Aotearoa: Unterwegs im Land der langen weißen Wolke (07.11.2014 – 17.05.2015)

Nach fast einem Jahr sommerlichen Wetterbedingungen erreichen wir erstmals wieder subtropisches Klima. Es ist zwar Frühling in Neuseeland, aber es wird zwischendurch doch noch ganz schön kühl – und das ist herrlich! Endlich mal wieder in eine dicke Bettdecke kuscheln, anstatt schwitzend zwischen maximal dünnen Laken zu liegen. Sommer ist wunderbar, aber wir sind halt Nordeuropäer durch und durch und brauchen einfach Jahreszeiten.
Jedoch nicht nur auf eine klimatische, sondern auch auf eine landschaftliche Abwechslung haben wir uns gefreut. Türkisfarbene Lagunen, umgeben von wunderschönen Korallen-riffen und Palmen gesäumte Sandstrände sind zwar paradiesisch, aber auf Dauer, zumindest für uns, einfach nicht genug. So freuen wir uns darauf im kommenden halben Jahr, den Frühling, den Sommer und den Herbst in Neuseeland erleben zu dürfen und die vielfältige Landschaft dort bereisen zu können.
Aber ich muss sagen, dass ich mich am meisten auf einen gut ausgestatteten Supermarkt mit einer großen Auswahl an Obst und Gemüse freue. Wer hätte gedacht, dass die Vorstellung von etwas so selbstverständlichem wie einen guten Supermarkt mal mein Herz höher schlagen lassen würde? Olaf geht es so, wenn er, nach der Durst-strecke in der Südsee, an die ganzen Bootsausstatter in Neuseeland denkt – die wir vermutlich dann auch fast alle besuchen werden!
Es ist wunderbar, fremde Länder und abgelegene Regionen zu bereisen und andere Kulturen kennenzulernen, aber irgendwie sind wir doch zu sehr die Annehmlichkeiten der westlichen Welt gewöhnt, um sie ganz aufzugeben. So sehen wir den vor uns liegenden sechs Monaten also erwartungsvoll entgegen – und werden nicht enttäuscht.

Wir klarieren in Opua, einem kleinen Ort in der Bay of Islands, ein und feiern unsere Ankunft mit ATLANTIDE und FERNWEH. Der Ort ist zwar sehr klein, aber der Marina angeschlossen sind einige gute Handwerker und Bootsausrüster und wir nutzen die Gelegenheit und erledigen gleich hier ein paar Wartungsarbeiten. Der Weg durch den Pazifik mit 9.000 Seemeilen war lang und die Möglichkeiten, Ersatzteile zu kaufen oder Reparaturen durchführen zu lassen, äußerst gering.

Unser nächster Stopp mit ANTARES ist Whangarei, ein kleines, nettes Städtchen mit beeindruckendem Industriegebiet und sage und schreibe vier großen Supermärkten.
Da wir uns mehr über Land, als mit dem Boot in Neuseeland bewegen wollen, machen wir uns auf die Suche nach einem Auto und werden in Auckland fündig.
Nach ein paar Tagen ziehen wir von der Marina um in die Norsand Boat Yard. Hier bekommt ANTARES u. a. den dringend benötigten Unterwasseranstrich und ein neues Ruderlager und bleibt auch für unseren Deutschlandaufenthalt auf dem Trockenen stehen. Erst nach unseren Weihnachtsferien in der Heimat kommt unser Zuhause dann im Januar wieder ins Wasser.
Schon kurz danach machen wir uns mit unserem Auto auf zu einer Rundreise durch Neuseeland, die uns bis zum südlichsten Punkt der Südinsel führt. So sehr ich das Leben an Bord auch genieße, so ist es doch wunderbar, sich mal wieder mehr an Land zu bewegen. Man muss nur bedingt Rücksicht nehmen auf Wind und Wetter und nicht ständig die Wettervorhersage im Auge behalten. Man setzt sich einfach ins Auto und fährt los und bewegt sich auch mal etwas schneller fort als mit durchschnittlich 10-11 km/ Std. Ich will mich ja nicht beklagen, aber zur Abwechslung tut das mal gut. Nach fast 5 Wochen kommen wir glücklich und zufrieden nach einer erlebnisreichen und beeindruckenden Rundreise zu unserem schwimmenden Zuhause zurück.

So langsam ist es an der Zeit, auch mal ANTARES wieder zu bewegen und wir segeln runter nach Auckland. Allerdings müssen wir unsere geplante Abfahrt um eine Woche verschieben, weil uns PAM dazwischen kommt. Der Superzyklon der Kategorie 5 hat schon in Vanuatu für verheerende Schäden gesorgt und macht sich, zwar abgeschwächt, aber immer noch mit Sturmstärke auf den Weg nach Neuseeland. Eigentlich sind wir ja aus der Südsee geflüchtet, um eben keinem Zyklon in die Laufbahn zu geraten. Zum Glück zieht PAM jedoch weiter östlich als vorhergesagt an Neuseeland vorbei und richtet nur mäßig Schäden an.

Nachdem das Wetter sich wieder beruhigt hat, machen wir uns auf den Weg nach Auckland. Kurz vor uns sind die Teams der Volvo Ocean Race dort eingetroffen, die in Auckland einen mehrtägigen Stopp einlegen. Das wir natürlich mit großem Aufwand gefeiert und das Volvo Ocean Race Dorf lädt mit vielen Informationsständen und Veranstaltungen zu einem Besuch ein. Wie diese Teams um die Welt rasen ist wirklich hardcore und die Boote bieten null Komfort – allein die Bordtoilette ist ein Albtraum und von einer Kombüse kann man nicht wirklich sprechen. Welch einen Luxus dürfen wir da auf ANTARES genießen – allerdings brauchen wir auch geringfügig länger.

Die Tage vergehen wie im Flug und wir müssen uns auf unsere Abfahrt vorbereiten. Wir erledigen noch ein paar Arbeiten am Schiff, proviantieren für die zweite Saison in der Südsee und müssen ja auch noch unser Auto verkaufen.
Ab Ende April sammelt sich die Seglergemeinschaft so langsam wieder in Opua, dem nördlichsten Ausklarierungshafen Neuseelands, um auf ein passendes Wetterfenster für die Weiterfahrt zu warten. Spätestens hier treffen wir viele Segelfreunde wieder. Manche haben wir vor Monaten, ein paar sogar schon vor Jahren kennengelernt. Einige werden wir bei unseren nächsten Etappen wiedersehen, von anderen müssen wir uns leider verab-schieden, da sie deutlich schneller unterwegs sein werden, als wir. Man trifft unterwegs viele Menschen, einige davon lernt man auch gut kennen und verbringt viel Zeit miteinander. Viele trifft man auch wieder, da die Routen häufig ähnlich sind. Allerdings kommt früher oder später immer der Augenblick, endgültig lebe wohl zu sagen, was natürlich sehr schade und traurig ist. Aber man sieht sich ja immer zweimal im Leben!

Am 17. Mai öffnet sich für uns ein Wetterfenster und wir werfen die Leinen los mit Ziel Fiji.
Neuseeland hat uns wunderbar gefallen und wir haben die Zeit hier sehr genossen. Die Neuseeländer sind aufgeschlossen und freundlich und die Landschaften, gerade der Südinsel, einfach spektakulär.

Haere ra, Aotearoa! – Auf Wiedersehen, Neuseeland!

Vor Ankern irgendwo im Nirgendwo: das Minerva Riff (28.10. – 01.11. bzw. 07.11.2014)

Weit und breit ist nur der blaue Pazifik zu sehen, jedoch ein paar Meilen voraus können wir weiße Schaumkonen erblicken. Das wird dann wohl unser Ziel sein: das nördliche Minerva Riff. Wir fahren durch die Passeinfahrt in das nördliche Atoll und ankern auf etwa 8 m vor der östlichen Riffkante. Dies ist wohl einer der ungewöhnlichsten Orte, an dem wir bisher unseren Anker geworfen haben. Um uns herum sehen wir nur blaues Wasser, das zum Riff hin heller wird und Schaumkonen dort, wo die Wellen sich an den Korallen brechen. Aber weit und breit ist kein Land zu erblicken. Komplett überspült ist es allerdings nur bei Hochwasser. Bei Niedrigwasser kann man auf dem etwa 200 – 300 m breiten Riff bis zur Außenkante laufen – ein Spaziergang mitten im Pazifik.

Die beiden unbewohnten Minerva Riffe liegen etwa 270 Seemeilen bzw. 500 km südwestlich von Tonga und sind zwei Atolle im Entstehungsprozess. Seit September 1972 gehört Minerva zum Königreich Tonga.
Ein dreiviertel Jahr zuvor wurde dort jedoch die Unabhängigkeit der Republik Minerva ausgerufen. Ein amerikanischer Immobilienunternehmer und Millionär hatte die Vision, dort eine Stadt namens Sea City mit 30.000 Einwohnern entstehen zu lassen. Dafür wurde bereits seit 1971 Sand von Australien hertransportiert, um das Niveau des Atolls anzuheben und eine Bebauung überhaupt erst möglich zu machen. Tonga war hiermit jedoch ganz und gar nicht einverstanden, erhob selbst Anspruch auf Minerva und legte Einspruch beim Südpazifikforum ein, dem dann auch stattgegeben wurde. Die Flagge des neu gegründeten Staates wurde unter Einsatz der Streitkräfte Tongas eingeholt und der Traum von der unabhängigen Republik Minerva war ausgeträumt – zumindest offiziell.

Mit uns liegen hier noch 11 weitere Boote, die wie wir einen Zwischenstopp eingelegt haben, um auf das richtige Wetterfenster für die restlichen 800 Seemeilen nach Neuseeland zu warten. Bei passenden Bedingungen ist dies ein wunderbarer Stopp an einem wirklich ungewöhnlichen Ort irgendwo im Nirgendwo. Nach ein paar Tagen sieht das Wetterfenster gut aus und 12 Boote verlassen am Morgen des 1. Novembers bei perfektem Segelwetter Minerva mit Ziel Neuseeland.
Bei diesem Trip kann man sich darauf einstellen, dass man es mit verschiedenen Wetterbedingungen zu tun hat. Zu Anfang bewegt man sich noch in der Passatzone mit Wind aus vorherrschend Südost. Da es ratsam ist, zu Beginn eines großen Hochdruckgebietes los zu segel, gerät man zwangsläufig in das Zentrum des Hochs mit keinem Wind, so dass Motoren meistens unvermeidlich ist. Bis dahin sollte man nach West-Südwest so viel wie möglich Strecke gutgemacht haben, da auf der Rückseite des Hochs mit Wind aus westlichen Richtungen zu rechnen ist, mit denen man dann nach Neuseeland runter segeln kann – soweit die Theorie.
Wenn man schnell genug ist, lässt sich das auch in der Praxis gut umsetzen. Ist man jedoch zu langsam, kann einem das nachfolgende Tiefdruckgebiet auf den letzten paar hundert Seemeilen vor Neuseeland noch unangenehm erwischen. Bei uns ist das am letzten Tag der Fall, an dem wir viel Wind und Welle genau entgegen haben und unser Ziel nicht direkt anlaufen können, sondern kreuzen müssen. Der Spuk ist nach knapp 24 Stunden jedoch wieder vorbei.
Am nächsten Morgen zu Sonnenaufgang taucht Aotearoa, übersetzt „das Land der langen weißen Wolke“, ohne Wolken am Horizont auf. Wir werden von Delfinen begrüßt und laufen bei ruhiger See und herrlichem Wetter nach sechs Tagen in Opua ein.
Letztendlich können wir uns wirklich nicht beschweren und sind froh, die Strecke so gut und ohne Probleme hinter uns gebracht zu haben.

