drei Inseln des Archipels anfahren können und nicht nur eine.
Unsere erste Ankerbucht ist daher Puerto Baquerizo Moreno auf San Cristobal. Als wir den Anker ins Wasser werfen kommt erst einmal ein neugieriger Seelöwe angeschwommen – und das soll nicht der einzige bleiben, was man von weitem auch schon riecht. In der ganzen Bucht und am Land wimmelt es nur so von Seelöwen. Hätten man nicht den Küstenstreifen zumindest größtenteils abgesperrt, würden sie sich wahrscheinlich mitten auf die Straße zum Sonnen legen. Gerne springen sie auch auf die Boote in der Bucht und genießen das leichte Schaukeln. Daher ist es auch nicht ratsam, sein Dingi hinten ans Boot zu binden, da man nicht lange auf Besuch warten müsste und sich die Sonnenanbeter nur unter lautstarkem Protest wieder vertreiben lassen.
Wir hatten eigentlich gedacht, dass unsere Badeplattform zu steil und die Stufen zu schmal sein würden, aber das sieht der kleine Kerl, der es nach mehreren vergeblichen Versuchen doch noch schafft, anders und er macht es sich auf der untersten Stufe gemütlich.

Für das Einklarieren brauchen wir drei Tage und ist mit Abstand das langwierigste, komplizierteste und teuerste Verfahren von allen mit dem Boot bisher bereisten Ländern. Vielleicht soll das zur Abschreckung von Seglern dienen. Unser Agent, den wir schon im Vorfeld wegen des „Autografo“ beauftragt hatten, kommt diverse Male mit den unterschiedlichen Behörden zu uns an Bord. Auf Galápagos sind aber nicht die normalen Behörden wie Zoll, Immigration oder die Capitanía das Problem, sondern die Nationalparkverwaltung. Uns ist ja klar, dass der Park mit seinen endemischen Tieren und Pflanzen geschützt werden muss, aber müssen die Nationalparkleute gleich mit fünf Leuten und zwei Tauchern aufkreuzen? Wollen die bei uns eine Party feiern? Uns werden diverse Fragen gestellt, Kühlschrank und Schränke werden inspiziert und zu unserer Verwunderung wird alles fotografiert. Warum muss der Inhalt unserer Kühlschränke und das Fach mit meiner Unterwäsche fotographisch festgehalten werden? Was machen die mit diesen Fotos? Das ist wohl etwas übertrieben und verletzt doch irgendwie unsere Privatsphäre.
Unser Unterwasserschiff wird auch abgetaucht und auf mitgebrachte Tiere oder Pflanzen untersucht – und natürlich fotografiert. Das ist zum Glück der letzte „Besuch“. Hoffentlich lohnt der ganze zeitliche, finanzielle und nervliche Aufwand. Für Olli ist bereits klar: einmal Galápagos reicht – zumindest mit dem Segelboot. Eine gebuchte und organisierte Kreuzfahrt ist sicher eine ganz andere Geschichte, aber als Segler scheint man hier nicht so willkommen zu sein.
Dummerweise unterteilt die Inselgruppe aber die 4.000 Seemeilen von Panama zu den Marquesas und man kann nach rund 1.000 Seemeilen noch einmal verschnaufen, sich mit frischen Produkten eindecken und vor allem Diesel tanken, den man in dem Kalmengürtel um den Äquator dringend braucht. Andernfalls würden wahrscheinlich die meisten Segler Galápagos links liegen lassen.

Nachdem wir das ganze Prozedere hinter uns haben, können wir uns jetzt daran machen, die Inseln zu erkunden und die Tierwelt zu entdecken. Einen kleinen Eindruck haben wir ja bereits bekommen.

Der Panamakanal und ein kurzer Stopp in den Islas Las Perlas (21.02. – 26.02.2014)

Am 21.02.2014 um 16 Uhr ist es soweit: wir werfen in der Marina die Leinen los und machen uns auf Richtung Panamakanal. Der Vormittag war noch recht hektisch.  Zwei warme Mahlzeiten für jeweils sechs Personen in der kleinen Bordküche zu kochen bzw. vorzubereiten braucht schon etwas Zeit. Wir sind nämlich verpflichtet, dem Lotsen ein ordentliches, warmes Abendessen und am nächsten Tag ein entsprechendes Mittagessen zu servieren. Da die drei Leinenhändler und wir selbst auch was essen müssen, bedeutet es halt, für Sechs zu kochen.
Wir haben den Tipp bekommen, dass man auf der Seite „Panlinehandler.com“ Leute finden kann, die daran interessiert sind, durch den Panamakanal zu fahren und sich als Leinenhändler anbieten. Auf dieser Seite finden wir Inma und Carlos, zwei mit ihren drei Kindern seit vier Jahren in Panama lebende Spanier, die kurzfristig zusagen und eine wirkliche Bereicherung sind. Von unserem Agenten brauchen wir somit nur einen professionellen Leinenhändler, damit wenigstens einer an Bord schon einmal die Passage gemacht hat und weiß, was er zu tun hat.

Auf halber Strecke zur Kanaleinfahrt müssen wir auf das Lotsenboot warten, dass uns dann, etwas verspätet, unseren Lotsen an Bord bringt. Wir sollen zu Dritt als Päckchen hochgeschleust werden und werden kurz vor der ersten Schleuse zusammengeschnürt: wir rechts, in der Mitte MeriTuuli als größtes Boot und links ein Boot aus Südafrika.
Mittlerweile ist es 19 Uhr und dunkel, was aber nichts ausmacht, da die Schleusen hell erleuchtet sind. Das mittlere Boot übernimmt das Steuern des Päckchens und manövriert uns hinter einen großen Frachter mittig in die erste Schleuse. Jeweils zwei Leinen von den äußeren Booten gehen hoch an die Schleusenmauer und werden dort fixiert. Die doppelten Schleusentore schließen sich und Wasser strömt schnell hinein und bildet kleine Strudel.
Von den 12 Leinenhändlern, die für die drei Boote vorgeschrieben sind (vier je Boot), haben effektiv nur vier etwas zu tun – nämlich je zwei auf den äußeren Booten. Der Rest sitzt rum und schaut sich das Ganze nur an. Als der erste Schleusenvorgang beginnt, meint unser Lotse, er wäre jetzt jederzeit bereit für sein warmes Abendessen und ich muss leider zwischendurch in die Küche verschwinden – wie ärgerlich.

Die Gatun-Schleuse besteht aus drei direkt hintereinander liegenden Schleusen. Wir fahren also als Päckchen nach dem Schleusenvorgang von einer in die nächste Schleuse. Nach etwa 1,5 Stunden werden wir im Gatun See, 26 m über dem Meeresspiegel,  raus gespült. Auf Geheiß des Lotsen steuern wir eine Mooringboje an, an der bereits drei Boote liegen, so dass wir längsseits an ein dort vertäutes Segelboot gehen. Der Lotse wird vom Boot abgeholt, die drei Leinenhändler Inma, Carlos und Eric bleiben mit uns auf „Antares“.

Am nächsten Morgen soll es um 7 Uhr weitergehen, allerdings kommt der neue Lotse erst gegen 9 Uhr an Bord und wir können unseren Weg durch den Gatun See und den Kanal fortsetzen.
Für MeriTuuli beginnt der Morgen mit einem Schrecken. Ihr Lotse hat sie nämlich über Nacht ankern lassen und zur Abfahrt am nächsten Morgen können sie erst nach mehreren Versuchen den Anker heben.  Der Gatun See ist ein Stausee, in dem Bäume und Unrat auf dem Grund liegen, in dem sich der Anker prima verfangen kann. Unser Lotse hat uns daher mitgeteilt, dass es keine gute Idee ist, hier zu ankern. Der Lotse von MeriTuuli war leider nicht so umsichtig. Wenn man den Anker nicht wieder hoch bekommt, bleibt einem nur das Kappen der Ankerkette übrig oder einen Taucher für viel Geld zu bezahlen, der den Anker befreit. Bei letzterem würde man allerdings auf einen neuen Termin für die Weiterfahrt warten müssen und so lange im Gatun See festhängen. Zum Glück klappt es ja beim letzten Versuch.

