USA Ostküste (01.06. – 28.11.2013)

Am 28.11.2013, an Thanksgiving, haben wir uns nach 6 wundervollen Monaten von den USA verabschiedet, um uns auf den Weg für eine zweite Saison in die Karibik zu machen.

In dem letzen halben Jahr sind wir von Norfolk, Virginia aus die Ostküste entlang bis hoch nach Maine und wieder zurück gesegelt. Die Fahrt von den Bahamas direkt bis in die USA nach Norfolk haben wir zusammen mit Robert und Kerstin von Trinity (D) und mit Pim und Hanneke von Nelly Rose (NL) unternommen, die auch die Hurrikan-Saison in den USA verbringen wollten.

Danach ging es die Chesapeake Bay hinauf bis Annapolis und Baltimore, mit einem kleinen Abstecher per Zug ins Zentrum der Macht nach Washington (inklusive Kapitol-Führung, Weißes Haus und Lincoln Memorial etc.) und dann die Delaware Bay wieder hinunter. Unser nächstes Ziel war New York City, eine Stadt, die wir beide immer mal besuchen wollten, aber nicht im Traum daran gedacht haben, dass wir mal mit dem eigenen Segelboot an der Freiheitsstatue und Manhattan vorbei den Hudson hoch segeln würden. Dies war zweifellos ein beeindruckender Höhepunkt unserer Ostküstentour. Und weil es so schön war, haben wir auf dem Rückweg dort noch einmal Halt gemacht.

Nach unserem Aufenthalt im Big Apple sind wir durch den Long Island Sound und den Cape Cod Kanal bis nach Maine gesegelt. Die Landschaft hier oben unterschied sich sehr von den südlicheren Staaten und erinnert an die Schären in Schweden: eine felsige, raue Küste, die von unzähligen Inseln verschiedener Größen gesäumt ist, bewachsen mit dem Wind und dem rauen Klima strotzenden Nadelhölzern.
Maine ist mindestens für zwei Sachen bekannt: für seinen häufig auftretenden dichten Nebel, den wir zum Glück nur einmal erleben durften und für seinen Lobster. Letzter begegnete uns allerdings an jeder Ecke, dargeboten in diversen Speisen und Delikatessen und auf nahezu jedem Quadratmeter Meerwasser in Form von Bojen, mit denen die Fischer ihre Reusen kennzeichnen. Durch diesen Teppich aus Bojen zu segeln, ohne dabei mit der Schraube oder dem Ruder in den Seilen hängen zu bleiben, mit denen die Bojen an den Reusen befestigt sind, war ein wenig nervtötend.
Der Acadia National Park war dann der nördlichste Punkt unserer Reise. Von hier aus ging es wieder zurück in den Süden. Den Aufenthalt im Lobsterland mit seinen netten kleinen Ortschaften und der wilden Küste haben wir sehr genossen und war definitiv ein weiteres Highlight.

Unser nächstes Ziel war Boston, eine Stadt die vor US-amerikanischer Geschichte und historischen Bauten nur so strotzt. Im Vergleich zu New York wirkt Boston geradezu beschaulich. Man wird nicht so erschlagen von den Menschenmassen, den Blechkolonnen, die sich durch die Straßen schieben und dem ganzen Stahl und Beton und das ist genau das, was uns an Boston so gefiel.

Von hier aus segelten wir die Ostküste weiter runter nach Süden bis Provincetown auf Cape Cod. Einstmals bekannt für seine Kabeljau-Vorkommen und Walfangflotten, wird diese Region nunmehr in den Sommermonaten bevölkert von Strand- und Wale-Watch-Touristen und einer für die USA eher untypischen ausgeprägten Gay-Szene. Wir trafen dort kurz nach dem dortigen Karneval ein und waren ein wenig überrascht von der Szenerie, die sich uns bot: Männer in Frauenkleidern, Drag-Queens und ältere Herren mit silbergrauem Haar in weißen oder zartrosa Strumpfhosen mit Tutu und Krönchen im Haar sieht man ja sonst nicht alle Tage auf den Straßen.
Der Ort hat Atmosphäre, ist lebensfroh und gepflastert von Galerien, stilvollen Läden und Restaurants und ist eigentlich gar nicht amerikanisch. Uns hat es dort sehr gut gefallen und sind gleich ein paar Tage geblieben.
Die Strände und Dünenlandschaften im nördlichen Bereich der Halbinsel Cape Cod erinnern an Sylt bzw. einige Gegenden der deutschen Nordseeküste, nur irgendwie größer und weitschweifiger.

