Die Gesellschaftsinseln: Tahiti, Bora Bora und Co. (04.06. – 08.08.2014)

Die dritte und letzte Region in Französisch Polynesien, die wir bereisen, sind die Gesellschaftsinseln – benannt nach der Anordnung der Inseln zu einer „Gesellschaft“. Die Inselgruppe wurde etwa 200 v. Chr. von Samoa und Tonga aus besiedelt. Als erster Europäer entdeckte Samuel Wallis die Inselgruppe und betrat im Juni 1767 Tahiti.
Befinden sich die Marquesas geologisch gesehen noch im Anfangsstadium ihrer Entwicklung und haben die Tuamotus bereits ihr Endstadium erreicht, so liegen die Gesellschaftsinseln entwicklungstechnisch mittendrin. Die Inseln sind vulkanischen Ursprungs und werden von einem, manchmal noch nicht vollständig entwickelten, Saumriff umgeben. Die Lagune, durch das Riff geschützt, bietet meistens herrliche Ankermöglichkeiten.
Auf den Gesellschaftsinseln und besonders in Pape’ete auf Tahiti lebt der Großteil der Bevölkerung Französisch Polynesiens.

Maeva! Willkommen in Tahiti!
Nach einer Nachtfahrt kommen wir im Dunklen in Tahiti an und gehen, wie schon James Cook 245 Jahre vor uns, in der Matavai Bucht am Point Venus vor Anker.
Die größte Insel der Gesellschaftsinseln besteht aus zwei erloschenen Vulkanen, die die Inselteile Tahiti Iti (Mont Ronui: 1.332m) und Tahiti Nui (Mont Orohena: 2.241m) ausgebildet haben. Besiedelt ist hauptsächlich der schmale Küstenstreifen. Das schroffe, steile und von Regenwald überzogene Inselinnere ist weitgehend unbewohnt.

Wir verlegen uns an eine Mooring-Boje vor der Taina Marina. Unser erster Landgang führt uns entlang einer vierspurigen, lärmenden Fernverkehrsstraße zum Supermarkt und ist ein regelrechter Zivilisationsschock nach so viel Ruhe und Beschaulichkeit in den vergangenen Monaten. Hatte ich gedacht, das Paradies auf den Tuamotus gefunden zu haben, so muss ich meine Meinung dringend korrigieren, nachdem ich die Auslage im Carrefour gesehen habe: nach 3,5 Monaten das erste Mal wieder ein ernstzunehmender Supermarkt mit allem was das Herz begehrt. Wir sind nahezu ohnmächtig vor Glück – wie sich doch die Sichtweisen verändern können! Die Obst- und Gemüseauswahl ist großartig und Olaf bekommt nach Monaten auch mal wieder frischen Brokkoli in die Finger. Wer will denn auch schon fantastische Strände, Palmen und wunderschöne Atolle, wenn sich einem dieser Anblick bietet!
Da dies vermutlich der letzte große Supermarkt bis Neuseeland sein wird, stocken wir hier unseren Proviant für die nächsten Monate wieder auf. Die Produkte sind zwar weitgehend französisch, die Preise aber leider nicht. Das Preisniveau generell, aber besonders für Bier und Wein, ist sehr hoch. Haben wir in Panama für eine Dose Bier noch umgerechnet 0,60 € bezahlt, so kostet diese hier rund 1,90 €. Die Grundnahrungsmittel werden subventioniert und sind erschwinglich, bei anderen Lebensmitteln muss man sich halt fragen, ob man sie wirklich benötigt oder auch durchaus darauf verzichten könnte.
Pape’ete, Verwaltungssitz und größter Ort Französisch Polynesiens ist mit rund 26.000 Einwohnern recht überschaubar. Zwar gibt es hier etliche Einkaufsmöglichkeiten, aber interessant oder schön ist der Ort nicht.