Kia Ora, Aotearoa – Willkommen in Neuseeland!

The Kingdom of Tonga (12.09. – 26.10.2014)

Das Königreich Tonga, das letzte Königreich Polynesiens, ist ein Inselstaat bestehend aus 176 Vulkaninseln und Atollen, von denen 36 bewohnt sind. Der Archipel erstreckt sich über knapp 500 Seemeilen von Nord nach Süd und ist in die Inselgruppen Niuas, Vava´u, Ha´apai und Tongatapu mit der Hauptstadt Nuku’alofa aufgeteilt. Zudem gehören seit 1972 die beiden unbewohnten Minerva-Riffe, ein Zwischenstopp für viele Segler auf dem Weg nach Neuseeland, ebenfalls zum Hoheitsgebiet Tongas. Von den etwa 105.000 Einwohnern leben mehr als 72.000 auf der Hauptinsel Tongatapu im Süden des Reiches.

Niuatoputapu

Nach einer Nachtfahrt erreichen wir von Samoa aus zusammen mit Ana und Leo von ATLANTIDE Niuatoputapu, einem der nördlichsten Außenposten Tongas. Außer einer Handvoll Segler kommen hier kaum Touristen vorbei. Die nicht einmal 1.000 Einwohner der drei Dörfer der Insel werden zwar etwa alle vier Wochen mit einem Versorgungsschiff aus Nuku’alofa beliefert, sind aber ansonsten weitestgehend Selbstversorger. Es gibt kein Fließendwasser und Strom wird nur durch eigene Generatoren produziert. Ein Mobil-funknetzt gibt es zwar, jedoch kein Internet.
Neben ATLANTIDE und uns liegt noch ein weiteres australisches Boot hier vor Anker und wir werden alle zusammen von Sia und Nico in ihr Haus eingeladen. Die beiden kümmern sich um die eintreffenden Segler, helfen beim Einklarieren und organisieren nach Wunsch eine kleine Inseltour, wobei dann gleich die nötigen Formalitäten für Ein- und Ausreise erledigt werden können.
Bei unserem ersten Streifzug durchs Dorf wundern wir uns ein wenig über die Bekleidung der Bewohner. Im Gegensatz farbenfrohen Samoa, sind hier fast alle schwarz gekleidet und tragen Ta’ovala‘s, die traditionellen Körpermatten, die bei besonderen Anlässen und zum Zeichen des Respekts getragen werden. Zur Erklärung erfahren wir später von Sia, dass ein Dorfbewohner kürzlich verstorben ist. Je näher die Person dem Verstorbenen stand, desto größer ist die Ta’ovala, die dann unter Umständen fast den ganzen Körper bedecken kann.

Am Sonntag werden wir von Sia und Nico zum Lunch mit traditionellem Essen und später noch zum katholischen Gottesdienst eingeladen – ein Aufenthalt mit Familienanschluss.
Im Dorf laufen uns immer wieder zahlreiche freilaufende Schweine, Hunde, Hühner und Pferde über den Weg. Selbst bei unseren Gastgebern läuft das Hausschwein unterm gedeckten Gartentisch her. Für uns ist das ein etwas ungewöhnlicher Anblick, aber wo kann es freiere, glücklichere Schweine geben? Sie werden jeweils morgens und abends gefüttert und erscheinen dann pünktlich vor der Tür ihrer Besitzer. Den Rest der Zeit streifen sie jedoch frei umher.

Wir bleiben insgesamt vier Tage in Niuatoputapu bevor wir weiter nach Süden aufbrechen. Wir haben die Gastfreundschaft der Einwohner genossen, aber viel gibt es auf dieser abgelegenen Insel nicht zu erkunden. Man fühlt sich ein bisschen in der Zeit zurückversetzt – ein Leben, zumindest teilweise, wie im vergangenen Jahrhundert.

Vava’u Gruppe

Die Vava’u Gruppe besteht aus 34 bewohnten und unbewohnten Inseln verschiedener Größe. Die Landschaft ist zumeist üppig grün, die Strände goldgelb und teilweise Palmen gesäumt und das Wasser azurblau. Aufgrund der etlichen Ankermöglichkeiten und kurzen Distanzen ist es ein wunderbares Segelrevier. Die einzige Stadt dieser Gruppe ist Neiafu. Hier gibt es Einkaufsmöglichkeiten, ein paar Bars und Restaurants und sogar eine Charterbasis von Moorings.
Vava’u ist das Touristenzentrum von Tonga und das nicht nur wegen der wunderschönen Inselwelt, sondern auch wegen der zu bestaunenden Buckelwale. Die Weibchen bringen hier im Juli ihre Kälber zur Welt und ziehen sie groß, bis sie bereit sind, im Oktober oder November ihre Reise Richtung Süden ins antarktische Meer aufzunehmen. In dieser Zeit bieten mehrere Veranstalter Schnorchel-Touren mit Buckelwalen an, die zwar sehr teuer sind, aber auch spektakulär sein sollen – auf Tuchfühlung mit den sanften Riesen der Ozeane.

Es gibt viele schöne Ecken, aber besonders angetan hat uns der Ankerplatz vor Motu Nuku, einer kleinen unbewohnten Insel mit einem Traumstrand. Teilweise liegen wir hier alleine vor Anker und haben dieses Paradies nur für uns.
In der Blauen Lagune bei Hunga Island treffen wir Elke und Werner, zwei Deutsche, die vor 28 Jahren von Zuhause losgesegelt sind und ihr Glück in Tonga gefunden und sich hier niedergelassen haben. Sie leiten den TransOcean-Stützpunkt (deutsche Seglervereinigung) in Tonga und haben immer viele Tipps und Anregungen für Segler.

Die Fahrt nach Neuseeland gilt unter Seglern als sehr anspruchsvoll – zumindest, wenn man für die ca. 1.100 Seemeilen mehr als 5-6 Tage braucht. Dies ist nämlich die Zeitspanne, die einem zur Verfügung steht, bevor nach einem Hochdruckgebiet das nächste Tiefdruckgebiet von West nach Ost durchzieht. Und ein starkes Tiefdruckgebiet sollte man in diesen Breitengraden möglichst vermeiden. Dummerweise sind die meisten Segelboote der Blauwassersegler nicht schnell genug, so dass einem das dem Hoch- folgende Tiefdruckgebiet meistens kurz vor Neuseeland noch erwischt – und das kann sehr unangenehm oder gar gefährlich werden. Wir haben von einigen Seglern gehört, die auf den letzten 200-300 Seemeilen in einen schweren Sturm geraten sind und die Boote teils schwere Schäden davongetragen haben. Da wir dies unbedingt vermeiden wollen, suchen wir fachmännischen Rat und haben uns bei dem neuseeländischen Wetterguru Bob McDavitt angemeldet, der uns dann zu gegebener Zeit mit Rat und Fachwissen zur Seite stehen soll.
Zudem haben wir uns noch bei der kostenlosen All Point Rally angemeldet, die im Oktober Seminare in Neiafu u.a. über das Wetter in dieser Region und Strategien für den Trip nach Neuseeland anbietet. Da Neuseeland strenge Einfuhrvorschrift hat, wird auch ein Seminar darüber abgehalten, was man bei der Einreise zu beachten hat. Dafür wird sogar extra jemand von den neuseeländischen Behörden nach Tonga geschickt – Neuseeland scheint wirklich an uns Segler interessiert zu sein!

Tongatapu

Unser nächster und letzter Stopp im Königreich Tonga ist die Hauptinsel Tongatapu mit der Hauptstadt Nuku’alofa. Hier wollen wir unseren Dieselvorrat auffüllen (eine Maßnahme, die fast den ganzen Tag dauert), auf ein passendes Wetterfenster warten und letztendlich ausklarieren. Wir ankern vor Pangiamotu, einer kleinen Insel etwas abseits der Hauptstadt direkt vor Big Mama’s – Restaurant, Bar und Segler-Treffpunkt.

In Nuku’alofa leben rund 24.000 Einwohner, knapp ein viertel der Einwohner Tongas. Hier gibt es ein paar nette Cafés, Restaurant, Einkaufsmöglichkeiten und natürlich den Königs-palast, aber besonders attraktiv empfinden wir die Stadt nicht.
Wie schon in Samoa treffen wir hier wieder auf die beiden traditionellen Kanus Hōkūle‘a and Hikianalia, die während unseres Aufenthaltes in Nuku’alofa einlaufen (http://www.hokulea.com/worldwide-voyage/). Ihnen wird ein Empfang mit Tanzdarbietungen bereitet, zudem gerüchteweise auch der König anwesend sein sollte – was dann jedoch leider nicht der Fall ist. Die Crew der Boote besteht hauptsächlich aus jungen Südseeinsulanern, die das traditionelle Navigieren nach den Sternen erlernen sollen. Gelobt seien die modernen Plotter, mit denen die Navigation doch so viel einfacher ist!

Nachdem alles erledigt ist und Bob McDavitt uns grünes Licht gibt, verlassen wir nach etwas mehr als sechs Wochen Tonga. Allerdings geht es von hier aus nicht direkt nach Neuseeland. Etwa 270 Seemeilen südwestlich von Nuku’alofa liegen für unseren Trip strategisch günstig die beiden unbewohnten Minerva Riffe. Hier wollen wir einen Stopp einlegen, das Wetter im Auge behalten, und dann unter möglichst günstigen Voraussetzungen die deutlich anspruchsvolleren etwas mehr als 800 Seemeilen absegeln. Dieser Stopp erhöht die Chance, die restliche Strecke innerhalb eines durchziehenden Hochdruckgebietes zurückzulegen und in Neuseeland anzukommen, bevor das nächste Tiefdruckgebiet aufzieht.

Beautiful Samoa und wie man einen Tag verlieren kann (23.08. – 11.09.2014)

Nach vier Tagen auf See erreichen wir Samoa. Wir hatten uns ausgerechnet, dass wir passend am Freitag dort eintreffen würden, um noch vor dem Wochenende einklarieren zu können, hatten aber dummerweise in unserer Kalkulation nicht berücksichtigt, dass wir unterwegs die Datumsgrenze überschreiten. So überspringen wir mal eben einen Tag in unserem Leben und erreichen Samoa erst am Samstag – dumm gelaufen. Das ist schon merkwürdig mit der Datumsgrenze. Für uns hat das Jahr 2014 somit nur 364 Tage und den 22. August hat es nie gegeben. Wir haben ihn in den Weiten des Pazifiks einfach verloren.

