Aotearoa: Unterwegs im Land der langen weißen Wolke (07.11.2014 – 17.05.2015)

Nach fast einem Jahr sommerlichen Wetterbedingungen erreichen wir erstmals wieder subtropisches Klima. Es ist zwar Frühling in Neuseeland, aber es wird zwischendurch doch noch ganz schön kühl – und das ist herrlich! Endlich mal wieder in eine dicke Bettdecke kuscheln, anstatt schwitzend zwischen maximal dünnen Laken zu liegen. Sommer ist wunderbar, aber wir sind halt Nordeuropäer durch und durch und brauchen einfach Jahreszeiten.
Jedoch nicht nur auf eine klimatische, sondern auch auf eine landschaftliche Abwechslung haben wir uns gefreut. Türkisfarbene Lagunen, umgeben von wunderschönen Korallen-riffen und Palmen gesäumte Sandstrände sind zwar paradiesisch, aber auf Dauer, zumindest für uns, einfach nicht genug. So freuen wir uns darauf im kommenden halben Jahr, den Frühling, den Sommer und den Herbst in Neuseeland erleben zu dürfen und die vielfältige Landschaft dort bereisen zu können.
Aber ich muss sagen, dass ich mich am meisten auf einen gut ausgestatteten Supermarkt mit einer großen Auswahl an Obst und Gemüse freue. Wer hätte gedacht, dass die Vorstellung von etwas so selbstverständlichem wie einen guten Supermarkt mal mein Herz höher schlagen lassen würde? Olaf geht es so, wenn er, nach der Durst-strecke in der Südsee, an die ganzen Bootsausstatter in Neuseeland denkt – die wir vermutlich dann auch fast alle besuchen werden!
Es ist wunderbar, fremde Länder und abgelegene Regionen zu bereisen und andere Kulturen kennenzulernen, aber irgendwie sind wir doch zu sehr die Annehmlichkeiten der westlichen Welt gewöhnt, um sie ganz aufzugeben. So sehen wir den vor uns liegenden sechs Monaten also erwartungsvoll entgegen – und werden nicht enttäuscht.

Wir klarieren in Opua, einem kleinen Ort in der Bay of Islands, ein und feiern unsere Ankunft mit ATLANTIDE und FERNWEH. Der Ort ist zwar sehr klein, aber der Marina angeschlossen sind einige gute Handwerker und Bootsausrüster und wir nutzen die Gelegenheit und erledigen gleich hier ein paar Wartungsarbeiten. Der Weg durch den Pazifik mit 9.000 Seemeilen war lang und die Möglichkeiten, Ersatzteile zu kaufen oder Reparaturen durchführen zu lassen, äußerst gering.

Unser nächster Stopp mit ANTARES ist Whangarei, ein kleines, nettes Städtchen mit beeindruckendem Industriegebiet und sage und schreibe vier großen Supermärkten.
Da wir uns mehr über Land, als mit dem Boot in Neuseeland bewegen wollen, machen wir uns auf die Suche nach einem Auto und werden in Auckland fündig.
Nach ein paar Tagen ziehen wir von der Marina um in die Norsand Boat Yard. Hier bekommt ANTARES u. a. den dringend benötigten Unterwasseranstrich und ein neues Ruderlager und bleibt auch für unseren Deutschlandaufenthalt auf dem Trockenen stehen. Erst nach unseren Weihnachtsferien in der Heimat kommt unser Zuhause dann im Januar wieder ins Wasser.
Schon kurz danach machen wir uns mit unserem Auto auf zu einer Rundreise durch Neuseeland, die uns bis zum südlichsten Punkt der Südinsel führt. So sehr ich das Leben an Bord auch genieße, so ist es doch wunderbar, sich mal wieder mehr an Land zu bewegen. Man muss nur bedingt Rücksicht nehmen auf Wind und Wetter und nicht ständig die Wettervorhersage im Auge behalten. Man setzt sich einfach ins Auto und fährt los und bewegt sich auch mal etwas schneller fort als mit durchschnittlich 10-11 km/ Std. Ich will mich ja nicht beklagen, aber zur Abwechslung tut das mal gut. Nach fast 5 Wochen kommen wir glücklich und zufrieden nach einer erlebnisreichen und beeindruckenden Rundreise zu unserem schwimmenden Zuhause zurück.

So langsam ist es an der Zeit, auch mal ANTARES wieder zu bewegen und wir segeln runter nach Auckland. Allerdings müssen wir unsere geplante Abfahrt um eine Woche verschieben, weil uns PAM dazwischen kommt. Der Superzyklon der Kategorie 5 hat schon in Vanuatu für verheerende Schäden gesorgt und macht sich, zwar abgeschwächt, aber immer noch mit Sturmstärke auf den Weg nach Neuseeland. Eigentlich sind wir ja aus der Südsee geflüchtet, um eben keinem Zyklon in die Laufbahn zu geraten. Zum Glück zieht PAM jedoch weiter östlich als vorhergesagt an Neuseeland vorbei und richtet nur mäßig Schäden an.

Nachdem das Wetter sich wieder beruhigt hat, machen wir uns auf den Weg nach Auckland. Kurz vor uns sind die Teams der Volvo Ocean Race dort eingetroffen, die in Auckland einen mehrtägigen Stopp einlegen. Das wir natürlich mit großem Aufwand gefeiert und das Volvo Ocean Race Dorf lädt mit vielen Informationsständen und Veranstaltungen zu einem Besuch ein. Wie diese Teams um die Welt rasen ist wirklich hardcore und die Boote bieten null Komfort – allein die Bordtoilette ist ein Albtraum und von einer Kombüse kann man nicht wirklich sprechen. Welch einen Luxus dürfen wir da auf ANTARES genießen – allerdings brauchen wir auch geringfügig länger.

Die Tage vergehen wie im Flug und wir müssen uns auf unsere Abfahrt vorbereiten. Wir erledigen noch ein paar Arbeiten am Schiff, proviantieren für die zweite Saison in der Südsee und müssen ja auch noch unser Auto verkaufen.
Ab Ende April sammelt sich die Seglergemeinschaft so langsam wieder in Opua, dem nördlichsten Ausklarierungshafen Neuseelands, um auf ein passendes Wetterfenster für die Weiterfahrt zu warten. Spätestens hier treffen wir viele Segelfreunde wieder. Manche haben wir vor Monaten, ein paar sogar schon vor Jahren kennengelernt. Einige werden wir bei unseren nächsten Etappen wiedersehen, von anderen müssen wir uns leider verab-schieden, da sie deutlich schneller unterwegs sein werden, als wir. Man trifft unterwegs viele Menschen, einige davon lernt man auch gut kennen und verbringt viel Zeit miteinander. Viele trifft man auch wieder, da die Routen häufig ähnlich sind. Allerdings kommt früher oder später immer der Augenblick, endgültig lebe wohl zu sagen, was natürlich sehr schade und traurig ist. Aber man sieht sich ja immer zweimal im Leben!

Am 17. Mai öffnet sich für uns ein Wetterfenster und wir werfen die Leinen los mit Ziel Fiji.
Neuseeland hat uns wunderbar gefallen und wir haben die Zeit hier sehr genossen. Die Neuseeländer sind aufgeschlossen und freundlich und die Landschaften, gerade der Südinsel, einfach spektakulär.

Haere ra, Aotearoa! – Auf Wiedersehen, Neuseeland!

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