Die Weiterfahrt durch den blau-grünen See ist sehr ruhig und entspannt und erinnert ein wenig an deutsche Talsperren, wäre die Vegetation nicht deutlich exotischer und die Temperaturen nicht etwa doppelt so hoch. Zudem schwimmt hier auch mal ein Leguan am Boot vorbei und es soll ja auch Krokodile geben, die sich allerdings nicht blicken lassen.
Nach einiger Zeit verlassen wir den See und fahren durch den Gillard Cut, einem Kanal, der bis zu den letzten Schleusen führt. Wir kommen an dem 200 m hohen Gold Hill vorbei. Hier stand dem Kanal beim Bau leider ein Hügel im Weg. Um die Arbeiter zu motivieren, den Hügel mit viel Enthusiasmus abzutragen, erzählten die Bauherren, dass hier Gold gefunden wurde. Das beschleunigte zwar das Bauvorhaben, verhalf aber den Arbeitern nicht zu Reichtum, da hier natürlich niemand auch nur den kleinsten Goldklumpen fand.
Vor der Pedro-Miguel-Schleuse, der ersten Schleuse am Ende des Kanals, werden unsere drei Boote wieder zusammen vertäut. Diesmal gehen wir vor einem Frachter bzw. einem Autotransporter  in die Schleuse. Unser Päckchen hat die Position in der Schleuse rasch erreicht, das Schiff braucht bei seiner Größe etwas länger. Es wird von kleinen Loks langsam in die Schleuse gezogen und ragt turmhoch hinter uns auf. Nach Absinken des Wasserspiegels scheinen letztlich nur noch Zentimeter zwischen Bordwand und Schleusenmauer zu sein.
Verlief das Hochschleusen am Tag zuvor schon problemlos, so ist das Runterschleusen nochmals unspektakulärer. Die Schleusentore öffnen sich und wir fahren als Dreierpäckchen durch den kleinen Miraflores See zu den letzten beiden direkt hintereinander liegenden Schleusen, den Miraflores Schleusen. Hier wiederholt sich die Prozedur von der ersten Schleuse und nach dem letzten Schleusenvorgang öffnen sich die Tore zum Pazifik. Wir haben es tatsächlich geschafft und befinden uns jetzt auf der anderen Seite des amerikanischen Kontinents. Unglaublich! Hätte uns das jemand bei unserer Abreise oder auch nur ein Jahr zuvor gesagt, wir hätten ihn schlichtweg für verrückt erklärt. Eigentlich wollten wir ja nur bis Nordspanien!
Der Lotse wird abgeholt, wir fahren unter der „Bridge of the Americas“, über die die Panamericana führt, durch und in Balboa gehen per Wassertaxi die Leinenhändler von Bord. Die Drei waren wirklich super nett und haben uns die Durchfahrt sehr angenehm gemacht. Hoffentlich werden wir Inma und Carlos irgendwo noch einmal wieder sehen und können uns dann für ihre vergnügliche und anregende Gesellschaft und Hilfe bedanken. Wir ankern ein Stückchen weiter in La Playita de Amador und bleiben dort für die nächsten zwei Tage liegen.

Die gesamte Passage ist wirklich sehr unproblematisch verlaufen und unsere Sorgen oder Gedanken waren in unseren Fall völlig unbegründet.
Etwas unangenehm waren nur zwei Mal Schlepper, die mit ihrer rücksichtslosen Fahrweise unser Dreierpäckchen ins Trudeln gebracht haben. Der erste fuhr mit hoher Geschwindigkeit nahe an uns vorbei und erzeugte ordentliche Wellen, so dass unsere vertäuten Boote heftig auf- und ab wippten. Der zweite gab gerade in dem Augenblick, als wir uns direkt hinter ihm befanden, Vollgas, um einen Frachter wegzuschieben. Durch die von der Schraube erzeugte Strömung drifteten wir plötzlich Richtung Ufer, konnten aber durch sofortiges Gegensteuern das Dreierpäckchen schnell wieder auf Kurs bringen. Alles andere war ein Kinderspiel – und darüber sind wir sehr froh und glücklich.

Von unserem Ankerplatz in La Playita de Amador geht es mit MeriTuuli weiter zu unserem letzten Stopp in Panama. Die Inselgruppe Las Perlas befindet sich südwestlich vom Panamakanal und Panama City.  Wir steuern zunächst die Isla Contadora an, eine nördlich gelegene Insel. Da unsere Windanzeige 0 Knoten Wind anzeigt und das Meer glatt wie ein Spiegel ist, waschen wir erst einmal zwei Maschinen Wäsche – gelobt sei unsere Waschmaschine! Das haben wir bisher auch noch nicht bei Seefahrt gemacht.
Olaf, der früher unter keinen Umständen auch nur mit einem Handtuch an der Reling den Hafen verlassen hätte, steuert nun ein Boot mit zwei Wäscheleinen voller Bettwäsche – die Zeiten und Notwendigkeiten ändern sich.
Am nächsten Tag geht es weiter zur Isla Canas. Unterwegs sehen wir massenhaft Seevögel, Pelikane, Delfine und sogar zwei Wale. In einer einsamen, ruhigen Bucht im Süden der Inselgruppe gehen wir gemeinsam vor Anker. Am 26. Februar verabschieden wir uns bei strahlendem Sonnenschein und annähernd keinem Wind von Panama und machen uns mit zwei Booten auf nach Galapagos.

Oh, wie schön ist Panama (05.-20.02.2014)

Wir verlassen Curacao und segeln 643 Seemeilen weiter die venezolanische und kolumbianische Küste entlang nach San Blas, Panama. Die 4 Tage auf See sind eigentlich sehr schön, jedoch erwischt es uns in der dritten Nacht ordentlich. Die Ecke ist bei Seglern berühmt-berüchtigt für starken Wind und ausgesprochen hohen, kurzen Wellen und genau das erwartet uns dort auch nachts. Eigentlich ist es gut, dass es dunkel ist, als wir durch dieses Gebiet segeln. Dann kann man die achterlichen Wellenberge wenigstens nicht sehen. Am nächsten Vormittag ist dann der Spuk vorbei und wir können wieder perfektes Passat-Segeln genießen. Die Nacht hat uns allerdings reichlich Beute beschert: wir zählen 91! fliegende Fische an Deck. Das ist bisher absoluter Rekord!

Die San Blas Inseln sind Teil des autonomen Gebietes Guna Yala und liegen vor der Nordküste Panamas. Auf 57 der insgesamt 365 Inseln leben etwa 25.000 Kuna, eine indigenen Ethnie Panamas. Zusammen mit der auf dem Festland lebenden Bevölkerung sind es insgesamt etwa 33.000 Kuna, die sich in diesem Gebiet selbst verwalten.

Das Inselarchipel ist wirklich traumhaft schön und bietet einen Vorgeschmack auf die Südsee – oder zumindest stellen wir uns das so vor: kleine Palmeninseln mit weißem Sandstrand umgeben von Wasser in den schönsten Blautönen – einfach herrlich!