Als nächstes ging es zu den Inseln Martha’s Vineyard und Nantucket, südlich von Cape Cod. Die Walfangregion hat sich zum Ferienort der Reichen und Schönen und auch des US Präsidenten entwickelt. Die Landschaft ist auch hier ähnlich wie auf Sylt und alles ist sündhaft teuer. Wir erkundeten beide Inseln mit dem Fahrrad und genossen den Spätsommer.

Unser nächstes Ziel war Newport, das elegante Segelzentrum der Ostküste. Hier liegen zahlreiche Megayachten, klassische wie moderne, in den Häfen nebeneinander. Bekannt ist Newport auch für seine Bellevue Avenue. Hier haben sich Vanderbilt, Astor und Co. Ende des 19ten Jahrhunderts ihre Sommerresidenzen erbauen lassen: herrschaftliche Villen und beinahe kleine Schlosser aus dem Gilded Age, dem vergoldeten Zeitalter, wie die Blütezeit der amerikanischen Wirtschaft von ca. 1870 bis zur Jahrhundertwende bezeichnet wird. Einige dieser Mansions (Villen) kann man besichtigen, was wir auch getan haben und so konnten uns von der verschwenderischen Einrichtung und Bauweise und nicht immer geschmackvollen Ausstattung dieser Anwesen überzeugen. Aber hier stehen natürlich nicht nur historische Bauten, die der Öffentlichkeit zugänglich sind, sondern auch viele ebenso beeindruckende private Villen. Ein Ort, an dem früher und genauso heute die Superreichen vertreten sind.

Weiter ging es dann den Long Island Sound hoch und wir machten Station in Montauk und Port Washington auf Long Island – das Naherholungsgebiet der reichen New Yorker. Besonders die Hamptons an der Atlantikküste sind bekannt für ihre eleganten Sommerhäuser der Prominenten, Reichen und Schönen – riesige Areale, wo jedem normal Sterblichen das schneiden lassen der Hecke, die den Besitz umgibt, schon in den finanziellen Ruin treiben würde.

Von hier aus ging es den East River runter und noch einmal nach New York für ein paar Tage, von wo aus wir am 01. Oktober wieder Richtung Annapolis aufgebrochen sind.
In Annapolis war Mitte Oktober die US Sail Boat Show, die größte Segelbootmesse der USA. Wir haben uns hier mit Pim und Hanneke von Nelly Rose und Kerstin und Robert von Trinity verabredet. Und auch Uta und Wolfgang von That’s life kamen aus Nassau für einen Besuch zu uns herüber geflogen. Besonders haben wir uns auch gefreut, die Amerikaner Anne und Don wiederzusehen, die wir in St. Lucia 9 Monate zuvor kennengelernt hatten, als sie gerade von ihrer 7-jährigen Weltumsegelung zurückgekommen waren.
Wir wollten uns die Messe anschauen, aber auch noch einige Arbeiten und Verbesserungen am Boot erledigen, so dass wir für die nächsten Wochen hier Station gemacht haben. Wir lagen für diese Zeit bei der Firma J. Gordon am Steg und hiermit einen herzlichen Dank an Marshall und seine Crew für die tolle Unterstützung und Hilfe.
Wir genossen die Zeit mit unseren „alten“ Segelfreunden und lernten mit Susanne und Jan von Peter Pan (D) neue kennen. Die beiden kommen aus dem Kalletal bzw. Bünde und haben in Bielefeld studiert – die Welt ist halt doch ein Dorf! Wir verbrachten einige schöne Abende zusammen, aber leider trennten sich dann, wie schon so oft zuvor, unsere Wege wieder.