Wir würden gerne weiter zur Nachbarinsel Moorea segeln, müssen aber leider länger in Tahiti bleiben, als geplant, da wir noch ein Paket aus Portugal erwarten. Der Laderegler von unserem Windgenerator muss ersetzt werden. Die Lieferzeit bis Tahiti dauert nur 5 Tage, aber TNT benötigt noch einmal weitere 9 Tage, um die Zollabfertigung zu regeln – 9 Tage mit täglichen E-Mails und Anrufen unsererseits und leeren Versprechungen seitens TNT. Irgendwie klappt es dann doch noch und wir halten das ersehnte Paket in den Händen. Unserer Abfahrt nach Moorea steht jetzt nichts mehr im Weg.

Moorea – die kleine Schwester
Die kleine Schwesterinsel liegt in Sichtweite von Tahiti und ist nur 17 km entfernt. Die Ansicht der schroff und steil aufragenden Nordküste mit ihren zwei tief einschneidenden Buchten ist spektakulär. Die östliche Bucht ist die bekannte Cook’s Bay. Obwohl die Bucht nach ihm benannt wurde, ankerte James Cook jedoch 1777 nicht dort, sonder in der benachbarten Baye d’Opunohu, wo auch wir an der Nord-West-Seite unseren Anker werfen.
Ganz in der Nähe befindet sich ein fantastischer Schnorchel-Spot: der „Streichelzoo“ von Moorea. Angelockt durch von Touristen mitgebrachte Sardinen finden sich hier täglich etliche Stachelrochen auf der Suche nach einem Leckerbissen ein. Das Motorengeräusch unseres Dinghis reicht schon, um den hungrigen Rochen mitzuteilen, dass sie hier einen Snack erwarten können und bald wimmelt es nur so von den Tieren. Und wo es was zu fressen gibt, sind auch Haie nicht weit. Etwa genauso viele Schwarzspitzenriffhaie schauen vorbei, in der Hoffnung, dass auch sie nicht zu kurz kommen werden. Die an Menschen gewöhnten Stachelrochen sind extrem zutraulich und schwimmen einem im brusttiefen Wasser regelrecht in die Arme, um sich ihre Sardinen abzuholen. Die Haie sind deutlich scheuer und halten etwas mehr Abstand, kommen aber auch ungewöhnlich nahe. Ein wirklich wunderbares, einmaliges Erlebnis, mit diesen Tieren auf Tuchfühlung zu gehen!

Nach ein paar Tagen verlegen wir uns auf die Nord-Ostseite der Bucht. Von hier aus hat man zum einen eine fantastische Sicht auf die steil aufragenden Berge und man liegt zum anderen in Dinghi-Reichweite zur Cook’s Bay. Wir fahren hinüber in die andere Bucht und lassen uns von der wunderschönen Kulisse beeindrucken.
Nach einer herrlich entspannten Zeit in Moorea segeln wir über Nacht zur nächsten Insel: nach Huahine.

Huahine – die Wilde
Das Atoll ist nicht so dicht bewohnt, wenig touristisch und wirkt ein wenig verschlafen, aber die Insel ist landschaftlich reizvoll und üppig grün bewachsen. Sie wird zu Unrecht von Seglern häufig ausgelassen. Wir ankern im Süd-Westen in der flachen Lagune und liegen geschützt hinter dem Riff.
Mit Ana und Leo von ATLANTIDE nehmen wir uns einen Mietwagen, um die Insel zu erkunden. Das Straßennetz ist sehr überschaubar und wir brauchen nicht lange, um jede Straße entlang der Küste und quer über die Berge durch den Regenwald einmal abzufahren. Wir besuchen zwei Marae – historische, polynesische Zeremonienstätten – und nicht zu vergessen die heiligen Aale mit den blauen Augen. Nach ein paar Tagen geht es weiter zu den Schwesterninseln Raiatea und Tahaa.

Tahaa – die Vanilleinsel und Raiatea – die Heilige
Die beiden Inseln sind nur durch einen 3 km langen Sund getrennt und teilen sich ein Saumriff. Wir laufen als erstes Tahaa an und liegen im Süden der Insel an einer Mooring, die zu der CHAMPON Perlenfarm gehört. Ana und Leo haben bei der Überfahrt von Huahine hierher einen großen Wahoo gefangen und so gibt es am Abend frischen Fisch auf ATLANTIDE.