Im Westen, nahe der Hauptinsel El Porvenir, ist es etwas touristischer. Weiter nach Osten hin, zur kolumbianischen Grenze, sind kaum noch Segler anzutreffen. Lange können wir leider nicht im Paradies bleiben, da wir in Colón verabredet sind.

Jetzt liegen wir in der Shelter Bay Marina etwa 10 Seemeilen vom Eingang des Panamakanals entfernt und bereiten uns für die Durchfahrt und die Passage in den Pazifik vor. Und da sind wir nicht die einzigen! Es herrscht reges Treiben in der Marina. Überall wird gewerkelt, geschraubt, gebastelt und proviantiert. Antares ist bereits so voll mit Lebensmitteln, dass es an ein Wunder grenzt, dass sie überhaupt noch schwimmt. Jede freie Stelle ist mit Nudeln, Reis, Dosen etc. belegt. Aber zum einen brauchen wir Proviant für die langen Passagen, zum anderen wird es sicher in manchen Regionen der Südsee deutlich schwieriger sein, Lebensmittel zu bekommen oder wenn doch, dann zu horrenden Preisen. Also nehmen wir so viel wie möglich mit.

Für die Kanaldurchfahrt haben wir einen Agenten beauftragt, der sich um die Formalitäten kümmert, Termine mit der Kanalbehörde zur Abmessung des Bootes vereinbart und uns für die Durchfahrt einbucht. Zudem versorgt er uns mit den in den Schleusen vorgeschriebenen langen, stabilen Leinen und zusätzlichen Fendern bzw. Autoreifen.

Bevor man in die Schleuse fährt, bekommt jedes Boot einen Lotsen zugeteilt, der die gesamten 40 Seemeilen an Bord bleibt. Zusätzlich muss jedes Boot neben dem Lotsen und dem Skipper noch vier Leinenhändler haben, die in den Schleusen dafür zuständig sind, das Boot in der Mitte zu halten und die Leinen entsprechend zu fieren oder dicht zu holen. Leinenhändler können Crewmitglieder, andere Segler oder vom Agenten beauftragte Leute sein.

Wir haben unseren Termin für Freitag, den 21.2. erhalten. So wie es jetzt aussieht, werden wir Freitagnachmittag mit zwei weiteren Segelbooten im Päckchen in die ersten drei Schleusen fahren, die uns 26 m über den Meeresspiegel bringen. Nach dem Schleusenvorgang verlässt der Lotse für die Nacht das Boot und wir machen im Gatun-See an einer Boje fest. Früh am nächsten Morgen geht es weiter durch den Kanal bis zu den drei Schleusen am Ende, die uns dann auf den Pazifik-Level runterbringen. In Balboa gehen dann der Lotse und die drei Leinenhändler von Bord und wir segeln zu zweit weiter.

Die Schleusenvorgänge können für kleine Boot manchmal etwas unangenehm sein, da ca. 101.000 m³ Wasser in ungefähr 8 Minuten in die Schleuse rein- oder raus fließen. Da können schon ordentliche Strömungen entstehen. Ein weiteres Handicap ist der sogenannte White-Wash, der entsteht, wenn man hinter einem großen Frachter hochgeschleust wird. Wenn der Frachter dann mit eigener Motorkraft die Schleuse verlassen muss, entstehen durch die Schraube Turbolenzen, die dann ein Segelboot schon mal in Schwierigkeiten bringen können, wenn die Leinen nicht richtig gehandhabt werden. Im Großen und Ganzen soll es aber wenig Schäden oder Probleme geben und das soll auch bitte so bleiben. Wir dürfen auf Freitag und Samstag gespannt sein.

Karibik die Zweite (09.12.2013 – 04.02.2014)

Zurück in die Karibik nach Antigua – hier waren wir ja schon einmal und wären hier auch nicht wieder hingesegelt, wenn es nicht ein guter Treffpunkt mit unseren schweizer Freunden Eva und Alec und deren Boot „Tangaroa“ gewesen wäre. Von den beiden nach dieser beschwerlichen Fahrt aus den USA im Hafen von Jolly Harbour in Empfang genommen zu werden tut richtig gut. Die 10 Monate Trennung werden bei gemeinsamen Abendessen und so mancher Flasche Wein schnell aufgearbeitet.
Die beiden erhalten für zwei Wochen Besuch von Ulrike und Matthias, zwei deutschen Seglern aus Köln, die wir auch im letzten Jahr kennengelernt haben und wir verbringen gemeinsam eine schöne Zeit mit vielen feucht-fröhlichen Abenden in den Cockpits unserer beiden Boote und einem sehr gemütlichen  Weihnachtsessen auf „Tangaroa“.
Olaf’s Geburtstag und Silvester verbringen wir noch auf Antigua, bevor wir am 02. Februar unsere Zelte abbrechen und mit einer Nachtfahrt gemeinsam mit Eva und Alec zu den BVI’s in den Virgin Gorda Sound segeln.

In den British Virgin Islands waren wir ebenfalls schon im Jahr zuvor gewesen, allerdings nur recht kurz, so dass wir den Inseln gerne noch einen zweiten Besuch abstatten wollen. Der Gorda Sound von Virgin Gorda ist ein großer, geschützter Bereich umgeben von Inseln, wo man gut mal ein paar Tage verbringen und die Seele baumeln lassen kann. Wir ankern direkt vor Saba Rock, einer Mini-Insel mit einem kleinen Hotel und zugehörigem Restaurant und Bar – ein perfekter Platz für einen Sundowner mit Blick über die Bucht. Nebenan, auf der nächsten Insel und auch sehr schön, ist Bitter End: Yachtclub mit kleiner Marina, Hotel, Restaurant und Bar.

Unsere nächste Station ist Road Town auf Tortola, da uns am Achterstag, dem Drahtseil, dass den Mast nach hinten abspannt, ein kleiner Draht am Isolator gebrochen ist und wir jetzt einen Rigger brauchen. Das Achterstag wird abgenommen, zwei neue Isolatoren werden eingebaut und das ganze wird wieder angebracht. So ganz klappt es auf Abhieb leider nicht, aber nach einigem hin- und her, neuen Überlegungen und einem weiteren Tag in der Marina, können wir nach zwei Tagen wieder nach Virgin Gorda aufbrechen, wo wir uns mit Eva und Alec treffen, um uns gemeinsam „The Bath“ anzuschauen.

Dieser schöne Küstenabschnitt ist gesäumt und unterteilt von großen Granitfelsen. Ein Durchgang zwischen den wie willkürlich hingeworfenen, enormen Felsbrocken verbindet zwei Buchten mit schönen Sandstränden – ein traumhafter Ort, wären dort nur halb so viele Touristen.
Der nächte Stopp ist Marina Cay – wieder eine kleine Insel mit Hotel und Bar und an mehreren Abenden in der Woche mit Live-Musik , allerdings kein Reggae oder karibische Klänge, sondern amerikanische Klassiker – passend für das hauptsächlich amerikanische Publikum.
Zu Vollmond wird in der gegenüber liegenden Trellis Bay regelmäßig eine Full-Moon-Party organisiert mit BBQ, Musik, Artisten und einem Feuerspektakel in den vom Ortsansässigen Künstler geschmiedeten, großen Eisenkugeln.

Unsere letzten Stopps sind Cooper Island und Norman Island und hier heißt es nach über 5 wunderschönen, gemeinsamen Wochen von Eva und Alec Abschied zu nehmen. Die beiden wollen noch einige Zeit in der nördlichen Karibik bleiben, unser Weg führt uns weiter Richtung Süden. Wir vermissen die beiden jetzt schon und hoffentlich vergehen bis zum nächsten Wiedersehen nicht wieder 10 Monate!