Wir hatten beide keine Vorstellung von diesem Inselstaat und waren sehr positiv überrascht. Samoa besteht neben den Hauptinseln Upolu, mit der Hauptstadt Apia, und Savai’i noch aus ein paar kleineren bewohnten und unbewohnten Inseln. Nach der obligatorischen Frage unserer Herkunft weißt uns ein Taxifahrer freundlich darauf hin, dass Samoa einmal deutsche Kolonie war und zeigt uns gleich eines der wenigen Kolonialhäuser aus dieser Zeit, die noch existieren.
Kurz zusammengefasst: nach langjährigen Machtkämpfen wurden im Jahr 1900 Ost- und West-Samoa geteilt und den USA und Deutschland zugesprochen. Ost-Samoa wurde amerikanisches Territorium, was später American Samoa genannt wurde und West-Samoa wurde deutsche Kolonie, Deutsch-Samoa. Zu Beginn des 1. Weltkrieges 1914 wurde Deutsch-Samoa jedoch von Neuseeland besetzt und erst 1962 als erstes fremdbeherrschtes polynesisches Land unabhängig. Die 14 Jahre deutsche Kolonialzeit scheint in Samoa jedoch nicht so negativ in Erinnerung zu sein, wie unser Taxifahrer uns versichert.

Aus der Kolonialzeit sind nicht viele Häuser übrig geblieben. Die meisten mussten modernen Gebäuden weichen. Das wohl bekannteste, noch existierende koloniale Haus ist das Vailima House, in dem Robert Louis Stevenson, der Autor von Der seltsame Fall des Dr. Jekyll und Mr. Hyde, bis zu seinem Tod gewohnt und geschrieben hat und das heute ein ihm und seinen Werken gewidmetes Museum ist.

Wir bleiben erst ein paar Tage vor Anker, wechseln aber bald in den für uns seit Panama ersten Hafen über und genießen die Vorteile, die ein guter Hafen mit sich bringt wie Strom, Wasser in Hülle und Fülle und unbeschwerter Landzugang. Nach mehr als 6.800 Seemeilen vor Anker oder auf See mal eine schöne Abwechslung.

Wir haben das Glück, genau passend zum Teuila Festival in Samoa anzukommen. Ähnlich wie das Heiva Festival in Französisch Polynesien werden auch hier traditioneller Tanz und Gesang vorgestellt und Wettbewerbe abgehalten. Die Veranstaltung findet auf einer zentralen Bühne in Apia statt. Neben dem traditionellen Programm gehören auch zahlreiche moderne Unterhaltungsshows zum Festival – zwei Wochen lang steht Samoa Kopf. Nicht nur die Hauptstadt, sondern jedes Dorf und jede Straße der Insel ist mit farbenfrohen Girlanden und Fähnchen geschmückt, wie wir bei unserer Inselrundfahrt sehen können. Die traditionellen Tänze, besonders der Fire Knife Dance, der Feuertanz, sind sehr interessant und finden ein breites Publikum, aber unser Highlight und von ganz besonderem Unterhaltungsfaktor ist sicher die Wahl zur Miss Faʻafafine Samoa.
Faʻafafine sind männlichen Geschlechts, werden aber sozial als Frau betrachtet und entscheiden sich etwa im Teenager-Alter für diesen Lebensstil. Sie sind jedoch keine Transvestiten, sondern gelten in Samoa als „drittes Geschlecht“ und werden von der Gesellschaft als dieses voll anerkannt.
Die Show ist wunderbar inszeniert und die Vorstellung der Anwärterinnen bunt, teilweise recht schrill, einfallsreich und exzentrisch. Anders als bei typischen Misswahlen wird hier weniger auf eine perfekte Figur, sondern mehr auf Kostümierung und die generelle Darstellung Wert gelegt. So verfügt die Miss Faʻafafine Samoa 2014 über eine außerordentliche Körperfülle und wirklich ausladende Dimensionen.

Um Upolu genauer zu erkunden, haben wir uns einen Mietwagen genommen und sind zusammen mit Ana und Leo von ATLANTIDE kreuz und quer über die Insel gefahren. Die Landschaft ist sehr grün und bergig. Auf unserem Weg kommen wir an einigen Wasserfällen vorbei und an der Südküste befinden sich schöne, lange Sandstrände. Aber wirklich beeindruckend sind die wunderschönen, gepflegten Gärten der Samoaner, die scheinbar deutlich mehr Wert auf ihre grüne Umgebung legen, als auf ihre Häuser. Die Gärten können durchaus mit der Bundesgartenshow konkurrieren – nur halt exotischer. Die Häuser, Fales genannt, sind jedoch sehr traditionell und einfach gehalten. Sie sind zumeist an den Seiten komplett offen und bieten somit Einblick in das häusliche Leben mit wenig Privatsphäre. Die Planen, die seitlich heruntergelassen werden können, dienen mehr dem Schutz vor Regen, als vor neugierigen Blicken – eine für uns eher ungewöhnliche Lebensweise.

Die Menschen in der Südsee haben wir generell als sehr freundlich, hilfsbereit und aufgeschlossen kennengelernt, aber die Samoaner übertreffen den bisherigen Eindruck noch einmal um Längen. Sie wirken lebensfroh und zufrieden, was sich in der geschmackvollen, farbenfrohen Kleidung und den sympathisch-freundlichen Gesichtern wiederspiegelt.
Wo wird einem schon zugewinkt, wenn man mit dem Auto vorbeifährt? Wir kamen uns schon vor wie die Queen persönlich. Oder wo wird man schon von Fremden auf der Straße immer wieder freundlich gegrüßt? Wo wird einem eine „Gute Nacht“ gewünscht, wenn man nach einer Veranstaltung auf dem Heimweg ist? In Deutschland passiert das sicher nicht.

Die Zeit in Samoa haben wir sehr genossen, zumal wir beide keine Vorstellung von diesem Inselstaat hatten und durchweg nur positive Erfahrungen mit Land und Leuten gemacht haben.
Beautiful Samoa – ja, diesen überall zu lesenden Slogan können wir voll und ganz unterstreichen.

Suwarrow – „An Island to Oneself“ – (14.08. – 18.08.2014)

Etwa 700 Seemeilen und 6 Tage, nachdem wir von Bora Bora abgelegt haben, erreichen wir DAS Südseeparadies schlechthin. Alle Vorstellungen, die man hat, wenn man die Worte „Südsee“, „Lagune“ und „unbewohnte Insel“ hört, werden hier wahr.
Suwarrow ist ein unbewohntes Atoll der nördlichen Cook Inseln und der einzige Nationalpark dieses Inselstaates. Abgesehen vom Parkranger Harry und seiner Frau, die hier von Juni bis November zu den Öffnungszeiten des Nationalparks leben, wird das Atoll nur von Vögeln, Kokoskrebsen, Einsiedlerkrebsen und Meeresgetier bewohnt. Menschen, bis auf wenige Ausnahmen, haben sich hier nie angesiedelt. Das Atoll ist etwa 13 km breit und 15 km lang und umfasst mehr als 20, meist kleine, Motus (Inseln).
Wir ankern vor Anchorage Island, dem einzigen Moto, das man im Nationalpark betreten darf, in klarem, leuchtendem Wasser. Der Blick auf die hauptsächlich mit Palmen bewachsene Insel und den weißen Sandstrand ist wunderschön. Mit uns liegen nur noch drei weitere Boote hier.
Kaum ist der Anker gefallen, bekommen wir Besuch von zwei Riffhaien. Die Tiere schwimmen von jetzt an regelmäßig um unser Boot. Meist sind es nur zwei oder drei, einmal konnte ich jedoch 12 Haie um uns herum zählen – ein etwas komisches Gefühl.
Harry, nicht nur Parkranger, sondern auch Zoll, Quarantäne-, Einwanderungs- und Gesundheitsbehörde in einer Person, kommt zu uns an Bord und wir erledigen die Einreiseformalitäten. Er warnt uns davor, Lebensmittel ins Wasser zu werfen, da diese nicht nur die ungefährlichen Riffhaie, sondern auch deren große Brüder in die Lagune locken würden. Daher ist auch Speerfischen absolut verboten und geangelte Fische dürfen nur auf der zum Außenriff zugewandten Seite der Insel ausgenommen werden. Für uns ist letzteres irrelevant, da wir auch nach über 20.000 Seemeilen immer noch nicht mit dem Angeln angefangen haben.
Anchorage Island ist mit einer Breite von 270 m und einer Länge von 800 m das größte Motu und die Hauptinsel des Atolls. Die meiste Fläche der maximal 3 m hohen Insel ist dicht bewachsen. Wir landen am schönen Strand der Lagunenseite an, gehen die paar Meter zur Unterkunft des Parkrangers und stoßen als erstes auf eine Gedenktafel von Tom Neale (1902 – 1977), einem Neuseeländer, der hier viele Jahre alleine gelebt hat. Sein ehemaliges Haus in der Mitte der Insel beherbergt jetzt die Parkranger, solange sie in der Hurrikan freien Zeit hier leben. Von dort aus ist es durch den Garten nur noch ein Katzensprung zur anderen Seite der Insel mit Blick auf das Außenriff – also insgesamt recht überschaubar.

Tom Neale ist 1902 in Neuseeland geboren und hat viele Jahre auf verschiedenen Inseln in der Südsee gelebt, bevor er 1952 seinen Traum vom Leben auf einer einsamen Südseeinsel verwirklichen konnte und im Alter von 50 Jahren nach Suwarrow übersiedelte. Er fand dort die Behausung und ein paar einfache Möbel vor, die die neuseeländischen Küstenwachleute dort nach dem Krieg zurückgelassen hatten. Zwei Neuseeländer und drei Insulaner waren dort stationiert gewesen, um in Kriegsjahren Ausschau nach Flugzeugen und Schiffen zu halten und diese dann per Funk zu melden. Als Tom Neale dort eintraf, war Suwarrow jedoch schon seit vielen Jahren verlassen. Er hat dort in einem Zeitraum von 25 Jahren drei Mal für insgesamt 15 Jahre alleine gelebt. Die nächste besiedelte Insel ist Manihiki und 320 km entfernt, Rarotonga liegt 820 km weiter südlich. Suwarrow lag und liegt auf keiner Schifffahrtsroute und nur selten und unregelmäßig sind dort Boote oder Segler hingekommen. Er hat also häufig Monate lang keinen Menschen gesehen, musste sich komplett selbst versorgen und hatte somit auch praktisch keine ärztliche Hilfe. Ich lese momentan sein Buch „An Island to Oneself“, das seine beiden ersten Aufenthalte (1952-1954 und 1960-1963, 3. Aufenthalt 1967-1977) in Suwarrow beschreibt und kann mir erst jetzt langsam vorstellen, was für eine unglaubliche physische und vor allem psychische Leistung er vollbracht hat. Für ihn hat sich ein Lebenstraum erfüllt. Für die meisten anderen Menschen würde sich so ein isoliertes Leben wohl sehr schnell zu einem Albtraum entwickeln.
Als ihn Rollo Gebhard, der Tom Neale dort bei seiner Weltumsegelung 1968 besuchte, fragte, ob er dieses Leben noch einmal wählen würde, antwortete er, dass er diese Entbehrungen wohl nicht noch einmal auf sich nehmen würde, obwohl er seine Entscheidung für dieses Leben in Suwarrow nie bereut habe. 1977 wurde er schwerkrank nach Rarotonga gebracht und verstarb dort im Krankenhaus im Alter von 75 Jahren an Magenkrebs.