Am nächsten Tag besuchen wir die Perlenfarm, auf der Paula, eine Bekannte von Ana und Leo aus Spanien, bei ihrem Freund und seiner Mutter arbeitet. Wir bekommen eine Führung und uns wird anschaulich erklärt und gezeigt, wie die schwarzen Perlen der Südsee gezüchtet werden: die 4 Monate alten Austern werden von den Tuamotus hergebracht und in kleine Taschen in 7 – 12 m Tiefe zur Aufzucht gehängt. Nach 2 Jahren werden die Austern leicht geöffnet und ihnen wird ein Nucleus, eine kleine Kugel, hergestellt aus einer speziellen Muschel aus dem Mississippi, implantiert. Die Auster überzieht diese Kugel mit Perlmutt. Nach weiteren 2 Jahren kann die Perle dann „geerntet“ werden. Hat die Auster eine Perle guter Qualität geliefert, wird ihr ein weiterer, diesmal größerer Nucleus implantiert, um nach wiederum 2 Jahren eine entsprechend größere Perle zu erhalten. Dieser Vorgang kann mehrfach wiederholt werden. Die Austern haben eine Lebensdauer von etwa 30 Jahren.
Im Ausstellungsraum wird uns dann das Endprodukt präsentiert. Eine Perle von A-Qualität und 12 mm Durchmesser kann dann schon mal rund 3.500 € kosten. Das teuerste Schmuckstück, das wir erwerben können, ist eine lange Perlenkette im Wert von 23.000 €. Wir entscheiden uns dann doch lieber nur für ein paar Perlen geringerer Qualität und kleinerem Durchmesser, die aber immer noch teuer genug sind.

Der Juli steht in Französisch Polynesien im Zeichen der HEIVA, eines Wettbewerbs traditioneller polynesischer Tänze, der auf allen Inseln ausgetragen wird. Paula nimmt mit ihrer Tanzgruppe als, wie es aussieht einzige Nicht-Polynesierin, ebenfalls daran teil. Das wollen wir uns nicht entgehen lassen und so fahren wir eines Abends nach Patio im Norden der Insel, um diesem Event beizuwohnen. Das Ganze ist eine teils liebliche, teils sehr archaische Angelegenheit mit vielen Trommeln, tollen Kostümen und Gesang.

Ein wunderschöner Ankerplatz befindet sich im Nord-Westen von Tahaa vorm Luxushotel „Le Taha’a“. Zwischen der Privatinsel vom Hotel und einem unbewohntem Motu liegt ein schmaler Pass, durch den man sich bei Flut treiben lassen kann. Man schwebt förmlich durch das flache Wasser über die Korallen hinweg und kann währenddessen die zahlreichen Rifffische bewundern – ein schönes Fleckchen Erde, an dem man gerne ein paar Tage verweilen kann.

Von der WM 2014 in Brasilien haben wir, abgesehen von den Ergebnissen, nicht viel mitbekommen. Es gibt nicht so viele Bars mit Fernsehern und durch die Zeitverschiebung hätten wir uns manche Spiele um 6 Uhr morgens anschauen müssen. Aber wenn Deutschland schon mal im Finale ist, dann wollten wir uns wenigstens das Endspiel nicht entgehen lassen. Also haben wir uns in Raiatea eine Bar gesucht, beim Frühstück das Spiel verfolgt und – siehe da – wir wurden nicht enttäuscht.

Bora Bora – die Perle der Südsee
Bora Bora gilt als einer der exklusivsten und luxuriösesten Urlaubsorte in der oberen Preisklasse und gehört zu den teuersten Reisezielen der Welt.“ (Quelle: Wikipedia)
Wir sind sehr gespannt auf Bora Bora. Der Name spricht ja für sich und wir haben natürlich gewisse Vorstellungen von der Perle der Südsee. Wir verbringen ein paar Tage an einer Mooring vom Bora Bora Yacht Club und vor der Mai Kai Marina. Von hier aus ist es nicht weit bis zum Hauptort Vaiape. Dem Klischee dieser Luxusinsel zum Trotz ist der Ort eher ernüchternd. Ich habe hier schicke Restaurants und Boutiquen erwartet, aber außer etlichen Juwelieren mit exklusivem Perlenschmuck gibt es hier nichts Besonderes. Alles wirkt ein wenig heruntergekommen und vernachlässigt. Die meisten Touristen verbleiben anscheinend in ihren Luxusresorts, so dass sich wohl ein Herausputzen des Ortes nicht weiter lohnt.