Von den British Virgin Island geht es für einen kurzen Zwischenstopp nach St. Croix: von Christoph Kolumbus 1493 entdeckt, wurde die Insel von den Engländern und Holländern besiedelt, dann von den Spaniern besetzt, die wiederum von den Franzosen vertrieben wurden. Diese verkauften die Insel an den Malteserorden, der St. Croix dann bald weiter an die Französische Westindien-Kompanie verkaufte. 1733 wurde die Insel dann wiederum an die Dänische Westindien-Kompanie veräußert. Ihr jetziger Besitzer, die USA, erwarb St. Croix 1917 für 25 Millionen $ von Dänemark – eine wahrlich abwechslungsreiche Inselgeschichte.

St. Croix ist die größte der US Virgin Islands, liegt etwas Abseits und wird von Seglern daher nicht so häufig angefahren. Die Insel ist eigentlich ganz schön, wirkt aber etwas verschlafen, da der größte Arbeitgeber vor ein paar Jahren seine Tore geschlossen hat und viele „Crucians“ die Insel auf der Suche nach Jobs verlassen mussten. Viele Läden in den historischen Stadtteilen von Christiansted und Frederiksted mussten leider schließen. Eigentlich herrscht nur reger Betrieb, wenn in Frederiksted ein Kreuzfahrtschiff anlegt, ansonsten wirken die Straßen der beiden schönen Städte mit den Kolonialbauten aus der dänischen Verwaltungszeit eher verlassen.

Von der nördlichen Karibik geht es dann für uns 418 Seemeilen quer über das karibische Meer zu den ABC-Inseln. Bonaire steuern wir als erstes an und es gefällt uns ausgesprochen gut dort. Die Insel selbst ist zwar landschaftlich ziemlich karg, aber insgesamt ist die Atmosphäre dort sehr relaxt und die Leute sind super nett.

Bonaire ist politisch eine besondere Gemeinde der Niederlande und ist dadurch eine Mischung aus viel Holland, einen Teil Lateinamerika und wenig Karibik. Außerdem bekommt man dort alle nur erdenklichen holländischen Produkte. Das Größte war die Käsetheke im Supermarkt: endlich gab es mal wieder etwas anderes als Chedder! Gouda, Beemster in Hülle und Fülle – das ist schon was besonderes und peppt unser Frühstück ordentlich auf.

Curaçao, ein autonomer Landesteil der Niederlande, ist recht ähnlich, aber deutlich größer, lauter und hektischer und etwas weniger entspannt. Die historische Innenstadt, seit 1997 von der UNESCO zum Weltkulturerbe ernannt, ist schon ein Hingucker und hat uns gut gefallen.

Da wir hier einen Mietwagen haben, nutzen wir die Chance, um das Boot mit holländisch-europäischen Lebensmitteln vollzustopfen.

Eins war hier jedoch besonders auffällig: die Zollbeamten auf beiden Inseln waren mit Abstand die freundlichsten und hilfsbereitesten, die wir auf unserer ganzen Reise angetroffen haben – und das waren ja schon einige! Normalerweise vermitteln die Beamten bei der Einreise eher den Eindruck, im Land nicht willkommen zu sein – jedoch nicht so in Bonaire und Curacao.

USA Ostküste (01.06. – 28.11.2013)

Am 28.11.2013, an Thanksgiving, haben wir uns nach 6 wundervollen Monaten von den USA verabschiedet, um uns auf den Weg für eine zweite Saison in die Karibik zu machen.

In dem letzen halben Jahr sind wir von Norfolk, Virginia aus die Ostküste entlang bis hoch nach Maine und wieder zurück gesegelt. Die Fahrt von den Bahamas direkt bis in die USA nach Norfolk haben wir zusammen mit Robert und Kerstin von Trinity (D) und mit Pim und Hanneke von Nelly Rose (NL) unternommen, die auch die Hurrikan-Saison in den USA verbringen wollten.

Danach ging es die Chesapeake Bay hinauf bis Annapolis und Baltimore, mit einem kleinen Abstecher per Zug ins Zentrum der Macht nach Washington (inklusive Kapitol-Führung, Weißes Haus und Lincoln Memorial etc.) und dann die Delaware Bay wieder hinunter. Unser nächstes Ziel war New York City, eine Stadt, die wir beide immer mal besuchen wollten, aber nicht im Traum daran gedacht haben, dass wir mal mit dem eigenen Segelboot an der Freiheitsstatue und Manhattan vorbei den Hudson hoch segeln würden. Dies war zweifellos ein beeindruckender Höhepunkt unserer Ostküstentour. Und weil es so schön war, haben wir auf dem Rückweg dort noch einmal Halt gemacht.

Nach unserem Aufenthalt im Big Apple sind wir durch den Long Island Sound und den Cape Cod Kanal bis nach Maine gesegelt. Die Landschaft hier oben unterschied sich sehr von den südlicheren Staaten und erinnert an die Schären in Schweden: eine felsige, raue Küste, die von unzähligen Inseln verschiedener Größen gesäumt ist, bewachsen mit dem Wind und dem rauen Klima strotzenden Nadelhölzern.
Maine ist mindestens für zwei Sachen bekannt: für seinen häufig auftretenden dichten Nebel, den wir zum Glück nur einmal erleben durften und für seinen Lobster. Letzter begegnete uns allerdings an jeder Ecke, dargeboten in diversen Speisen und Delikatessen und auf nahezu jedem Quadratmeter Meerwasser in Form von Bojen, mit denen die Fischer ihre Reusen kennzeichnen. Durch diesen Teppich aus Bojen zu segeln, ohne dabei mit der Schraube oder dem Ruder in den Seilen hängen zu bleiben, mit denen die Bojen an den Reusen befestigt sind, war ein wenig nervtötend.
Der Acadia National Park war dann der nördlichste Punkt unserer Reise. Von hier aus ging es wieder zurück in den Süden. Den Aufenthalt im Lobsterland mit seinen netten kleinen Ortschaften und der wilden Küste haben wir sehr genossen und war definitiv ein weiteres Highlight.

Unser nächstes Ziel war Boston, eine Stadt die vor US-amerikanischer Geschichte und historischen Bauten nur so strotzt. Im Vergleich zu New York wirkt Boston geradezu beschaulich. Man wird nicht so erschlagen von den Menschenmassen, den Blechkolonnen, die sich durch die Straßen schieben und dem ganzen Stahl und Beton und das ist genau das, was uns an Boston so gefiel.

Von hier aus segelten wir die Ostküste weiter runter nach Süden bis Provincetown auf Cape Cod. Einstmals bekannt für seine Kabeljau-Vorkommen und Walfangflotten, wird diese Region nunmehr in den Sommermonaten bevölkert von Strand- und Wale-Watch-Touristen und einer für die USA eher untypischen ausgeprägten Gay-Szene. Wir trafen dort kurz nach dem dortigen Karneval ein und waren ein wenig überrascht von der Szenerie, die sich uns bot: Männer in Frauenkleidern, Drag-Queens und ältere Herren mit silbergrauem Haar in weißen oder zartrosa Strumpfhosen mit Tutu und Krönchen im Haar sieht man ja sonst nicht alle Tage auf den Straßen.
Der Ort hat Atmosphäre, ist lebensfroh und gepflastert von Galerien, stilvollen Läden und Restaurants und ist eigentlich gar nicht amerikanisch. Uns hat es dort sehr gut gefallen und sind gleich ein paar Tage geblieben.
Die Strände und Dünenlandschaften im nördlichen Bereich der Halbinsel Cape Cod erinnern an Sylt bzw. einige Gegenden der deutschen Nordseeküste, nur irgendwie größer und weitschweifiger.