Wir wollten von den USA aus für eine zweite Saison wieder zurück in die östliche Karibik segeln, genauer gesagt nach Antigua. Der beste Zeitpunkt hierfür ist etwa Mitte November. Da wir aber noch auf unsere neuen Segel warten mussten, die für den 15.11. bestätigt waren, konnten wir uns erst danach auf den Weg von Annapolis nach Norfolk machen, was unser Absprunghafen für den Atlantiktrip sein sollte. Dort mussten wir leider noch bis Ende November warten, um ein passendes Wetterfenster zu bekommen. Es wurde auch langsam Zeit, dass wir weiter segelten, da die Temperaturen langsam in den Minusbereich abrutschten und immer häufiger Stürme aufzogen, die einen Segeltrip über den Nordatlantik ungeschmeidig machen würden. In der Woche, die wir in Norfolk warten mussten, bekamen wir sehr nette Nachbarn aus England: Ann und Tony mit ihrem Katamaran Serenity, mit denen wir noch eine schöne Zeit verbrachten. Also hatte die Warterei doch noch etwas Gutes.
Am 28. November war es dann soweit: wir haben die Leinen losgeworfen und es ging 1.500 Seemeilen zurück in die Karibik und in die Wärme. Die Fahrt war leider begleitet von anfänglich zu wenig Wind, so dass wir unter Motor fahren mussten. Später hatten wir jedoch mehr Wind, als uns lieb war. Die letzten 5 Tage hatten wir durchgehend 7-8 Bft. (in Böen 9 Bft.) und Wellen von der Seite, die uns durchgeschüttelt haben mit lautem Getöse gegen die Bordwand gekracht sind und auch gerne mal das Cockpit durchgespült haben (und uns dann gleich mit). Zwischenzeitlich kamen wir uns vor wie ein Korken im Whirlpool. Antares hat wahrlich eine Glanzleistung hingelegt und uns sicher ans Ziel gebracht. Der Trip war bisher der anstrengendste der ganzen Reise, aber wir sind ja heile in der Karibik angekommen und können jetzt das herrliche Wetter und die Wärme genießen.

Der Abstecher an die Ostküste der USA hat uns sehr gut gefallen. Zum einen bietet es einen deutlichen Kontrast zur Karibik, und zum anderen haben wir uns auf die verschiedenen Jahreszeiten gefreut. Sonne und Sommer über Monate zu haben ist genial, aber den wunderschönen, warmen Herbst hier mitzubekommen war schon klasse.
Die Menschen, denen wir begegnet sind, waren durchweg sehr hilfsbereit, gastfreundlich und aufgeschlossen. Es schwappen nicht viele europäische Segler in die USA, so dass wir immer aufgefallen sind wie ein bunter Hund und das Interesse schnell auf uns gezogen haben. So kann es schon mal passieren, dass man, wenn man auf der Straße jemanden anspricht und nach dem Weg zum nächsten Supermarkt fragt, ins Gespräch kommt und nicht nur eine lange Liste mit Tipps für einen Long-Island-Besuch bekommt, sondern auch gleich noch eine Einladung zum Abendessen nach Hause (vielen Dank, Beverly und Richard, Leanne, Heinz und Kai für den schönen Abend!). Oder man bekommt vom Nachbarn im Hafen ganz unkompliziert das Auto angeboten, um Einkäufe und Besorgungen in den zu Fuß schlecht zu erreichenden Shops zu erledigen.
Wir haben Land und Leute sehr genossen und die Einkaufsmöglichkeiten (Lebensmittel und Zubehör und Ersatzteile fürs Boot) ausgiebig genutzt. Aber wir freuen uns auch, wieder in der Karibik zu sein, zumal wir bei unserem ersten Stopp auf Antigua von unseren schweizer Freunden Eva und Alec von Tangaroa, unseren Mitstreitern bei der Atlantiküberquerung und unseren Trauzeugen, in Empfang genommen wurden – ein Wiedersehen nach 10 Monaten, dass erst einmal ausgiebig gefeiert werden musste (und auch noch gefeiert wird!). Da ist die anstrengende Fahrt hierunter doch schnell wieder vergessen.

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