Beautiful Samoa und wie man einen Tag verlieren kann (23.08. – 11.09.2014)

Nach vier Tagen auf See erreichen wir Samoa. Wir hatten uns ausgerechnet, dass wir passend am Freitag dort eintreffen würden, um noch vor dem Wochenende einklarieren zu können, hatten aber dummerweise in unserer Kalkulation nicht berücksichtigt, dass wir unterwegs die Datumsgrenze überschreiten. So überspringen wir mal eben einen Tag in unserem Leben und erreichen Samoa erst am Samstag – dumm gelaufen. Das ist schon merkwürdig mit der Datumsgrenze. Für uns hat das Jahr 2014 somit nur 364 Tage und den 22. August hat es nie gegeben. Wir haben ihn in den Weiten des Pazifiks einfach verloren.

Wir hatten beide keine Vorstellung von diesem Inselstaat und waren sehr positiv überrascht. Samoa besteht neben den Hauptinseln Upolu, mit der Hauptstadt Apia, und Savai’i noch aus ein paar kleineren bewohnten und unbewohnten Inseln. Nach der obligatorischen Frage unserer Herkunft weißt uns ein Taxifahrer freundlich darauf hin, dass Samoa einmal deutsche Kolonie war und zeigt uns gleich eines der wenigen Kolonialhäuser aus dieser Zeit, die noch existieren.
Kurz zusammengefasst: nach langjährigen Machtkämpfen wurden im Jahr 1900 Ost- und West-Samoa geteilt und den USA und Deutschland zugesprochen. Ost-Samoa wurde amerikanisches Territorium, was später American Samoa genannt wurde und West-Samoa wurde deutsche Kolonie, Deutsch-Samoa. Zu Beginn des 1. Weltkrieges 1914 wurde Deutsch-Samoa jedoch von Neuseeland besetzt und erst 1962 als erstes fremdbeherrschtes polynesisches Land unabhängig. Die 14 Jahre deutsche Kolonialzeit scheint in Samoa jedoch nicht so negativ in Erinnerung zu sein, wie unser Taxifahrer uns versichert.

Aus der Kolonialzeit sind nicht viele Häuser übrig geblieben. Die meisten mussten modernen Gebäuden weichen. Das wohl bekannteste, noch existierende koloniale Haus ist das Vailima House, in dem Robert Louis Stevenson, der Autor von Der seltsame Fall des Dr. Jekyll und Mr. Hyde, bis zu seinem Tod gewohnt und geschrieben hat und das heute ein ihm und seinen Werken gewidmetes Museum ist.

Wir bleiben erst ein paar Tage vor Anker, wechseln aber bald in den für uns seit Panama ersten Hafen über und genießen die Vorteile, die ein guter Hafen mit sich bringt wie Strom, Wasser in Hülle und Fülle und unbeschwerter Landzugang. Nach mehr als 6.800 Seemeilen vor Anker oder auf See mal eine schöne Abwechslung.

Wir haben das Glück, genau passend zum Teuila Festival in Samoa anzukommen. Ähnlich wie das Heiva Festival in Französisch Polynesien werden auch hier traditioneller Tanz und Gesang vorgestellt und Wettbewerbe abgehalten. Die Veranstaltung findet auf einer zentralen Bühne in Apia statt. Neben dem traditionellen Programm gehören auch zahlreiche moderne Unterhaltungsshows zum Festival – zwei Wochen lang steht Samoa Kopf. Nicht nur die Hauptstadt, sondern jedes Dorf und jede Straße der Insel ist mit farbenfrohen Girlanden und Fähnchen geschmückt, wie wir bei unserer Inselrundfahrt sehen können. Die traditionellen Tänze, besonders der Fire Knife Dance, der Feuertanz, sind sehr interessant und finden ein breites Publikum, aber unser Highlight und von ganz besonderem Unterhaltungsfaktor ist sicher die Wahl zur Miss Faʻafafine Samoa.
Faʻafafine sind männlichen Geschlechts, werden aber sozial als Frau betrachtet und entscheiden sich etwa im Teenager-Alter für diesen Lebensstil. Sie sind jedoch keine Transvestiten, sondern gelten in Samoa als „drittes Geschlecht“ und werden von der Gesellschaft als dieses voll anerkannt.
Die Show ist wunderbar inszeniert und die Vorstellung der Anwärterinnen bunt, teilweise recht schrill, einfallsreich und exzentrisch. Anders als bei typischen Misswahlen wird hier weniger auf eine perfekte Figur, sondern mehr auf Kostümierung und die generelle Darstellung Wert gelegt. So verfügt die Miss Faʻafafine Samoa 2014 über eine außerordentliche Körperfülle und wirklich ausladende Dimensionen.

Um Upolu genauer zu erkunden, haben wir uns einen Mietwagen genommen und sind zusammen mit Ana und Leo von ATLANTIDE kreuz und quer über die Insel gefahren. Die Landschaft ist sehr grün und bergig. Auf unserem Weg kommen wir an einigen Wasserfällen vorbei und an der Südküste befinden sich schöne, lange Sandstrände. Aber wirklich beeindruckend sind die wunderschönen, gepflegten Gärten der Samoaner, die scheinbar deutlich mehr Wert auf ihre grüne Umgebung legen, als auf ihre Häuser. Die Gärten können durchaus mit der Bundesgartenshow konkurrieren – nur halt exotischer. Die Häuser, Fales genannt, sind jedoch sehr traditionell und einfach gehalten. Sie sind zumeist an den Seiten komplett offen und bieten somit Einblick in das häusliche Leben mit wenig Privatsphäre. Die Planen, die seitlich heruntergelassen werden können, dienen mehr dem Schutz vor Regen, als vor neugierigen Blicken – eine für uns eher ungewöhnliche Lebensweise.

Die Menschen in der Südsee haben wir generell als sehr freundlich, hilfsbereit und aufgeschlossen kennengelernt, aber die Samoaner übertreffen den bisherigen Eindruck noch einmal um Längen. Sie wirken lebensfroh und zufrieden, was sich in der geschmackvollen, farbenfrohen Kleidung und den sympathisch-freundlichen Gesichtern wiederspiegelt.
Wo wird einem schon zugewinkt, wenn man mit dem Auto vorbeifährt? Wir kamen uns schon vor wie die Queen persönlich. Oder wo wird man schon von Fremden auf der Straße immer wieder freundlich gegrüßt? Wo wird einem eine „Gute Nacht“ gewünscht, wenn man nach einer Veranstaltung auf dem Heimweg ist? In Deutschland passiert das sicher nicht.

Die Zeit in Samoa haben wir sehr genossen, zumal wir beide keine Vorstellung von diesem Inselstaat hatten und durchweg nur positive Erfahrungen mit Land und Leuten gemacht haben.
Beautiful Samoa – ja, diesen überall zu lesenden Slogan können wir voll und ganz unterstreichen.

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