Wir verbringen eine wunderbare, entspannte Zeit in Suwarrow. Wir genießen das Schnorcheln mit Mantas an einer ihrer Putzerstationen, die netten Gespräche mit den anderen Seglern und die Pot Lucks mit gegrilltem Fisch aus der Lagune und anderen Leckereien am Strand.
Einzig die kürzlich bei einem Unwetter gestrandete Yacht, die wie ein Mahnmal aufrecht hinter uns auf dem Riff steht, trübt die Stimmung und erinnert einen daran, was alles passieren und wie schnell diese wunderschöne Reise auch vorbei sein kann. Dieser Anblick ist für alle Fahrtensegler ein Albtraum – das schwimmende Zuhause ohne Chance auf Reparatur und Rettung auf dem Riff zurücklassen zu müssen.
Das Unglück geschieht eines Nachts, etwas 10 Tage bevor wir in Suwarrow ankommen, als bei einem Unwetter mit viel Regen und bis zu 40 Knoten Wind die Ankerkette reißt. Die Yacht wird, nach vergeblichen Versuchen des Skippers, das Boot zu retten, auf das Riff getrieben. Das Ehepaar muss bis zum Morgengrauen im Boot ausharren, da eine Bergung unter den Bedingungen im Dunkeln nicht möglich ist. Obwohl keine Lebensgefahr besteht, da AMIABLE relativ fest auf den Korallen steht, waren das sicher die schlimmsten Stunden im Leben der beiden Australier. Zum Glück ist der Crew nichts passiert und viele Habseligkeiten können in den folgenden Tagen geborgen werden.
Wir erleben Suwarrow zu besten Wetterbedingungen und sind begeistert von diesem Paradies mitten im Pazifik. Wie unterschiedlich können Eindrücke sein, wenn man zur falschen Zeit am falschen Ort ist und wie schnell wird aus dem Lebenstraum ein Albtraum.
Nach vier wunderbaren Tagen müssen wir leider schon wieder Abschied nehmen, da sich das Wetter ändert und steuern unser nächstes Ziel Samoa an.

Die Gesellschaftsinseln: Tahiti, Bora Bora und Co. (04.06. – 08.08.2014)

Die dritte und letzte Region in Französisch Polynesien, die wir bereisen, sind die Gesellschaftsinseln – benannt nach der Anordnung der Inseln zu einer „Gesellschaft“. Die Inselgruppe wurde etwa 200 v. Chr. von Samoa und Tonga aus besiedelt. Als erster Europäer entdeckte Samuel Wallis die Inselgruppe und betrat im Juni 1767 Tahiti.
Befinden sich die Marquesas geologisch gesehen noch im Anfangsstadium ihrer Entwicklung und haben die Tuamotus bereits ihr Endstadium erreicht, so liegen die Gesellschaftsinseln entwicklungstechnisch mittendrin. Die Inseln sind vulkanischen Ursprungs und werden von einem, manchmal noch nicht vollständig entwickelten, Saumriff umgeben. Die Lagune, durch das Riff geschützt, bietet meistens herrliche Ankermöglichkeiten.
Auf den Gesellschaftsinseln und besonders in Pape’ete auf Tahiti lebt der Großteil der Bevölkerung Französisch Polynesiens.

Maeva! Willkommen in Tahiti!
Nach einer Nachtfahrt kommen wir im Dunklen in Tahiti an und gehen, wie schon James Cook 245 Jahre vor uns, in der Matavai Bucht am Point Venus vor Anker.
Die größte Insel der Gesellschaftsinseln besteht aus zwei erloschenen Vulkanen, die die Inselteile Tahiti Iti (Mont Ronui: 1.332m) und Tahiti Nui (Mont Orohena: 2.241m) ausgebildet haben. Besiedelt ist hauptsächlich der schmale Küstenstreifen. Das schroffe, steile und von Regenwald überzogene Inselinnere ist weitgehend unbewohnt.

Wir verlegen uns an eine Mooring-Boje vor der Taina Marina. Unser erster Landgang führt uns entlang einer vierspurigen, lärmenden Fernverkehrsstraße zum Supermarkt und ist ein regelrechter Zivilisationsschock nach so viel Ruhe und Beschaulichkeit in den vergangenen Monaten. Hatte ich gedacht, das Paradies auf den Tuamotus gefunden zu haben, so muss ich meine Meinung dringend korrigieren, nachdem ich die Auslage im Carrefour gesehen habe: nach 3,5 Monaten das erste Mal wieder ein ernstzunehmender Supermarkt mit allem was das Herz begehrt. Wir sind nahezu ohnmächtig vor Glück – wie sich doch die Sichtweisen verändern können! Die Obst- und Gemüseauswahl ist großartig und Olaf bekommt nach Monaten auch mal wieder frischen Brokkoli in die Finger. Wer will denn auch schon fantastische Strände, Palmen und wunderschöne Atolle, wenn sich einem dieser Anblick bietet!
Da dies vermutlich der letzte große Supermarkt bis Neuseeland sein wird, stocken wir hier unseren Proviant für die nächsten Monate wieder auf. Die Produkte sind zwar weitgehend französisch, die Preise aber leider nicht. Das Preisniveau generell, aber besonders für Bier und Wein, ist sehr hoch. Haben wir in Panama für eine Dose Bier noch umgerechnet 0,60 € bezahlt, so kostet diese hier rund 1,90 €. Die Grundnahrungsmittel werden subventioniert und sind erschwinglich, bei anderen Lebensmitteln muss man sich halt fragen, ob man sie wirklich benötigt oder auch durchaus darauf verzichten könnte.
Pape’ete, Verwaltungssitz und größter Ort Französisch Polynesiens ist mit rund 26.000 Einwohnern recht überschaubar. Zwar gibt es hier etliche Einkaufsmöglichkeiten, aber interessant oder schön ist der Ort nicht.

Wir würden gerne weiter zur Nachbarinsel Moorea segeln, müssen aber leider länger in Tahiti bleiben, als geplant, da wir noch ein Paket aus Portugal erwarten. Der Laderegler von unserem Windgenerator muss ersetzt werden. Die Lieferzeit bis Tahiti dauert nur 5 Tage, aber TNT benötigt noch einmal weitere 9 Tage, um die Zollabfertigung zu regeln – 9 Tage mit täglichen E-Mails und Anrufen unsererseits und leeren Versprechungen seitens TNT. Irgendwie klappt es dann doch noch und wir halten das ersehnte Paket in den Händen. Unserer Abfahrt nach Moorea steht jetzt nichts mehr im Weg.

Moorea – die kleine Schwester
Die kleine Schwesterinsel liegt in Sichtweite von Tahiti und ist nur 17 km entfernt. Die Ansicht der schroff und steil aufragenden Nordküste mit ihren zwei tief einschneidenden Buchten ist spektakulär. Die östliche Bucht ist die bekannte Cook’s Bay. Obwohl die Bucht nach ihm benannt wurde, ankerte James Cook jedoch 1777 nicht dort, sonder in der benachbarten Baye d’Opunohu, wo auch wir an der Nord-West-Seite unseren Anker werfen.
Ganz in der Nähe befindet sich ein fantastischer Schnorchel-Spot: der „Streichelzoo“ von Moorea. Angelockt durch von Touristen mitgebrachte Sardinen finden sich hier täglich etliche Stachelrochen auf der Suche nach einem Leckerbissen ein. Das Motorengeräusch unseres Dinghis reicht schon, um den hungrigen Rochen mitzuteilen, dass sie hier einen Snack erwarten können und bald wimmelt es nur so von den Tieren. Und wo es was zu fressen gibt, sind auch Haie nicht weit. Etwa genauso viele Schwarzspitzenriffhaie schauen vorbei, in der Hoffnung, dass auch sie nicht zu kurz kommen werden. Die an Menschen gewöhnten Stachelrochen sind extrem zutraulich und schwimmen einem im brusttiefen Wasser regelrecht in die Arme, um sich ihre Sardinen abzuholen. Die Haie sind deutlich scheuer und halten etwas mehr Abstand, kommen aber auch ungewöhnlich nahe. Ein wirklich wunderbares, einmaliges Erlebnis, mit diesen Tieren auf Tuchfühlung zu gehen!

Nach ein paar Tagen verlegen wir uns auf die Nord-Ostseite der Bucht. Von hier aus hat man zum einen eine fantastische Sicht auf die steil aufragenden Berge und man liegt zum anderen in Dinghi-Reichweite zur Cook’s Bay. Wir fahren hinüber in die andere Bucht und lassen uns von der wunderschönen Kulisse beeindrucken.
Nach einer herrlich entspannten Zeit in Moorea segeln wir über Nacht zur nächsten Insel: nach Huahine.

Huahine – die Wilde
Das Atoll ist nicht so dicht bewohnt, wenig touristisch und wirkt ein wenig verschlafen, aber die Insel ist landschaftlich reizvoll und üppig grün bewachsen. Sie wird zu Unrecht von Seglern häufig ausgelassen. Wir ankern im Süd-Westen in der flachen Lagune und liegen geschützt hinter dem Riff.
Mit Ana und Leo von ATLANTIDE nehmen wir uns einen Mietwagen, um die Insel zu erkunden. Das Straßennetz ist sehr überschaubar und wir brauchen nicht lange, um jede Straße entlang der Küste und quer über die Berge durch den Regenwald einmal abzufahren. Wir besuchen zwei Marae – historische, polynesische Zeremonienstätten – und nicht zu vergessen die heiligen Aale mit den blauen Augen. Nach ein paar Tagen geht es weiter zu den Schwesterninseln Raiatea und Tahaa.

Tahaa – die Vanilleinsel und Raiatea – die Heilige
Die beiden Inseln sind nur durch einen 3 km langen Sund getrennt und teilen sich ein Saumriff. Wir laufen als erstes Tahaa an und liegen im Süden der Insel an einer Mooring, die zu der CHAMPON Perlenfarm gehört. Ana und Leo haben bei der Überfahrt von Huahine hierher einen großen Wahoo gefangen und so gibt es am Abend frischen Fisch auf ATLANTIDE.