Als nächstes ging es zu den Inseln Martha’s Vineyard und Nantucket, südlich von Cape Cod. Die Walfangregion hat sich zum Ferienort der Reichen und Schönen und auch des US Präsidenten entwickelt. Die Landschaft ist auch hier ähnlich wie auf Sylt und alles ist sündhaft teuer. Wir erkundeten beide Inseln mit dem Fahrrad und genossen den Spätsommer.

Unser nächstes Ziel war Newport, das elegante Segelzentrum der Ostküste. Hier liegen zahlreiche Megayachten, klassische wie moderne, in den Häfen nebeneinander. Bekannt ist Newport auch für seine Bellevue Avenue. Hier haben sich Vanderbilt, Astor und Co. Ende des 19ten Jahrhunderts ihre Sommerresidenzen erbauen lassen: herrschaftliche Villen und beinahe kleine Schlosser aus dem Gilded Age, dem vergoldeten Zeitalter, wie die Blütezeit der amerikanischen Wirtschaft von ca. 1870 bis zur Jahrhundertwende bezeichnet wird. Einige dieser Mansions (Villen) kann man besichtigen, was wir auch getan haben und so konnten uns von der verschwenderischen Einrichtung und Bauweise und nicht immer geschmackvollen Ausstattung dieser Anwesen überzeugen. Aber hier stehen natürlich nicht nur historische Bauten, die der Öffentlichkeit zugänglich sind, sondern auch viele ebenso beeindruckende private Villen. Ein Ort, an dem früher und genauso heute die Superreichen vertreten sind.

Weiter ging es dann den Long Island Sound hoch und wir machten Station in Montauk und Port Washington auf Long Island – das Naherholungsgebiet der reichen New Yorker. Besonders die Hamptons an der Atlantikküste sind bekannt für ihre eleganten Sommerhäuser der Prominenten, Reichen und Schönen – riesige Areale, wo jedem normal Sterblichen das schneiden lassen der Hecke, die den Besitz umgibt, schon in den finanziellen Ruin treiben würde.

Von hier aus ging es den East River runter und noch einmal nach New York für ein paar Tage, von wo aus wir am 01. Oktober wieder Richtung Annapolis aufgebrochen sind.
In Annapolis war Mitte Oktober die US Sail Boat Show, die größte Segelbootmesse der USA. Wir haben uns hier mit Pim und Hanneke von Nelly Rose und Kerstin und Robert von Trinity verabredet. Und auch Uta und Wolfgang von That’s life kamen aus Nassau für einen Besuch zu uns herüber geflogen. Besonders haben wir uns auch gefreut, die Amerikaner Anne und Don wiederzusehen, die wir in St. Lucia 9 Monate zuvor kennengelernt hatten, als sie gerade von ihrer 7-jährigen Weltumsegelung zurückgekommen waren.
Wir wollten uns die Messe anschauen, aber auch noch einige Arbeiten und Verbesserungen am Boot erledigen, so dass wir für die nächsten Wochen hier Station gemacht haben. Wir lagen für diese Zeit bei der Firma J. Gordon am Steg und hiermit einen herzlichen Dank an Marshall und seine Crew für die tolle Unterstützung und Hilfe.
Wir genossen die Zeit mit unseren „alten“ Segelfreunden und lernten mit Susanne und Jan von Peter Pan (D) neue kennen. Die beiden kommen aus dem Kalletal bzw. Bünde und haben in Bielefeld studiert – die Welt ist halt doch ein Dorf! Wir verbrachten einige schöne Abende zusammen, aber leider trennten sich dann, wie schon so oft zuvor, unsere Wege wieder.

Wir wollten von den USA aus für eine zweite Saison wieder zurück in die östliche Karibik segeln, genauer gesagt nach Antigua. Der beste Zeitpunkt hierfür ist etwa Mitte November. Da wir aber noch auf unsere neuen Segel warten mussten, die für den 15.11. bestätigt waren, konnten wir uns erst danach auf den Weg von Annapolis nach Norfolk machen, was unser Absprunghafen für den Atlantiktrip sein sollte. Dort mussten wir leider noch bis Ende November warten, um ein passendes Wetterfenster zu bekommen. Es wurde auch langsam Zeit, dass wir weiter segelten, da die Temperaturen langsam in den Minusbereich abrutschten und immer häufiger Stürme aufzogen, die einen Segeltrip über den Nordatlantik ungeschmeidig machen würden. In der Woche, die wir in Norfolk warten mussten, bekamen wir sehr nette Nachbarn aus England: Ann und Tony mit ihrem Katamaran Serenity, mit denen wir noch eine schöne Zeit verbrachten. Also hatte die Warterei doch noch etwas Gutes.
Am 28. November war es dann soweit: wir haben die Leinen losgeworfen und es ging 1.500 Seemeilen zurück in die Karibik und in die Wärme. Die Fahrt war leider begleitet von anfänglich zu wenig Wind, so dass wir unter Motor fahren mussten. Später hatten wir jedoch mehr Wind, als uns lieb war. Die letzten 5 Tage hatten wir durchgehend 7-8 Bft. (in Böen 9 Bft.) und Wellen von der Seite, die uns durchgeschüttelt haben mit lautem Getöse gegen die Bordwand gekracht sind und auch gerne mal das Cockpit durchgespült haben (und uns dann gleich mit). Zwischenzeitlich kamen wir uns vor wie ein Korken im Whirlpool. Antares hat wahrlich eine Glanzleistung hingelegt und uns sicher ans Ziel gebracht. Der Trip war bisher der anstrengendste der ganzen Reise, aber wir sind ja heile in der Karibik angekommen und können jetzt das herrliche Wetter und die Wärme genießen.

Der Abstecher an die Ostküste der USA hat uns sehr gut gefallen. Zum einen bietet es einen deutlichen Kontrast zur Karibik, und zum anderen haben wir uns auf die verschiedenen Jahreszeiten gefreut. Sonne und Sommer über Monate zu haben ist genial, aber den wunderschönen, warmen Herbst hier mitzubekommen war schon klasse.
Die Menschen, denen wir begegnet sind, waren durchweg sehr hilfsbereit, gastfreundlich und aufgeschlossen. Es schwappen nicht viele europäische Segler in die USA, so dass wir immer aufgefallen sind wie ein bunter Hund und das Interesse schnell auf uns gezogen haben. So kann es schon mal passieren, dass man, wenn man auf der Straße jemanden anspricht und nach dem Weg zum nächsten Supermarkt fragt, ins Gespräch kommt und nicht nur eine lange Liste mit Tipps für einen Long-Island-Besuch bekommt, sondern auch gleich noch eine Einladung zum Abendessen nach Hause (vielen Dank, Beverly und Richard, Leanne, Heinz und Kai für den schönen Abend!). Oder man bekommt vom Nachbarn im Hafen ganz unkompliziert das Auto angeboten, um Einkäufe und Besorgungen in den zu Fuß schlecht zu erreichenden Shops zu erledigen.
Wir haben Land und Leute sehr genossen und die Einkaufsmöglichkeiten (Lebensmittel und Zubehör und Ersatzteile fürs Boot) ausgiebig genutzt. Aber wir freuen uns auch, wieder in der Karibik zu sein, zumal wir bei unserem ersten Stopp auf Antigua von unseren schweizer Freunden Eva und Alec von Tangaroa, unseren Mitstreitern bei der Atlantiküberquerung und unseren Trauzeugen, in Empfang genommen wurden – ein Wiedersehen nach 10 Monaten, dass erst einmal ausgiebig gefeiert werden musste (und auch noch gefeiert wird!). Da ist die anstrengende Fahrt hierunter doch schnell wieder vergessen.

