Der Tuamotus Archipel: „Ah-toll-e!“ (11.05. – 02.06.2014)

Die weltgrößte Gruppe von Korallenatollen umfasst 78 Atolle und erstreckt sich über eine Fläche von 2 Millionen km², eine Fläche größer als Westeuropa. Die Landgröße zusammen entspricht allerdings nur der Größe des Stadtgebietes von Berlin, etwa 850 km². Fast alle Atolle der Tuamotus erheben sich nur zwischen einem bis sechs Metern über dem Meeresspiegel.

Atolle entstehen normalerweise aus Saumriffen um vulkanische Inseln, die im Laufe der Zeit durch Erosion abgetragen werden bzw. durch Senkung des Meeresbodens oder ein Anstieg des Meeresspiegels im Meer  versinken. Übrig bleiben die weiter wachsenden, meist ringförmigen Riffe und schmalen Inseln, Motus genannt, die eine Lagune umschließen.

Die Atolle haben normalerweise eine oder mehrere Riffeinfahrten, durch die man in die Lagune reinfahren kann. Allerdings sind diese starken Strömungen bis 9 Knoten und möglicherweise unangenehmen Wellen ausgesetzt, die durch Tiden, Wind und Schwell entstehen können, so dass man beim Passieren der Pässe diese Faktoren dringend berücksichtigen sollte. Am besten befährt man die Pässe bei „Slack“, Stauwasser, so dass die Strömung gar nicht oder nur gering vorhanden ist. Das setzt allerdings genaue Tidentabellen voraus, die wir leider nicht auftreiben können. So müssen wir verschiedene Tabellen zusammenwürfeln und den richtigen Zeitpunkt Pi mal Daumen abschätzen. Jedoch haben wir uns Atolle mit breiten, geraden Einfahrten ausgesucht, so dass das Wasser zwar wie im Whirlpool um das Boot herum tost und wir auch eine mehr oder weniger starke Strömung verspüren, das Passieren aber weiter kein Problem ist.

Als erstes laufen wir nach 5 Tagen Überfahrt Kauehi an, ein kleines Atoll mit etwa 500 Einwohnern und einem verschlafenen Dorf. Der Ankerplatz ist wunderschön: von Palmen gesäumte Strände und herrliches Wasser in den verschiedensten Blautönen, das zum Schwimmen und Schnorcheln einlädt – Südsee pur.
Wir liegen hier mit einer Handvoll Segelboote vor Anker, die wir teilweise schon zuvor getroffen haben. Alle zusammen besichtigen wir die nahegelegene Perlenfarm inklusive Schnorchel-Trip zu den Austernbänken und gemeinsamen Lunch. Inbegriffen ist auch ein Abstecher zum Flughafen, wo einmal in der Woche eine kleine Maschine aus Tahiti landet und der eigentlich nur aus einer asphaltierten Landebahn und einer Hütte besteht, aber anscheinend der Stolz der „Kauehianer“ ist.
Zum Abschluss werden uns die schwarzen Perlen der Südsee präsentiert, wobei die Frauen glänzende Augen bekommen und sich bei den Männer eher verhaltene Unruhe bis hin zu leichter Panik breit macht. Die Preise der hochwertigen Perlen könnten doch die Bordkasse deutlich beeinträchtigen.