Am nächsten Tag besuchen wir die Perlenfarm, auf der Paula, eine Bekannte von Ana und Leo aus Spanien, bei ihrem Freund und seiner Mutter arbeitet. Wir bekommen eine Führung und uns wird anschaulich erklärt und gezeigt, wie die schwarzen Perlen der Südsee gezüchtet werden: die 4 Monate alten Austern werden von den Tuamotus hergebracht und in kleine Taschen in 7 – 12 m Tiefe zur Aufzucht gehängt. Nach 2 Jahren werden die Austern leicht geöffnet und ihnen wird ein Nucleus, eine kleine Kugel, hergestellt aus einer speziellen Muschel aus dem Mississippi, implantiert. Die Auster überzieht diese Kugel mit Perlmutt. Nach weiteren 2 Jahren kann die Perle dann „geerntet“ werden. Hat die Auster eine Perle guter Qualität geliefert, wird ihr ein weiterer, diesmal größerer Nucleus implantiert, um nach wiederum 2 Jahren eine entsprechend größere Perle zu erhalten. Dieser Vorgang kann mehrfach wiederholt werden. Die Austern haben eine Lebensdauer von etwa 30 Jahren.
Im Ausstellungsraum wird uns dann das Endprodukt präsentiert. Eine Perle von A-Qualität und 12 mm Durchmesser kann dann schon mal rund 3.500 € kosten. Das teuerste Schmuckstück, das wir erwerben können, ist eine lange Perlenkette im Wert von 23.000 €. Wir entscheiden uns dann doch lieber nur für ein paar Perlen geringerer Qualität und kleinerem Durchmesser, die aber immer noch teuer genug sind.

Der Juli steht in Französisch Polynesien im Zeichen der HEIVA, eines Wettbewerbs traditioneller polynesischer Tänze, der auf allen Inseln ausgetragen wird. Paula nimmt mit ihrer Tanzgruppe als, wie es aussieht einzige Nicht-Polynesierin, ebenfalls daran teil. Das wollen wir uns nicht entgehen lassen und so fahren wir eines Abends nach Patio im Norden der Insel, um diesem Event beizuwohnen. Das Ganze ist eine teils liebliche, teils sehr archaische Angelegenheit mit vielen Trommeln, tollen Kostümen und Gesang.

Ein wunderschöner Ankerplatz befindet sich im Nord-Westen von Tahaa vorm Luxushotel „Le Taha’a“. Zwischen der Privatinsel vom Hotel und einem unbewohntem Motu liegt ein schmaler Pass, durch den man sich bei Flut treiben lassen kann. Man schwebt förmlich durch das flache Wasser über die Korallen hinweg und kann währenddessen die zahlreichen Rifffische bewundern – ein schönes Fleckchen Erde, an dem man gerne ein paar Tage verweilen kann.

Von der WM 2014 in Brasilien haben wir, abgesehen von den Ergebnissen, nicht viel mitbekommen. Es gibt nicht so viele Bars mit Fernsehern und durch die Zeitverschiebung hätten wir uns manche Spiele um 6 Uhr morgens anschauen müssen. Aber wenn Deutschland schon mal im Finale ist, dann wollten wir uns wenigstens das Endspiel nicht entgehen lassen. Also haben wir uns in Raiatea eine Bar gesucht, beim Frühstück das Spiel verfolgt und – siehe da – wir wurden nicht enttäuscht.

Bora Bora – die Perle der Südsee
Bora Bora gilt als einer der exklusivsten und luxuriösesten Urlaubsorte in der oberen Preisklasse und gehört zu den teuersten Reisezielen der Welt.“ (Quelle: Wikipedia)
Wir sind sehr gespannt auf Bora Bora. Der Name spricht ja für sich und wir haben natürlich gewisse Vorstellungen von der Perle der Südsee. Wir verbringen ein paar Tage an einer Mooring vom Bora Bora Yacht Club und vor der Mai Kai Marina. Von hier aus ist es nicht weit bis zum Hauptort Vaiape. Dem Klischee dieser Luxusinsel zum Trotz ist der Ort eher ernüchternd. Ich habe hier schicke Restaurants und Boutiquen erwartet, aber außer etlichen Juwelieren mit exklusivem Perlenschmuck gibt es hier nichts Besonderes. Alles wirkt ein wenig heruntergekommen und vernachlässigt. Die meisten Touristen verbleiben anscheinend in ihren Luxusresorts, so dass sich wohl ein Herausputzen des Ortes nicht weiter lohnt.

Da die Ankermöglichkeiten im Osten und Südosten der Lagune deutlich schöner sind, brechen wir bald dorthin auf und genießen einige herrliche Tage in dem fantastischen, in verschiedenen Blautönen leuchtenden Wasser und mit wunderschönem Blick auf den höchsten Berg von Bora Bora – das ist Postkartenidylle pur.
Auf den Motus im Osten des Atolls befinden sich die meisten Hotelanlagen mit ihren typischen Wasserbungalows. Viele der großen, exklusiven Hotelketten sind in Bora Bora vertreten, teilweise sogar mehrfach, und entsprechend hoch ist auch das Preisniveau der Unterkünfte. Wir haben unseren schwimmenden „Wasserbungalow“ zum Glück immer dabei und können das traumhafte Lagunenleben auch ohne horrende Preise zu zahlen in vollen Zügen genießen – Schwimmen, Schnorcheln, Strandspaziergänge, Treffen mit anderen Seglern im Cockpit zum gemeinsamen Sundowner oder Abendessen – ja, das Leben könnte durchaus schlimmer sein.

Ein Highlight ist für uns das Schnorcheln mit den Manta-Rochen, die hier täglich zum Frühstücken an einem bestimmten Spot auftauchen. Wir sehen sechs Mantas, die hintereinander herschwimmend mit weit aufgerissenem Maul ihre Kreise ziehen. Die Sicht ist durch das Plankton leider etwas eingeschränkt, aber teilweise „fliegen“ die majestätischen, großen Tiere so nah unter uns her, dass wir sie trotzdem gut beobachten und ihnen tief in den geöffneten Schlund schauen können – ein wundervolles Erlebnis.

Wieder zurück auf der anderen Seite des Atolls angekommen, suchen wir uns einen Ankerplatz ganz im Südwesten. Wir liegen in klarem, türkisgrünem Wasser und haben auf der einen Seite das Hilton Hotel mit seinen Wasserbungalows, überragt von der Bergkulisse der Hauptinsel, und auf der anderen Seite das Außenriff und die offene See in. Um uns herum ziehen immer wieder Stachel- und Adlerrochen ums Boot – für uns ist dies einer der schönsten und ruhigsten Ankerplätze auf Bora Bora.
Nicht weit von dort entfernt befindet sich ein schöner Schnorchel-Spot. Sobald man ins Wasser springt kommen gleich etliche bunte Rifffische angeschwommen. Die Tiere sind es gewohnt, hier von den Schnorchlern gefüttert zu werden. Auch wir haben Brot dabei und verschwinden beim schnorcheln bald hinter einer Wand von Fischen, die sich, in Erwartung eines kleinen Snacks, gierig auf unsere Hände stürzen.

Für uns wird es jetzt langsam Zeit, weiterzuziehen, aber leider spielt das Wetter nicht mit. Wir haben entweder zu viel oder zu wenig Wind, so dass wir es vorziehen, hier noch ein wenig auf ein gutes Wetterfenster zu warten. Bora Bora ist dafür ja nicht der schlechteste Platz. Unser nächstes Ziel wird Suwarrow sein, ein unbewohntes Atoll in den Cook Islands. Ana und Leo von ATLANTIDE sind uns bereits voraus gefahren und wir hoffen, sie dort oder spätestens beim nächsten Ziel wiederzutreffen.

Ein kulinarisches Highlight erleben wir im Restaurant in der Mai Kai Marina. Die Küche ist hervorragend und wir essen das beste Filet Mignon seit…ja, keine Ahnung seit wann. In Bonaire waren wir im letzten wirklich guten Restaurant. Danach war für uns die Dichte an guten Restaurants eher gering, so dass wir uns diesen Genuss zum Abschied gleich noch ein zweites Mal gönnen und damit Bora Bora, den Gesellschaftsinseln und Französisch Polynesien Lebewohl sagen.

Wie auch schon in der Karibik sind die meisten stärker bewohnten Inseln von der Seeseite aus am schönsten. Geht man an Land, stellt man häufig ernüchternd fest, dass das Flair der Südsee ein wenig verblasst – zumindest uns ist es des Öfteren so ergangen. Das soll jedoch nicht zu negativ klingen. Uns hat es hier gut gefallen und wir haben die Zeit in Französisch Polynesien sehr genossen.

Der Tuamotus Archipel: „Ah-toll-e!“ (11.05. – 02.06.2014)

Die weltgrößte Gruppe von Korallenatollen umfasst 78 Atolle und erstreckt sich über eine Fläche von 2 Millionen km², eine Fläche größer als Westeuropa. Die Landgröße zusammen entspricht allerdings nur der Größe des Stadtgebietes von Berlin, etwa 850 km². Fast alle Atolle der Tuamotus erheben sich nur zwischen einem bis sechs Metern über dem Meeresspiegel.

Atolle entstehen normalerweise aus Saumriffen um vulkanische Inseln, die im Laufe der Zeit durch Erosion abgetragen werden bzw. durch Senkung des Meeresbodens oder ein Anstieg des Meeresspiegels im Meer  versinken. Übrig bleiben die weiter wachsenden, meist ringförmigen Riffe und schmalen Inseln, Motus genannt, die eine Lagune umschließen.

Die Atolle haben normalerweise eine oder mehrere Riffeinfahrten, durch die man in die Lagune reinfahren kann. Allerdings sind diese starken Strömungen bis 9 Knoten und möglicherweise unangenehmen Wellen ausgesetzt, die durch Tiden, Wind und Schwell entstehen können, so dass man beim Passieren der Pässe diese Faktoren dringend berücksichtigen sollte. Am besten befährt man die Pässe bei „Slack“, Stauwasser, so dass die Strömung gar nicht oder nur gering vorhanden ist. Das setzt allerdings genaue Tidentabellen voraus, die wir leider nicht auftreiben können. So müssen wir verschiedene Tabellen zusammenwürfeln und den richtigen Zeitpunkt Pi mal Daumen abschätzen. Jedoch haben wir uns Atolle mit breiten, geraden Einfahrten ausgesucht, so dass das Wasser zwar wie im Whirlpool um das Boot herum tost und wir auch eine mehr oder weniger starke Strömung verspüren, das Passieren aber weiter kein Problem ist.

Als erstes laufen wir nach 5 Tagen Überfahrt Kauehi an, ein kleines Atoll mit etwa 500 Einwohnern und einem verschlafenen Dorf. Der Ankerplatz ist wunderschön: von Palmen gesäumte Strände und herrliches Wasser in den verschiedensten Blautönen, das zum Schwimmen und Schnorcheln einlädt – Südsee pur.
Wir liegen hier mit einer Handvoll Segelboote vor Anker, die wir teilweise schon zuvor getroffen haben. Alle zusammen besichtigen wir die nahegelegene Perlenfarm inklusive Schnorchel-Trip zu den Austernbänken und gemeinsamen Lunch. Inbegriffen ist auch ein Abstecher zum Flughafen, wo einmal in der Woche eine kleine Maschine aus Tahiti landet und der eigentlich nur aus einer asphaltierten Landebahn und einer Hütte besteht, aber anscheinend der Stolz der „Kauehianer“ ist.
Zum Abschluss werden uns die schwarzen Perlen der Südsee präsentiert, wobei die Frauen glänzende Augen bekommen und sich bei den Männer eher verhaltene Unruhe bis hin zu leichter Panik breit macht. Die Preise der hochwertigen Perlen könnten doch die Bordkasse deutlich beeinträchtigen.