Bahamas (08.05.-27.05.13)

Die Bahamas: mehr als 700 Inseln von denen nur 30 bewohnt sind und 2.400 Korallenriffe, die Cays, in einem Gebiet von 13.940 km² mit einer Nord-Süd-Ausdehnung von etwa 650 km und einer West-Ost-Breite von bis zu 750 km
Nach einer Nachtfahrt kommen wir morgens auf den Bahamas in Mayaguana an. Wir wollen hier nur einklarieren und am nächsten Tag gleich weitersegeln. Das Wasser im Riff, in dem wir ankern, sieht jedoch schon einmal phantastisch aus und bietet einen Vorgeschmack auf das, was uns noch erwarten wird.
In keinem Land und auf keiner Insel zuvor war das Einklarieren so langwierig, nervenaufreibend und teuer gewesen wie hier (Cruising Permit 300$). Zudem müssen wir aufgrund der geringen Wassertiefe auch noch sehr weit weg vom Land ankern, was das Ganze ein wenig umständlich macht und sind froh, als alles erledigt ist. Nach mehreren Stunden bürokratischer Klimmzüge sind dann doch alle wieder an Bord und wir können den Nachmittag genießen.
Am nächsten Tag segeln That’s life, TrinitY und wir weiter. Na, segeln kann man das nicht wirklich nennen, da wir kaum Wind haben. Im Laufe des Tages zieht es sich, wie auch angekündigt, immer mehr zu und der Himmel sieht sehr bedrohlich aus. Um uns herum toben bald Gewitter und in der Ferne sehen wir sogar einen Tornado auf dem Wasser – ein beunruhigendes Gefühl. Aufgrund der Wetterverhältnisse und des geringen Windes entscheiden wir uns, die Nacht nicht durchzufahren und gehen vor den West Plana Cays zusammen mit That’s life vor Anker. Eine gute Entscheidung, da in der Nacht weitere Gewitter mit einer unglaublichen Lightshow und heftigen Regenfällen auftreten. Wir sind froh, nicht unterwegs zu sein, sondern uns in die Koje verkriechen zu können. Der nächste Morgen zeigt sich wieder sonnig und wir können bei besten Wetter- und Windverhältnissen weitersegeln Richtung Conception Island.
Diese Insel ist ein Robinson-Crusoe-Traum, ein kleines Paradies, das wir so schnell nicht wieder verlassen wollen. Sie ist unbewohnt, hat lange, weiße Puderzuckerstrände und ist umgeben von glasklarem, türkis-grünem Wasser. In der Nähe unseres Ankerplatzes liegen ein paar schöne Korallenriffe mit reichlich Fischbestand, die wir schnorchelnder weise ausgiebig erkunden und direkt unter unserem Boot zieht regelmäßig ein großer Rochen durch. Wolfgang von That’s life hat eine Begegnung mit einem Delfin, als er vom Boot aus ins Wasser springt. Wer von beiden mehr erschrocken ist, ist ungewiss. Die Insel liegt recht abgelegen, so dass dadurch nur ein paar Boote hierherkommen und wir diesen Ort nur mit wenigen teilen müssen.
Leider holt uns die Realität bald wieder ein und wir müssen irgendwann doch unser Paradies wieder verlassen. Es ist bereits Mitte Mai und wir haben ja noch einen weiten Weg vor uns, um bis Anfang Juni aus der südlichen Hurrikan-Zone raus zu sein. Also brechen wir gemeinsam auf zurück in die Zivilisation Richtung Georgetown auf den Exumas, das Shangri-La der vorwiegend amerikanischen Seglergemeinschaft. Wir wollen herausfinden, was der Autor unseres Cruising Guides darunter versteht und nebenbei unsere Vorräte wieder aufstocken. Fest steht, unser Shangri-La ist es hier nicht. Die Umgebung ist zwar ganz nett, aber beeindruckt waren wir nicht. Vielleicht liegt es auch daran, das hier nur noch wenige Segler sind und alles recht verschlafen wirkt. Die „Snow Birds“, wie die amerikanischen Segler genannt werden, die zum Winter in Scharen auf den Bahamas einfallen und zum Sommer hin wieder in die USA segeln, haben sich bereits auf den Rückweg begeben. Auch ein weiteres Zeichen, dass wir uns ranhalten müssen. Nach 2 Tagen heben wir wieder den Anker und es geht weiter Richtung Norden.
Die Exumas erstrecken sich über etwa 100 Seemeilen, also 185 km, nach Nord-west und bestehen aus vielen aneinandergereihten Inseln, den Cays, die durch schmale Zufahrten voneinander getrennt sind. Wir müssen und wollen östlich davon im tiefen Wasser bleiben, da auf der geschützten Leeseite, der windabgewandten Seite, das Wasser sehr flach ist und nicht zum entspannten Segeln einlädt. Zum Übernachten fahren wir dann durch diese Zufahrten und werfen unseren Anker im Schutz der Inseln ins Wasser.
Ganz oben auf unserer Wunschliste steht der Besuch von Staniel Cay. Hier gibt es die Thunderball Grotte, bekannt aus einem alten James-Bond-Film, und am Strand lebende, im Meerwasser schwimmende…Schweine. Leider werden wir auf dieses animalische Highlight verzichten, da die Zufahrten zwischen den Inseln Tidenströmungen ausgesetzt sind und bei unserem recht starken Wind gegen die Strömung unangenehme Wellen entstehen können. Wir verzichten also aus Vernunftgründen auf das schweinische Spektakel und segeln weiter zu unserem letzten Stopp, bevor wir uns nach Nassau aufmachen.
Nassau empfängt unsere 4 Boote mit viel Wind und noch mehr Regen. Wir warten den heftigen Schauer ab und laufen dann in unsere Marina ein. Und nicht zu früh, denn zwei Stunden später bricht ein Unwetter mit Gewittern aus allen Richtungen, heftigem Regen und viel Wind über uns herein. Erst Stunden später kehrt wieder Ruhe ein. Man merkt deutlich, dass das Wetter sich langsam verändert und es wird höchste Zeit, beim nächsten passenden Wetterfenster nach Norden aufzubrechen.
Nassau bietet Kontrastprogramm zu dem, was wir bisher von den Bahamas gesehen haben: Hotels, Restaurants, Bars und ausgiebige Shoppingmöglichkeiten. Es ist toll, mal wieder schön Essen zu gehen und die Vorräte auffüllen zu können.
Ein schon von weither sichtbares „Wahrzeichen“ Nassaus ist die künstlichen Welt des „Atlantis“. Das Hotel ist riesig. Ist die Architektur des Gebäudes äußerlich schon etwas gewöhnungsbedürftig mit seinen rosa Türmchen, so ist es von innen doch noch umso kitschiger. Im Hotel gibt es eigentlich alles was man braucht (oder auch nicht braucht): über 40 Restaurants, Bars, ein Casino, Shops, um das gewonnene Geld gleich wieder zu investieren, diverse Poollandschaften und ein sehr schön angelegtes Aquarium.
Ein sportliches Highlight unseres Nassau-Besuchs ist das Champions League Finale Dortmund gegen Bayern, dem wir in einer Sports Bar alle zusammen live beiwohnen – ein bisschen Heimat in der Ferne.
In Nassau heißt es Abschied nehmen von den uns liebgewonnenen Segelfreunden That’s life und 2Mickys. Unsere Wege trennen sich hier leider, nachdem wir mit 4 Booten gemeinsam den Weg von den British Virgin Islands über die Turks und Caicos zu den Bahamas gesegelt sind. Aber das Leben ist bunt und zum Abschied von alten Segelfreunden kommen auch wieder neue hinzu. Im Hafen in Nassau treffen wir Pim und Hanneke von der Nelly Rose aus Holland. Sie wollen wie TrinitY und wir an der Ostküste der USA entlang bis hoch nach Main segeln und dort den Sommer und somit die Hurrikan-Saison verbringen, bevor wir uns alle erneut auf den Weg in die Karibik machen. Da auch die beiden mit einem Schlag möglichst weit nach Norden wollen, um der Hurrikan-Gefahr erst einmal zu entkommen, beschließen wir, zu dritt nach Norfolk zu segeln. Am 27. Mai öffnet sich für die nächsten Tage ein passendes Wetterfenster und es geht los. That’s life haben sich spontan entschieden, mit dem Boot in Nassau zu bleiben und haben somit den kürzesten Weg. Sie verlegen sich nur 14 Seemeilen in die Marina at Atlantis, ihrer neuen Heimat für die nächsten Monate. Die 2 Mickys segeln bis Florida und fahren dort den Intracoastal Waterway hoch bis Georgia. Wir anderen drei haben mit etwa 900 Seemeilen (1670 km) den weitesten Weg vor uns liegen, freuen uns aber schon riesig auf neue Ufer (und Klimazonen).

