Suwarrow – „An Island to Oneself“ – (14.08. – 18.08.2014)

Etwa 700 Seemeilen und 6 Tage, nachdem wir von Bora Bora abgelegt haben, erreichen wir DAS Südseeparadies schlechthin. Alle Vorstellungen, die man hat, wenn man die Worte „Südsee“, „Lagune“ und „unbewohnte Insel“ hört, werden hier wahr.
Suwarrow ist ein unbewohntes Atoll der nördlichen Cook Inseln und der einzige Nationalpark dieses Inselstaates. Abgesehen vom Parkranger Harry und seiner Frau, die hier von Juni bis November zu den Öffnungszeiten des Nationalparks leben, wird das Atoll nur von Vögeln, Kokoskrebsen, Einsiedlerkrebsen und Meeresgetier bewohnt. Menschen, bis auf wenige Ausnahmen, haben sich hier nie angesiedelt. Das Atoll ist etwa 13 km breit und 15 km lang und umfasst mehr als 20, meist kleine, Motus (Inseln).
Wir ankern vor Anchorage Island, dem einzigen Moto, das man im Nationalpark betreten darf, in klarem, leuchtendem Wasser. Der Blick auf die hauptsächlich mit Palmen bewachsene Insel und den weißen Sandstrand ist wunderschön. Mit uns liegen nur noch drei weitere Boote hier.
Kaum ist der Anker gefallen, bekommen wir Besuch von zwei Riffhaien. Die Tiere schwimmen von jetzt an regelmäßig um unser Boot. Meist sind es nur zwei oder drei, einmal konnte ich jedoch 12 Haie um uns herum zählen – ein etwas komisches Gefühl.
Harry, nicht nur Parkranger, sondern auch Zoll, Quarantäne-, Einwanderungs- und Gesundheitsbehörde in einer Person, kommt zu uns an Bord und wir erledigen die Einreiseformalitäten. Er warnt uns davor, Lebensmittel ins Wasser zu werfen, da diese nicht nur die ungefährlichen Riffhaie, sondern auch deren große Brüder in die Lagune locken würden. Daher ist auch Speerfischen absolut verboten und geangelte Fische dürfen nur auf der zum Außenriff zugewandten Seite der Insel ausgenommen werden. Für uns ist letzteres irrelevant, da wir auch nach über 20.000 Seemeilen immer noch nicht mit dem Angeln angefangen haben.
Anchorage Island ist mit einer Breite von 270 m und einer Länge von 800 m das größte Motu und die Hauptinsel des Atolls. Die meiste Fläche der maximal 3 m hohen Insel ist dicht bewachsen. Wir landen am schönen Strand der Lagunenseite an, gehen die paar Meter zur Unterkunft des Parkrangers und stoßen als erstes auf eine Gedenktafel von Tom Neale (1902 – 1977), einem Neuseeländer, der hier viele Jahre alleine gelebt hat. Sein ehemaliges Haus in der Mitte der Insel beherbergt jetzt die Parkranger, solange sie in der Hurrikan freien Zeit hier leben. Von dort aus ist es durch den Garten nur noch ein Katzensprung zur anderen Seite der Insel mit Blick auf das Außenriff – also insgesamt recht überschaubar.

Tom Neale ist 1902 in Neuseeland geboren und hat viele Jahre auf verschiedenen Inseln in der Südsee gelebt, bevor er 1952 seinen Traum vom Leben auf einer einsamen Südseeinsel verwirklichen konnte und im Alter von 50 Jahren nach Suwarrow übersiedelte. Er fand dort die Behausung und ein paar einfache Möbel vor, die die neuseeländischen Küstenwachleute dort nach dem Krieg zurückgelassen hatten. Zwei Neuseeländer und drei Insulaner waren dort stationiert gewesen, um in Kriegsjahren Ausschau nach Flugzeugen und Schiffen zu halten und diese dann per Funk zu melden. Als Tom Neale dort eintraf, war Suwarrow jedoch schon seit vielen Jahren verlassen. Er hat dort in einem Zeitraum von 25 Jahren drei Mal für insgesamt 15 Jahre alleine gelebt. Die nächste besiedelte Insel ist Manihiki und 320 km entfernt, Rarotonga liegt 820 km weiter südlich. Suwarrow lag und liegt auf keiner Schifffahrtsroute und nur selten und unregelmäßig sind dort Boote oder Segler hingekommen. Er hat also häufig Monate lang keinen Menschen gesehen, musste sich komplett selbst versorgen und hatte somit auch praktisch keine ärztliche Hilfe. Ich lese momentan sein Buch „An Island to Oneself“, das seine beiden ersten Aufenthalte (1952-1954 und 1960-1963, 3. Aufenthalt 1967-1977) in Suwarrow beschreibt und kann mir erst jetzt langsam vorstellen, was für eine unglaubliche physische und vor allem psychische Leistung er vollbracht hat. Für ihn hat sich ein Lebenstraum erfüllt. Für die meisten anderen Menschen würde sich so ein isoliertes Leben wohl sehr schnell zu einem Albtraum entwickeln.
Als ihn Rollo Gebhard, der Tom Neale dort bei seiner Weltumsegelung 1968 besuchte, fragte, ob er dieses Leben noch einmal wählen würde, antwortete er, dass er diese Entbehrungen wohl nicht noch einmal auf sich nehmen würde, obwohl er seine Entscheidung für dieses Leben in Suwarrow nie bereut habe. 1977 wurde er schwerkrank nach Rarotonga gebracht und verstarb dort im Krankenhaus im Alter von 75 Jahren an Magenkrebs.

Wir verbringen eine wunderbare, entspannte Zeit in Suwarrow. Wir genießen das Schnorcheln mit Mantas an einer ihrer Putzerstationen, die netten Gespräche mit den anderen Seglern und die Pot Lucks mit gegrilltem Fisch aus der Lagune und anderen Leckereien am Strand.
Einzig die kürzlich bei einem Unwetter gestrandete Yacht, die wie ein Mahnmal aufrecht hinter uns auf dem Riff steht, trübt die Stimmung und erinnert einen daran, was alles passieren und wie schnell diese wunderschöne Reise auch vorbei sein kann. Dieser Anblick ist für alle Fahrtensegler ein Albtraum – das schwimmende Zuhause ohne Chance auf Reparatur und Rettung auf dem Riff zurücklassen zu müssen.
Das Unglück geschieht eines Nachts, etwas 10 Tage bevor wir in Suwarrow ankommen, als bei einem Unwetter mit viel Regen und bis zu 40 Knoten Wind die Ankerkette reißt. Die Yacht wird, nach vergeblichen Versuchen des Skippers, das Boot zu retten, auf das Riff getrieben. Das Ehepaar muss bis zum Morgengrauen im Boot ausharren, da eine Bergung unter den Bedingungen im Dunkeln nicht möglich ist. Obwohl keine Lebensgefahr besteht, da AMIABLE relativ fest auf den Korallen steht, waren das sicher die schlimmsten Stunden im Leben der beiden Australier. Zum Glück ist der Crew nichts passiert und viele Habseligkeiten können in den folgenden Tagen geborgen werden.
Wir erleben Suwarrow zu besten Wetterbedingungen und sind begeistert von diesem Paradies mitten im Pazifik. Wie unterschiedlich können Eindrücke sein, wenn man zur falschen Zeit am falschen Ort ist und wie schnell wird aus dem Lebenstraum ein Albtraum.
Nach vier wunderbaren Tagen müssen wir leider schon wieder Abschied nehmen, da sich das Wetter ändert und steuern unser nächstes Ziel Samoa an.

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