Nach ein paar Tagen machen wir uns auf nach Fakarava, dem zweitgrößten Atoll des Archipels. Die Lagune hat eine Fläche von 1.153 km², wohingegen die Landfläche nur 16 km² beträgt. Der Hauptort ist zwar deutlich größer als in Kauehi und verfügt immerhin über zwei Lebensmittelläden, ist aber nicht wirklich interessant. Jedoch sollen hier wunderschöne Ankerplätze vor den Motus im Osten und Südosten des Atolls sein – wir werden nicht enttäuscht! An manchen Plätzen liegen wir teilweise alleine und können das Robinson-Crusoe-Feeling in vollen Zügen genießen: „Antares“ im Paradies – einfach traumhaft!
Ein Highlight in Fakarava ist das Strömungstauchen im Südpass. Hier wird man mit Highspeed durch den Pass gespült und kann dabei unzählige Rifffische und Haie beobachten, die sich im frischen, nährstoffreichen Wasser tummeln.  Unsere beiden Versuche, diesem Erlebnis beizuwohnen, schlagen leider aufgrund der starken Strömung und unseres zu kleinen Dinghi-Motors fehl. Beim ersten Mal hat der Ebbstrom, also das ablaufende Wasser, bereits eingesetzt und wir sehen uns schon mit dem Dinghi auf dem Weg nach Tahiti, falls unser Motor uns nicht wieder in die Lagune zurück bringen kann. Beim zweiten Mal kommen wir gegen die reinlaufende Strömung auch nicht so gut an und geben etwas enttäuscht auf. Trotz alledem müssen wir auf die Haie nicht ganz verzichten, da bereits beim Ankermanöver zwei bis drei Schwarzspitzenriffhaie auf einen Leckerbissen wartend um unser Boot herumschwimmen und uns auch später immer wieder besuchen.

Als nächstes geht es nach Toau. Dort fahren wir aber diesmal nicht in die Lagune hinein, sondern liegen in Anse Amyot in einem Blindpass an einer Mooring. Hier leben Valentine und Gaston mit einer Handvoll Familienmitglieder ziemlich abgeschieden. Die beiden betreiben ein „Restaurant“ und eine kleine Fischfarm. Es gibt keine Läden und was die Familie braucht, wird bestellt und meist einmal im Monat mit dem Versorgungsschiff geliefert. Das nimmt dann auch gleich den zum Verkauf bestimmten frischen Fisch von der Farm mit nach Papeete. Es gibt Radio und Fernsehen über Satellit und sogar eine Telefonzelle, nur leider funktioniert letztere schon seit Jahren nicht mehr. Die Kommunikation findet über Funk statt – oder über die Satellitentelefone der vorbeikommenden Segler.
An einem Abend besuchen wir mit Ana und Leo und einer Familie mit zwei Kindern aus London Valentine’s „Restaurant“. Wir sitzen alle zusammen mit den Gastgebern und zwei ihrer Freunden zum gemeinsamen Essen an einem großen Tisch – polynesische Küche mit Familienanschluss. Nachmittags haben wir Gaston noch beim Fischen mit dem Speer zugeschaut und abends liegt der Fisch dann lecker zubereitet auf dem Tisch – frischer geht’s nicht.
Eigentlich wollten wir noch nach Apataki segeln. Da aber der Wind ein paar Tage recht stark von Südost bläst und das Passieren der Einfahrt möglicherweise unangenehm werden könnte, beschließen wir, in Toau zu bleiben und mit dem nächsten Wetterfenster die Tuamotus Richtung Tahiti zu verlassen.

Die Tuamotus sind wunderschön, nahezu paradiesisch, aber nach knapp vier Wochen ist es doch an der Zeit, weiterzuziehen. Wir freuen uns auf Tahiti, auf den Carrefour, um einmal wieder richtig einkaufen gehen zu können, auf eine Bar oder ein nettes Restaurant – einfach auf ein bisschen mehr Trubel und die Vorteile der Konsumgesellschaft. Es wird herrlich sein, mal wieder ein vernünftiges Internet zu haben und mit Familie und Freunden skypen zu können.
Man kann halt nicht alles gleichzeitig haben, wäre aber manchmal schön: traumhafte und einsame Ankerplätze in einer paradiesischen Gegend, kombiniert mit den Vorteilen der modernen Zivilisation und Technik. Es gibt für alles die richtige Zeit und die Zeit der Abgeschiedenheit ist jetzt erst einmal für die nächsten Wochen vorbei. Mal schauen, was die Gesellschaftsinseln für Eindrücke mit sich bringen.

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