Bretagne (15.07. – 09.08.12)

Die zweite Überquerung des Kanals erweist sich als deutlich freundlicher. Das Wetter ist gut und wir rauschen zügig Richtung Bretagne. Unser erstes Ziel ist eine Mooringboje am Hafen von L’Aber Wrac’h an der Nordküste der Bretagne. Von hier aus geht’s weiter die schöne, raue Küste entlang nach Süden durch den Chanal Du Four bis Camaret-Sur-Mer, ein kleines Fischerdorf in der Nähe von Brest. Sehr schade ist nur, dass man von eben dieser schönen Küste nicht viel sehen kann, da sie teilweise im Nebel verschwindet.

Auf unserem Weg nach Loctudy haben wir mehr Glück. Die wunderschöne Steilküste präsentiert sich im Sonnenlicht von seiner besten Seite. Unterwegs werden wir von zwei Racing-Katamaranen überholt, die bei dem Kryss Ocean Race teilgenommen haben, dass ein paar Tage zuvor in Brest endete. Die Regatta starte in New York und die teilnehmenden Katamarane benötigen für die gefahrenen 3.284 Seemeilen knapp 5 Tage, d. h. sie fahren mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 28 Knoten! Spitzengeschwindigkeiten liegen wohl über 40 Knoten! Die Katamarane, die uns überholen, rauschen mit 17 bzw. 21 Knoten an uns vorbei und haben noch nicht einmal ihre volle Besegelung draußen. Das ist ein Tempo, mit dem wir mit unseren 5-6 Knoten nicht so ganz mithalten können.
Am Nachmittag haben wir dann unsere erste Delfinsichtung: eine Schule von etwa 10 Tieren taucht neben unserem Boot auf und spielt eine ganze Zeit lang mit unserer Bugwelle. Es ist wunderschön, diese tollen Tiere in Freiheit beobachten zu können und ihre Wendigkeit und Schnelligkeit zu bestaunen. Wenn einer Spaß hat im Meer, dann die Delfine…

Am 20. Juli holt uns der Sommer dann doch endlich ein und zwar in Concarneau, einer wunderschönen, historischen Stadt. Wir liegen im Hafen direkt an der Ville Close, einer von Festungsmauern umsäumten kleinen Insel, auf der sich die Altstadt befindet und die nur durch eine Brücke von Land erreichbar ist. Die alten Gassen und Plätze sind gesäumt von Cafés, Restaurants, Shops und Souvenirläden. Trotz der vielen Touristen ist die Ville Close absolut sehenswert und läd zum Bummeln ein.
Von unserem Hafenplatz aus werden wir Zeuge, wie französische Segelschüler lernen, dass man Boote auch auf dem Steg festmachen kann, was der Segellehrer mit einem fröhlichen „Ce bon!“ quittiert – sehr interessant…
In Concarneau besuchen uns Britta und Tim mit ihren Kindern Nico und Maja aus Bielefeld, die hier in der Nähe ihren Sommerurlaub verbringen und uns bei Crepe mit Nachrichten aus der Heimat versorgen.
Nach ein paar Tagen machen wir uns auf dem Weg nach Locmiquelic bei Lorient. Die Küste verändert sich jetzt deutlich und die raue Steilküste weicht einer flacheren Landschaft mit Sandstränden. Um auch das Hinterland der Bretagne zu erkunden, nehmen uns hier einen Mietwagen und schauen uns die Highlights der Gegend an: Étel, Carnac mit seinen prähistorischen Steinkreisen, Carnac Plage und die Quiberon-Halbinsel mit Port Haliguen.
In Lorient findet zur gleichen Zeit ein großes Celtic-Festival statt mit Livemusik von Folkgruppen aus allen keltischen Regionen im In- und Ausland und vielen Verkaufsständen. Außerhalb von Schottland hab ich noch nie so viele Schottenröcke und Dudelsäcke gesehen.
Unsere letzte Station in der Bretagne ist die Belle Ile. Wir machen an einer Mooringboje vor Le Palais fest und genießen beim Grillen den wunderschönen Blick auf den Hafen und die Festungsmauern und werden zudem noch mit einem perfekten Sonnenuntergang belohnt – ein toller Abschluss einer sehr schönen Zeit in der Bretagne.
Am nächsten Tag beginnt die erste Etappe unserer Biskaya-Überquerung, die wir in zwei Abschnitte aufgeteilt haben. Wir legen morgens bei bestem Wetter von der Belle Ile ab mit Ziel La Rochelle. Bei der Strecke von 121 Seemeilen haben wir unsere erste Nachtfahrt. Das Wetter könnte nicht besser sein und wir gleiten ruhig durch die mondbeschienene Nacht und genießen den Anblick des wolkenlosen Himmels mit den Millionen und Abermillionen funkelnden Sternen. Wir lösen uns mit der Nachtwache alle vier Stunden ab und es ist schon eine interessante Erfahrung, so alleine durch die Nacht zu fahren mit nichts als Wasser um uns rum und weitab der Lichter der Küste.
Nach dem Frühstück treffen wir im etwas vorgelagerten Hafen von La Rochelle ein und fahren später mit der Fähre direkt ins historische Zentrum der Stadt. Der kurze Abstecher nach La Rochelle hat sich wirklich gelohnt. Die Altstadt ist sehr schön und an unserem letzten Abend in Frankreich gehen wir zum Abschied nochmal lecker Essen.
In der Bretagne hat es uns sehr gut gefallen, nur schade, dass wir anfänglich nicht so gutes Wetter hatten und dadurch die wunderschöne, raue Steilküste im Norden nur bedingt bewundern konnten.