Nach ein paar Tagen machen wir uns auf nach Fakarava, dem zweitgrößten Atoll des Archipels. Die Lagune hat eine Fläche von 1.153 km², wohingegen die Landfläche nur 16 km² beträgt. Der Hauptort ist zwar deutlich größer als in Kauehi und verfügt immerhin über zwei Lebensmittelläden, ist aber nicht wirklich interessant. Jedoch sollen hier wunderschöne Ankerplätze vor den Motus im Osten und Südosten des Atolls sein – wir werden nicht enttäuscht! An manchen Plätzen liegen wir teilweise alleine und können das Robinson-Crusoe-Feeling in vollen Zügen genießen: „Antares“ im Paradies – einfach traumhaft!
Ein Highlight in Fakarava ist das Strömungstauchen im Südpass. Hier wird man mit Highspeed durch den Pass gespült und kann dabei unzählige Rifffische und Haie beobachten, die sich im frischen, nährstoffreichen Wasser tummeln.  Unsere beiden Versuche, diesem Erlebnis beizuwohnen, schlagen leider aufgrund der starken Strömung und unseres zu kleinen Dinghi-Motors fehl. Beim ersten Mal hat der Ebbstrom, also das ablaufende Wasser, bereits eingesetzt und wir sehen uns schon mit dem Dinghi auf dem Weg nach Tahiti, falls unser Motor uns nicht wieder in die Lagune zurück bringen kann. Beim zweiten Mal kommen wir gegen die reinlaufende Strömung auch nicht so gut an und geben etwas enttäuscht auf. Trotz alledem müssen wir auf die Haie nicht ganz verzichten, da bereits beim Ankermanöver zwei bis drei Schwarzspitzenriffhaie auf einen Leckerbissen wartend um unser Boot herumschwimmen und uns auch später immer wieder besuchen.

Als nächstes geht es nach Toau. Dort fahren wir aber diesmal nicht in die Lagune hinein, sondern liegen in Anse Amyot in einem Blindpass an einer Mooring. Hier leben Valentine und Gaston mit einer Handvoll Familienmitglieder ziemlich abgeschieden. Die beiden betreiben ein „Restaurant“ und eine kleine Fischfarm. Es gibt keine Läden und was die Familie braucht, wird bestellt und meist einmal im Monat mit dem Versorgungsschiff geliefert. Das nimmt dann auch gleich den zum Verkauf bestimmten frischen Fisch von der Farm mit nach Papeete. Es gibt Radio und Fernsehen über Satellit und sogar eine Telefonzelle, nur leider funktioniert letztere schon seit Jahren nicht mehr. Die Kommunikation findet über Funk statt – oder über die Satellitentelefone der vorbeikommenden Segler.
An einem Abend besuchen wir mit Ana und Leo und einer Familie mit zwei Kindern aus London Valentine’s „Restaurant“. Wir sitzen alle zusammen mit den Gastgebern und zwei ihrer Freunden zum gemeinsamen Essen an einem großen Tisch – polynesische Küche mit Familienanschluss. Nachmittags haben wir Gaston noch beim Fischen mit dem Speer zugeschaut und abends liegt der Fisch dann lecker zubereitet auf dem Tisch – frischer geht’s nicht.
Eigentlich wollten wir noch nach Apataki segeln. Da aber der Wind ein paar Tage recht stark von Südost bläst und das Passieren der Einfahrt möglicherweise unangenehm werden könnte, beschließen wir, in Toau zu bleiben und mit dem nächsten Wetterfenster die Tuamotus Richtung Tahiti zu verlassen.

Die Tuamotus sind wunderschön, nahezu paradiesisch, aber nach knapp vier Wochen ist es doch an der Zeit, weiterzuziehen. Wir freuen uns auf Tahiti, auf den Carrefour, um einmal wieder richtig einkaufen gehen zu können, auf eine Bar oder ein nettes Restaurant – einfach auf ein bisschen mehr Trubel und die Vorteile der Konsumgesellschaft. Es wird herrlich sein, mal wieder ein vernünftiges Internet zu haben und mit Familie und Freunden skypen zu können.
Man kann halt nicht alles gleichzeitig haben, wäre aber manchmal schön: traumhafte und einsame Ankerplätze in einer paradiesischen Gegend, kombiniert mit den Vorteilen der modernen Zivilisation und Technik. Es gibt für alles die richtige Zeit und die Zeit der Abgeschiedenheit ist jetzt erst einmal für die nächsten Wochen vorbei. Mal schauen, was die Gesellschaftsinseln für Eindrücke mit sich bringen.

Die Marquesas oder auf polynesisch Te Fenua Enata – Die Erde der Männer (14.04. – 07.05.2014)

Einige Inseln der Marquesas haben das Wort „Hiva“ in ihrem Namen, was ein Synonym für den Garten Eden ist. Und genau so kommen uns diese Inseln nach der langen Seefahrt auch vor. Die Vulkaninseln sind bis zu 1.232 m hoch (auf Ua Pou), schroff und zerklüftet, aber auch üppig grün und dicht bewachsen – ein Traum in Grün nach dem vielen Blau um uns herum. Kein Wunder, dass es Paul Gauguin hier so gut gefiel.
Die polynesische Besiedlung der Marquesas erfolgte ab etwa 300 n. Chr. vermutlich von Samoa und Tonga aus. Von den Europäern wurde die Inselgruppe 1595 von den Spaniern entdeckt, die ihr ihren heutigen Namen gaben. Sie wurde benannt nach dem damaligen Vizekönig von Peru: „Las Islas Marquesas Don García Hurtado de Mendoza y Canete“, kurz Marquesas.
Aufgrund der ungenauen Positionsangaben und des mangelnden Interesses der Spanier, gerieten die Inseln bald in Vergessenheit. Erst fast zweihundert Jahre später wurden sie von James Cook wiederentdeckt.
Die Inselgruppe gehört zu Französisch Polynesien und besteht aus 13 bewohnten Inseln, von denen wir vier besucht haben. Sandstrände gibt es hier nur wenige und die Ankerbuchten sind meist recht ungeschützt und Schwell ausgesetzt, da ein schützendes Saumriff fehlt. Obwohl hier jedes Jahr ein ganzer Schwung Segler vorbei kommt, sind Einrichtungen für diese quasi nicht vorhanden. Marinas gibt es keine und das Anlegen mit dem Dingi am Betonsteg ist bei dem heftigen Schwell jedes Mal ein Abenteuer und manchmal einfach nicht möglich. Aber die Freundlichkeit und Offenheit der Polynesier und die Schönheit der Inseln stellen diese Unwägbarkeiten in den Hintergrund und lassen unseren Aufenthalt zu einem wunderbaren Erlebnis werden.
Die erste Insel die wir besuchen ist Hiva Oa. Das Einklarieren bei den französischen Behörden ist schnell und unkompliziert gemacht und als ich Olaf frage, wie lange wir in Französisch Polynesien bleiben dürfen, antwortet er: „Für immer!“ Na, das fängt doch schon mal gut an.
Um einen besseren Eindruck zu bekommen, buchen wir eine geführte Tour über die Insel. Frida, unser Guide, fährt uns quer über die Insel zur Nordseite. Wir arbeiten uns die Berge hoch und wieder runter, es geht über gut ausgebaute Straßen und endlose Schotterpisten zu einem abgelegenen Ort, wo wir ein leckeres marquesisches Essen erhalten und eine alte Tiki-Stätte, eine Zeremonienstätte der polynesischen Ureinwohner, besuchen.
Das Betanken von „Antares“ ist leider ein weniger schönes Erlebnis. Da gerade der erste Teil unserer Pazifik- Passage nicht mit genügend Wind gesegnet war und wir viel unter Motor fahren mussten, müssen wir dringend Diesel tanken. Der Betonpier ist leider nur für das Versorgungsschiff und nicht für Segelboote unserer Größe ausgelegt. So müssen wir unseren Dieselvorrat mit 20l-Kanister auffüllen und fahren gemeinsam mit „MeriTuuli“ mit unseren Dingis mehrere Male zwischen der zum Glück in derselben Bucht liegenden Tankstelle und unseren Booten hin und her. Bei über 30°C und heftigem Schwell ist das kein Vergnügen und kann schon mal mehrere Stunden in Anspruch nehmen.
Unser nächstes Ziel ist Fatu Hiva, ganz im Süden des Archipels – eine Insel, die durch ihre raue Schönheit beeindruckt. Unser Ankerplatz ist von hohen, steil ins Meer abfallenden Bergen umgeben, die an jeder nur erdenklichen Stelle mit Palmen, Bäumen und Sträuchern bewachsen ist. An den hohen Gipfeln bleiben häufig Wolken hängen und Schauer sind nicht selten, was das üppige Grün beweist. Gerade zu Sonnenuntergang ist das Farbenspiel einfach fantastisch und der Anblick der steilen Felswände und dicht bewachsenen Berge in dem Licht der untergehenden Sonne einfach spektakulär.
Hier besuchen wir einen Wettbewerb traditioneller polynesischer Tänze, bei dem Tanzgruppen der verschiedenen marquesischen Inseln im Alter zwischen etwa 8-12 Jahren gegeneinander antreten. Der Sieger darf zur Endausscheidung nach Tahiti fliegen und muss sich dort gegen die Gewinner aus den anderen Regionen Französisch Polynesiens behaupten. Es ist ein schönes Spektakel, die Kinder in den traditionellen Kostümen tanzen und singen zu sehen.

Auf dem Hin- und Rückweg nach Fatu Hiva passieren wir die Insel Tahuata. Hier finden wir eine traumhafte, unbewohnte und sehr geschützte Bucht mit einem der wenigen hellen Sandstrände der Marquesas. Der Ankerplatz gefällt uns so gut, dass wir hier beide Male gleich ein paar Tage verbringen.

Von hier aus segeln wir nach Norden, vorbei an der wunderschönen, rauen und auch hohen Steilküste an der Westseite von Ua Pou, an der wir jedoch nur einen kurzen Stopp einlegen. Unser nächstes und letztes Ziel ist Nuku Hiva, die Hauptinsel des Archipels. Hier wollen wir noch einmal unseren Proviant mit frischen Lebensmitteln aufstocken. Zum Glück kommt kurz nach uns auch das Versorgungsschiff aus Tahiti an, so dass wir in den beiden kleinen Lebensmittelläden eine ganz gute Auswahl an westlichen Produkten finden. Ein paar Tage später sind viele Regale bereits wieder leer und bleiben es auch bis zum nächsten Versorgungsschiff. Wie zu erwarten war, sind die Preise recht hoch und wir sind froh, dass wir das Boot mit Lebensmittel und Drogerieartikel zuvor bis in die letzte Ecken ausgefüllt haben. Einen Gemüsemarkt gibt es ebenfalls, aber zu unserem Entsetzen wird uns gesagt, dass er in der Woche bereits um 6 Uhr aufmacht und man auch zeitig dort sein sollte, da man ansonsten nur noch Reste bekommt. Als Segler stehen wir zwar meistens recht früh auf, aber das ist uns doch zu früh, zumal es um diese Zeit auch noch stockdunkel ist. Wir waren um 7 Uhr dort und haben zwar nicht mehr alles, aber doch ausreichend Ware bekommen. Am Samstag darf man dort bereits um 4 Uhr zum Einkaufen hingehen. Aber das ist nichts für uns – soweit reicht unsere Liebe zu Tomaten und Salat dann doch nicht.

Nach 3 Wochen in den Marquesas ist es dann für uns Zeit, weiter zu ziehen. Die nächste Region Französisch Polynesiens erwartet uns: die Tuamotus mit ihren Lagunen und palmengesäumten Stränden – wir sind gespannt.

Der Pazifik (21.03. – 14.04.2014)

Dreiviertel der Oberfläche unseres Planeten ist mit Wasser bedeckt. Alleine die Hälfte der Erdoberfläche nimmt der Pazifik ein. Eine unglaubliche Wassermasse, auf der man sich in einem fast 13-Meter-Boot sehr klein und unbedeutend vorkommt. Die Weite des Atlantiks war ja schon eine Herausforderung für uns, ist aber nichts im Vergleich zu den Ausmaßen des Pazifiks – wobei man auch noch bedenken muss, dass wir den Pazifik an seiner schmalsten Stelle überqueren.
Von Galápagos bis zu den Marquesas liegen rund 3.000 Seemeilen, d.h. etwa 3-4 Wochen Segeln, vor uns mit nichts als Wasser um uns herum. Der beste Weg damit umzugehen, dass wochenlang kein Land in Sicht und in Reichweite ist, ist wohl nicht weiter darüber nachzudenken. Andernfalls könnte einen diese Vorstellung und was sich daraus alles für Probleme und Gefahren ergeben, schlichtweg abschrecken. Wir bestreiten die Strecke zusammen mit „MeriTuuli“, so dass wir uns nicht ganz so einsam und verloren in dieser Wasserwüste vorkommen.

Mit jeder Seemeile, die wir zurückgelegt haben ist mein Vertrauen in „Antares“ gewachsen. Wir haben schon ein paar raue Wetterverhältnisse erlebt, teilweise über Tage, aber „Antares“ hat diese Situationen mit Bravour gemeistert, so dass ich dem Boot mit der Zeit immer mehr zutraue und mich gut aufgehoben fühle. Auch in meine seglerischen Fähigkeiten habe ich deutlich mehr Vertrauen, seitdem ich im Juni 2012 mit Null Segelerfahrung an Bord gekommen bin. Nach jetzt mehr als 17.000 gemeinsamen Seemeilen sind Olaf und ich als Team gut zusammengewachsen. Das zeigt sich sowohl bei den alltäglichen Dingen und dem engen Zusammenleben an Bord, als auch in kritischeren Situationen unterwegs, wenn Teamarbeit erforderlich ist und wir uns aufeinander verlassen müssen.

Der 9. Tag unserer Reise fängt eigentlich sehr beschaulich an. Wir haben angenehmes, sonniges Wetter, Wind um 14-16 Knoten und kommen gut voran. Eigentlich ist alles herrlich und wir genießen die Fahrt – aber zu früh gefreut. Es gibt vorne plötzlich einen Knall und der obere Teil der Genua, unseres Vorsegels, rauscht herunter, gleitet ins Wasser und wird neben dem Boot hergezogen. Der Schäkel oben am Fall, mit dem die Genua hochgezogen wird, ist gebrochen. Unten an der Furlexrolle hängt sie noch fest.
Wir sehen zu, dass wir das Segel an Bord bekommen und überlegen, was jetzt zu tun ist. Zum Glück ist das Segel in Ordnung und nur der Schäkel gebrochen. Jetzt gibt es eigentlich nur eine Möglichkeit: einer muss in den Mast und das Fall herunterholen, mit dem die Genua hochgezogen wird, damit wir den Schäkel austauschen und das Segel wieder hochziehen können. Das ist normalerweise keine große Sache – wenn man bei wenig Wind im Hafen ist. Bei Wind und Welle mitten auf dem Pazifik sieht das jedoch schon anders aus, zumal ich Olaf bisher überhaupt erst einmal in den Mast gezogen habe.
Die Mastspitze in 18 m Höhe pendelt etwa 2-3 m je Seite hin und her, was das Arbeiten dort oben nicht einfach und auch nicht ungefährlich macht. Da wir 1.000 Seemeilen von Galapágos und noch 2.000 Seemeilen von den Marquesas entfernt sind, sollte hier definitiv nichts passieren. Wir können aber auch nicht ohne weiteres auf das Vorsegel verzichten, da es auf dieser Route das wichtigste Segel ist, um bei achterlichem Wind gut voran zu kommen. Mit dem Großsegel würden wir bedeutend langsamer unterwegs sein.
Wir bereiten uns vor und wählen den Kurs so, dass wir vor den Wellen ablaufen, um die Schiffsbewegungen so gering wie möglich zu halten. Dann kurbel ich Olaf in die Mastspitze und er rutscht wie ein Klammeraffe den Mast hoch. Oben angekommen muss er eine Hilfsleine an dem Fall befestigen, um es wieder nach unten ziehen zu können. Als dies geschafft ist, lasse ich ihn langsam wieder herunter und wir sind heilfroh, dass alles ohne Zwischenfall geklappt hat.
Auf der Suche nach einem Ersatzschäkel müssen wir jetzt allerdings feststellen, dass wir keinen in der passenden Größe dabei haben. „MeriTuuli“, die unser Missgeschick mitbekommen und sofort die Segel eingeholt haben, fahren die ganze Zeit mit Motor neben uns her und haben glücklicherweise einen passenden Schäkel dabei. Wir ziehen die Genua wieder hoch und können nach knapp 2 Stunden Unterbrechung wieder unseren Kurs aufnehmen.
Gut, dass wir mit zwei Booten unterwegs sind und „MeriTulli“ uns aushelfen konnten. Wir hätten zwar in diesem Fall eine Notlösung gefunden, aber mit dem passenden Ersatzteil können wir doch beruhigter weitersegeln. Außerdem haben sie unsere Aktion in Bildern festgehalten und wir werden immer eine visuelle Erinnerung daran haben.
Bis zu diesem Ereignis gestaltet sich unsere Fahrt recht ereignislos. Da wir anfänglich wenig bis keinen Wind haben, können wir noch keinen direkten Kurs anlegen, sondern müssen unter Motor erst einmal nach Süd-Westen auf etwa 6 bis 7 ° südlicher Breite, da hier langsam der Süd-Ost-Passat einsetzt, der uns dann mit gleichmäßigem Wind in die Südsee bringen soll. Bis dahin heißt es jedoch vier Tage mit Motor fahren, wobei wir am 2. Tag die Gunst der Stunde und die ruhige See nutzen, um noch schnell drei Maschinen Wäsche zu waschen.
Am 5. Tag früh morgens haben wir dann endlich etwas Wind gefunden und können den Motor ausstellen. Von jetzt an geht es mehr oder weniger direkt zu den Marquesas. Das Wetter ist anfänglich sehr wolkig und regnerisch und erinnert eher an Ostseesegeln, als an Passatsegeln im Pazifik, jedoch ist hier immerhin der Regen wärmer. Ein paar Gewittergebieten müssen wir noch auszuweichen, aber nach ein paar Tagen setzt stetiger Wind ein und wir kommen unserem Ziel langsam, aber sicher näher. Einzig die See ist sehr unruhig. Wir hatten erwartet, dass die Wellen etwa aus der Windrichtung kommen. Aber das ist nicht der Fall – sie kommen leider aus verschiedenen Richtungen, so dass sie manchmal das Boot wie einen Korken hin- und her werfen.

Die größten Herausforderungen – neben unserer Mastaktion – sind sicherlich die Bewegungseinschränkung auf so einer langen Reise, das platt gesessene Hinterteil und die aufkommende Lethargie gekoppelt mit Müdigkeit. Auch nerven die ewig rollenden Bewegungen des Schiffs von rechts nach links ungemein. Was ein, zwei Tage sicherlich ganz in Ordnung ist, ist nach Wochen einfach nur anstrengend. Bis zu einem gewissen Maß gewöhnen wir uns natürlich daran, aber irgendwann ist dann doch einfach mal genug.

Neben unserem Satellitentelefon ist unser Kurzwellengerät (SSB) mit Pactor-Modem unsere Schnittstelle zur Außenwelt. Hierdurch bekommen wir unsere Wetterinformationen und können mit Familie und Freunden per E-Mail und mit anderen Seglern per Funk über längere Distanzen kommunizieren.
Bei diesem Trip hören wir morgens und abends auf zuvor festgelegten Frequenzen und Zeiten regelmäßig im „Multinet“ rein, eine von Seglern organisierte Funkrunde. Boote, vorwiegend welche, die im Pazifik unterwegs sind, können hier ihre aktuelle Position melden, sich über das Wetter austauschen und gegebenenfalls Probleme technischer oder gesundheitlicher Art besprechen. Eine schöne Unterbrechung im Segelalltag.

Nach 23,5 Tagen tauchen langsam aus der Dunkelheit die Umrisse einer Insel auf. Wir segeln in den frühen Morgenstunden an der hohen, zerklüfteten Küstenline von Hiva Oa vorbei zu unserem Ankerplatz vor Atuona. Es ist ein wunderbares Gefühl nach so vielen Tagen auf See wieder Land zu sehen. Das üppig grün bewachsene Hiva Oa kommt uns vor wie der Garten Eden.

Wir haben es geschafft: nach 3.057 Seemeilen und knapp 24 Tagen auf See haben wir unsere erstes Ziel in der Südsee erreicht!

Galápagos – ein Naturparadies (05.03. – 21.03.2014)

Der zu Ecuador gehörende Archipel liegt etwa 1.000 km vor der Westküste Südamerikas direkt auf dem Äquator. Die Inselgruppe umfasst 13 größere, 6 kleinere Inseln und mehr als 40 Eilande. Die Galápagos-Inseln sind ozeanische Inseln, d.h. sie sind vulkanischen Ursprungs und erheben sich vom Meeresboden aus großer Tiefe an die Oberfläche. Die Vulkane der östlichen Inseln sind erloschen, die westlichen Inseln liegen auf einem Hot-Spot und haben noch aktive Vulkane. Die letzte Eruption im Archipel war 2005 auf der jüngsten Insel, auf Isla Fernandina.