Good Old England (23.06. – 14.07.12)

Dünkirchen – Dover: 40 Seemeilen, die es in sich haben. Aus den angesagten 5-6 Bft aus West werden später 7 Bft, in Böen 8 Bft. Generell nicht so tragisch, da aber in diesem Fall ab Mitte des Kanals Strömung und Wind gegeneinander laufen, haben wir es mit sehr hohen, unglaublich steilen und schnell aufeinanderfolgenden Wellen zu tun. Meile für Meile geht es durch meterhohe Wasserwände Richtung Dover. Nach acht Stunden Achterbahnfahrt erreichen wir gut durchgeschüttelt und sichtlich erleichtert endlich England. Die Fahrt hatte aber auch was Gutes – wir wurden deutlich sensibler: ab Dover prüfen wir vor jeder Fahrt noch genauer unsere Route in Bezug auf Tiden, Strömungen und Windrichtung.
Von Dover aus geht es weiter über Eastbourne und Brighton ins Segelmekka zur Isle of Wight nach Cowes. Leider können wir hier nicht lange bleiben, da kurz darauf das „Around the Island Race“ stattfindet und alle Häfen im Umkreis mit den erwarteten 2.000 Segelbooten hoffnungslos überlaufen sind.
Nach einer Nacht und je einer Portion Fish & Chips verlassen wir daher Cowes in Richtung Weymouth, Devon. Hierzu passieren wir „The Needles“ , einer Meerenge westlich der Isle of Wight mit beachtlichen 4 Knoten Strömung! Diesen Bereich sollte man tunlichst zum richtigen Zeitpunkt befahren, da eine Gegenströmung einen gerne mehr oder weniger auf der Stelle stehen lässt.
In dem charmanten Fischerort und Seebad Weymouth verbringen wir die nächsten drei Tage, bis der aufgekommene Wind sich wieder gelegt hat und wir nach Torquey weitersegeln können. Auf dem Weg dorthin müssen wir um die Isle of Portland herum, an deren Cap uns wieder hohe Wellen erwarten. Um ein zweites Dovererlebnis zu vermeiden, entscheiden wir uns, dass Cap großzügig zu umfahren.
Torquay gilt als Schmuckstück der Englischen Riviera, wobei es uns schwerfällt, das bei 17°C und Dauerregen nachzuvollziehen.
Danach machen wir uns auf Richtung Dartmouth, das uns leider auch mit strömenden Regen und tief hängenden Wolken empfängt, so dass wir von der schönen Küstenlangschaft und dem Ort selbst vorerst nur wenig mitbekommen. Am Ziel angekommen erhalten wir vom netten Hafenmeister unsere neue Adresse zugewiesen: „Deep Water Pontoon 3“ mitten im Fluss Dart. Am nächsten Morgen haben sich die Wolken verzogen und wir besuchen mittels Wassertaxi das wunderschöne Dartmouth und genießen die seltenen Sonnenstrahlen im britischen Empire.
Von hier aus geht es weiter über Salcombe, Plymouth und Fowley nach Falmouth in Cornwall. Hier machten wir etwas länger Station, um mit einem Mietwagen das Rosamunde-Pilcher-Land zu erkunden: Lizard Halbinsel, St. Michael’s Mount, Penzance, Land’s End, St. Ives und die cornische Küste entlang zu den Bedruthan Steps.
Nach einer zwar teilweise verregneten, aber dennoch wunderschönen Zeit in England verlassen wir von Helford River aus die Insel. Insgesamt hat uns – trotz der Wetterumstände- die Südküste Englands ab der Isle of Wight sehr gut gefallen und die Freundlichkeit und Hilfsbereitschaft der Engländer schwer beeindruckt.

Nordsee (08.06. – 22.06.12)

Es ist der 08.06.2012 morgens 8.00 Uhr in Laboe. Bei strömenden Regen werfen wir die Leinen los und machen uns auf den Weg durch den Nord-Ostsee-Kanal. Die Fahrt durch den Kanal bei einem Mix aus Regen, Sonne, Gewitter, und Hagel ist ruhig und entspannt. Hin und wieder kommen uns große Frachtschiffe entgegen oder überholen uns. Die erste Nacht unserer Reise verbringen wir in Brunsbüttel vor den Schleusentoren zur Nordsee. Tags darauf um 7.00 Uhr geht es dann weiter Richtung Cuxhaven, wo wir dann zum ersten Mal mit den Tiden Bekanntschaft machen dürfen.
Da es an der Nordseeküste nicht viele Häfen mit genügend Tiefgang für uns gibt, bleibt uns danach nur der lange Weg nach Borkum: Abfahrt Cuxhaven: 6.00 Uhr – Ankunft Borkum: 21.30 Uhr.

Am nächsten Tag laufen wir wieder mit der fallenden Tide um 6.00 Uhr mit Ziel Vlieland aus. Die Nordsee zeigt sich diesmal etwas ruppiger mit deutlich mehr Seegang bei Windstärke 6.
Vlieland gefällt uns so gut, dass wir gerne zwei Nächte bleiben, um uns die Insel anzuschauen und wieder mal richtig auszuschlafen. Die bevorzugte Farbe an diesen Tagen auf der Insel ist Orange: es ist EM! Überall sind orange Trikots, Fähnchen, Girlanden, Mützen, Bärte und Perücken etc. zu sehen. Wie wir heute wissen, hat es den Holländern leider nichts genützt…
Unser nächstes Ziel ist Ijmuinden. Im Seehafen vor Amsterdam machen wir aufgrund der Wetterlage – stürmische Winde bis 8 Bft aus Südwest – für vier Nächte fest und haben somit genug Zeit, Amsterdam ausgiebig zu erkunden und den Sand wieder vom Schiff zu fegen, der vom Strand im Sturm rüber geweht worden war. Nach einem kurzen Zwischenstopp für eine Übernachtung in Zeebrügge erreichen wir Dünkirchen im Nord Pas-de-Calais. Hier hat Antares drei Tage Pause, da wir der Stadt der Liebe einen Besuch abstatten wollen: Paris – das Zentrum der Haute Couture und für uns ein Ort der wundgelaufenen Füße.
Nach unserem wunderschönen Großstadtbesuch geht es von Dünkirchen aus über den Kanal nach Dover – nach „Good Old England“.

Vorbereitungen (Dezember 2011 – Juni 2012)

Schiffe werden grundsätzlich nach ihrem Fahrtgebiet ausgerüstet – dabei gilt, je weiter die Fahrt, desto umfangreicher die Ausrüstung. Hinzu kommen dann noch die vielen Nettigkeiten, die das Leben an Bord so angenehm machen und die auf der Ausrüstungsliste zusätzlich ihren Platz beanspruchen.
Als sich im Dezember 2011 die Pläne für eine Reise konkretisieren, wissen wir noch immer nicht so genau, wohin die Reise gehen soll. Mit jeder Woche kommen neue Ideen und entferntere Reiseziele hinzu, wodurch sich auch die Ausrüstungsliste merklich vergrößert. Anfang 2012 geht es dann los – ich bestelle was das Zeug hält. Die beträchtliche Anzahl der Pakete beeindruckt sogar den Paketboten, der nun beinahe täglich erscheint. Nun – alles einzukaufen ist einfach, die Sachen aber an Bord zu installieren schon etwas anderes. Dies kann erst im Frühjahr geschehen, denn Antares befindet sich bisher noch in ihrem Winterlager in Kerteminde, Dänemark. Im April geht es dann endlich los und Antares bekommt das „Frühjahr-Standard-Programm“: waschen, polieren, Antifouling-Anstrich und ab ins Wasser und Mast drauf. Nebenbei beginnt aber auch schon das Zusatz-Programm, d. h. Installationsarbeiten von u. a. Watermaker, Waschmaschine, zweiter Lichtmaschine, Windgenerator, Kurzwellen-Funkgerät, neuen Starter- und Service-Batterien.
An dieser Stelle möchte ich meine langjährigen Freunde Inge und Jörgen Lorenzen erwähnen, die mir seit vielen Jahren in allen Bootsfragen mit Rat und Tat hilfreich zur Seite stehen – vielen Dank dafür!
Anfang Mai segel ich Antares dann nach Kiel, um dort alle Restarbeiten zu erledigen und das Boot für die Reise zu beladen. Dieser recht langwierige Prozess zieht sich dann bis zum letzten Tag vor der Abreise hin. Um unseren geplanten Abfahrtstermin einhalten zu können, müssen Kleinigkeiten, die sich aufschieben lassen, erst unterwegs erledigt werden.

Die Reise kann beginnen…