Galápagos liegt im Einflussbereich mehrerer Meeresströmungen,  die das Inselklima bestimmen und die Gewässer mit Nährstoffen anreichern. Der Panama Strom bringt von Januar bis Juni warmes Wasser von Norden und der Cromwell Strom oder Äquatoriale Tiefenstrom bringt im Juli/ August kaltes, nährstoffreiches Wasser von Westen.  Der Humboldt-Strom (Peru-Strom) führt von Juli bis Dezember ebenfalls kaltes,  nährstoffreiches Wasser aus der Antarktis bis zu der Inselgruppe und ist eine wichtige Nahrungsgrundlage für die Tierwelt. In einem El Nino Jahr erreicht der Humboldt-Strom die Inseln nicht und vielen Meerestieren wird ihre Nahrungsquelle geraubt, was verheerende Folgen für die Tierwelt haben kann.

Aufgrund ihrer isolierten geografischen Lage konnte sich eine festlandähnliche, aber trotzdem sehr eigene Flora und Fauna mit zahlreichen endemischen Arten im Laufe der Millionen Jahre entwickeln.  Selbst auf den einzelnen Inseln konnten unterschiedliche endemische Arten entstehen. Die Artenvielfalt sowohl an Land, als auch im Wasser ist enorm.
Die Tierwelt setzt sich primär aus Vögeln und Reptilien zusammen: Fregattvögel, verschiedene Tölpel-Arten, Albatrosse, Pelikane und die am nördlichsten lebende Piguin-Art, der Galápagos-Pinguin, die Galápagos-Riesenschildkröte, Landechsen und Lavaleguane um nur einige Beispiele zu nennen. Säugetiere sind nur mit wenigen Arten vertreten wie z.B. dem Galápagos-Seelöwen oder der Galápagos-Pelzrobbe.
Die an den Felsküsten lebende Meerechse ist die einzige ihrer Art weltweit, die eine amphibische Lebensweise angenommen hat. Sie kann sich unter Wasser gut fortbewegen und ernährt sich von Algen. Über 300 Fischarten, Wasserschildkröten, verschiedene Rochen- und Hai-Arten leben in den Gewässern. Eine besondere Attraktion sind die Hammerhaie, die zu Schulen von Dutzenden Tieren im Archipel leben.

Es existieren zwei Jahreszeiten auf Galápagos. In den Monaten von Januar bis Juni herrscht Regenzeit, in der es bei ansonsten blauem Himmel und hoher Lufttemperatur zu kurzen Schauern kommen kann und durch den Panamastrom warmes Wasser heranführt wird. In den Monaten von Juli bis Dezember ist es eher kühl, der Himmel ist meist wolkenverhangen und der Humboldt-Strom führt kaltes Wasser in den Bereich der Inseln. Diese Zeit wird auch Garúa genannt.

Nur vier Inseln des Archipels sind bewohnt: Isla San Cristóbal mit dem Verwaltungssitz (8.000 Einwohner), Isla Santa Cruz, die touristische Hauptinsel (18.000 Einwohner),Isla  Isabela, die größte Insel (2.000 Einwohner) und Isla Floreana (100 Einwohner). Insgesamt bewohnen somit rund  28.000 Menschen die Inselgruppe. Die Zuwanderung wird strikt geregelt und ist nur möglich durch Heirat eines Bewohners der Galapágos –Insel.  Dies gilt selbst für Festland-Ecuadorianer, die auch nur eine Aufenthaltsgenehmigung bis maximal 3 Monate bekommen.

Wir haben im Vorfeld ein „Autografo“, eine Cruising-Erlaubnis, in Quito durch einen Agenten beantragt und können dadurch drei Inseln anlaufen. Ohne „Autografo“ ist nur eine Insel gestattet. Die Reihenfolge, in der man die Inseln besucht und die jeweilige Ankerbucht pro Insel ist genau festgelegt und jede Insel darf nur einmal angefahren werden.  Häfen gibt es keine in der ganzen Inselgruppe.
Nach einer Woche Überfahrt von Panama laufen wir Puerto Baquerizo Moreno auf San Cristóbal, die fünftgrößte Insel des Archipels, als erstes an (max. Höhe: 896 m). Die Hauptstadt der Provinz Galápagos ist klein, aber man findet Restaurants, kleine Einkaufsmöglichkeiten für das Nötigste und sogar Internet – letzteres allerdings erschreckend langsam. Neben den 8.000 Einwohnern leben hier am Ort und in der Bucht massenhaft Seelöwen, die den ortseigenen Strand und teilweise auch die Promenade des Ortes belagern.
Als nach drei Tagen die Einklarierungsformalitäten abgeschlossen sind, nehmen wir uns ein Taxi und schauen uns das Inland der Insel an. Die Fahrt geht von unserem Ort zur 700 m hoch gelegenen Laguna El Junco, einem Maarsee und eines der wenigen Süßwasserreservoirs der Insel. Von hier aus hat man einen guten Blick über das Hochland bis hinunter zum Meer und zum einzigen Windpark Ecuadors, der 50% des Stroms der Hauptinsel erzeugt – mit sage und schreibe drei Windrädern!
Danach geht es zur Schildkröten-Aufzuchtstation La Galapaguera, in der man die Galápagos-Riesenschildkröten in den verschiedenen Altersstufen anschauen kann. Als Abschluss geht es zum Baden an den schönen Strand Puerto Chino mit seinem weißen Sand und türkis-blauem Meer.

Unsere zweite Station ist Puerto Ayora auf Isla Santa Cruz, der zweitgrößten Insel Galápagos (max. Höhe: 864 m). Die Insel ist der touristische Mittelpunkt des Archipels und der Ort ist dadurch deutlich geschäftiger. Von hier aus starten viele Exkursionen zu den umliegenden Inseln.
Der Ausflug zur Tortuga Bay, eine etwa 5 km lange Wanderung unter der unbarmherzigen Äquatorsonne ist zwar schweißtreibend, aber die Anstrengung lohnt sich. Der weiße, lange Sandstrand und das grünliche Meer sind wunderschön. Den Strand suchen Wasserschildkröten zur Eiablage auf und ist dadurch ab 18 Uhr gesperrt. Verschiedene Vogelarten, Pelikane und Meerechsen sind hier anzutreffen. Wegen der rauen Brandung und der starken Strömung gehen wir zum Baden in die angrenzende, mangrovengesäumte Bucht, die deutlich geschützter liegt, wo aber das Wasser fast schon zu warm ist und kaum Abkühlung bringt. Hier schwimmen ein paar Mal große Fische um unsere Füße, die sich als kleine Weißspitzenriffhaie entpuppen. Highlight ist ein Bad mit den Meerechsen, wobei sie ohne Scheu nahe an einem vorbei schwimmen und strikt ihren Kurs beibehalten – egal, ob da jemand steht. Hier haben die Tiere Vorfahrt und das scheinen sie auch zu wissen. Die Meerechsen kommen nach der Nahrungsaufnahme im Wasser zahlreich an den Strand, um sich in die Sonne zu legen und ihren Wärmehaushalt zu regulieren. Die größten Echsen sind um 1,20 m lang und sehen aus wie aus einem anderen Zeitalter.
Auf Isla Santa Cruz haben wir die letzte Möglichkeit, noch einmal größer einzukaufen, bevor wir uns auf den Weg zu der dritten und letzten Insel machen.

Isla Isabela ist die größte Insel im Archipel (max. 1.707 m). Sie liegt direkt auf dem Galapágos-Hot-Spot und alle fünf Vulkane der Insel, die bis zu 1.707 m hoch sind, sind aktiv.
Wir gehen in Puerto Villamil vor Anker. Der Ort ist deutlich beschaulicher, weniger touristisch und sowohl Haupt-, als auch Nebenstraßen sind staubige Sandpisten, die alles in ihrer Nähe mit einer Sandschicht überziehen.
Von hier aus machen wir drei Touren, um die Insel zu erkunden. Mit der ersten Tour geht es in einer 5-stündigen Wanderung zu den Vulkanen  Sierra Negra (1.370 m) und Chico (860 m). Der Vulcáno Sierra Negra beeindruckt durch die Größe seines Kraters, dessen  Ausmaß erst deutlich wird, wenn man am Kraterrand steht und bis zur anderen Seite hinüber blickt. Er hat einen Durchmesser von 12 km und ist damit der zweitgrößte weltweit. Danach geht es weiter zum jungvulkanischen Gebiet des Vulcáno Chico, der mit seiner bizarren Landschaft sehr sehenswert ist.
Am nächsten Tag machen wir einem Bootsausflug  an die Südküste zu den Los Túneles – interessante Lavaformationen direkt am Meer,  wo wir Blaufußtölpel aus nächster Nähe sehen und  in deren seichtem Gewässer sich Wasserschildkröten tummeln. Auf dem Weg dorthin springen wir ins Wasser, um mit Manta Rochen (Devil Manta Rays) zu schnorcheln, die dort in großer Anzahl anzutreffen sind und fahren an dem vorgelagerten Felsen Roc Unídad vorbei, einer Brutkolonie für Nazcatölpel. Zum Abschluss schnorcheln wir noch einmal mit Weißspitzenriffhaien, die uns quasi über die Füße schwimmen.
Direkt bei Puerto Villamil gibt es auch noch ein paar interessante Spots, um Landschaft und Tiere anzuschauen. Für die insgesamt 12 km lange Strecke leihen wir uns Fahrräder und radeln die Küste entlang mit abschließendem Bad an einem wunderschönen Strand, den wir uns mit den Meerechsen teilen. Drei wirklich tolle, aber bei der Hitze auch anstrengende Touren. Die Sonne ist wirklich unbarmherzig so nahe am Äquator und die Hitze zu dieser Jahreszeit ebenso.

Es ist wirklich unglaublich, die Tiere so nah zu sehen. Selbst an unseren Ankerplätzen schwimmen immer wieder Seelöwen, Rochen, Schildkröten und auf der letzten Insel auch kleine Pinguine bei uns am Boot vorbei. In der Luft schwirren Pelikane, Fregattvögel, verschiedene Tölpelarten direkt über uns her – die Pelikane teilweise zum greifen nah. Und an den Stränden sieht man viele Meerechsen zum wärmen in der Sonne liegen. Die Tierwelt ist hier wirklich zahl- und artenreich – einfach fantastisch und wirklich was besonderes. Wir sind trotz des anfänglichen Ärgers und der Kosten froh, dieses Fleckchen Erde besuchen zu können. Irgendwas scheint die Naturschutzbehörde hier ja doch richtig zu machen, denn so etwas haben wir bisher noch nicht gesehen.
Am Freitag (21.3.2014) nehmen wir dann Abschied von Galápagos und machen uns wieder zusammen mit „MeriTuuli“ auf den Weg zur längsten Etappe unserer gesamten Reise – in die Südsee zu den Marquesas nach Französisch Polynesien. Das sind rund 3.000 Seemeilen Wasser, Wasser und nichts als Wasser.