Da die Ankermöglichkeiten im Osten und Südosten der Lagune deutlich schöner sind, brechen wir bald dorthin auf und genießen einige herrliche Tage in dem fantastischen, in verschiedenen Blautönen leuchtenden Wasser und mit wunderschönem Blick auf den höchsten Berg von Bora Bora – das ist Postkartenidylle pur.
Auf den Motus im Osten des Atolls befinden sich die meisten Hotelanlagen mit ihren typischen Wasserbungalows. Viele der großen, exklusiven Hotelketten sind in Bora Bora vertreten, teilweise sogar mehrfach, und entsprechend hoch ist auch das Preisniveau der Unterkünfte. Wir haben unseren schwimmenden „Wasserbungalow“ zum Glück immer dabei und können das traumhafte Lagunenleben auch ohne horrende Preise zu zahlen in vollen Zügen genießen – Schwimmen, Schnorcheln, Strandspaziergänge, Treffen mit anderen Seglern im Cockpit zum gemeinsamen Sundowner oder Abendessen – ja, das Leben könnte durchaus schlimmer sein.

Ein Highlight ist für uns das Schnorcheln mit den Manta-Rochen, die hier täglich zum Frühstücken an einem bestimmten Spot auftauchen. Wir sehen sechs Mantas, die hintereinander herschwimmend mit weit aufgerissenem Maul ihre Kreise ziehen. Die Sicht ist durch das Plankton leider etwas eingeschränkt, aber teilweise „fliegen“ die majestätischen, großen Tiere so nah unter uns her, dass wir sie trotzdem gut beobachten und ihnen tief in den geöffneten Schlund schauen können – ein wundervolles Erlebnis.

Wieder zurück auf der anderen Seite des Atolls angekommen, suchen wir uns einen Ankerplatz ganz im Südwesten. Wir liegen in klarem, türkisgrünem Wasser und haben auf der einen Seite das Hilton Hotel mit seinen Wasserbungalows, überragt von der Bergkulisse der Hauptinsel, und auf der anderen Seite das Außenriff und die offene See in. Um uns herum ziehen immer wieder Stachel- und Adlerrochen ums Boot – für uns ist dies einer der schönsten und ruhigsten Ankerplätze auf Bora Bora.
Nicht weit von dort entfernt befindet sich ein schöner Schnorchel-Spot. Sobald man ins Wasser springt kommen gleich etliche bunte Rifffische angeschwommen. Die Tiere sind es gewohnt, hier von den Schnorchlern gefüttert zu werden. Auch wir haben Brot dabei und verschwinden beim schnorcheln bald hinter einer Wand von Fischen, die sich, in Erwartung eines kleinen Snacks, gierig auf unsere Hände stürzen.

Für uns wird es jetzt langsam Zeit, weiterzuziehen, aber leider spielt das Wetter nicht mit. Wir haben entweder zu viel oder zu wenig Wind, so dass wir es vorziehen, hier noch ein wenig auf ein gutes Wetterfenster zu warten. Bora Bora ist dafür ja nicht der schlechteste Platz. Unser nächstes Ziel wird Suwarrow sein, ein unbewohntes Atoll in den Cook Islands. Ana und Leo von ATLANTIDE sind uns bereits voraus gefahren und wir hoffen, sie dort oder spätestens beim nächsten Ziel wiederzutreffen.

Ein kulinarisches Highlight erleben wir im Restaurant in der Mai Kai Marina. Die Küche ist hervorragend und wir essen das beste Filet Mignon seit…ja, keine Ahnung seit wann. In Bonaire waren wir im letzten wirklich guten Restaurant. Danach war für uns die Dichte an guten Restaurants eher gering, so dass wir uns diesen Genuss zum Abschied gleich noch ein zweites Mal gönnen und damit Bora Bora, den Gesellschaftsinseln und Französisch Polynesien Lebewohl sagen.

Wie auch schon in der Karibik sind die meisten stärker bewohnten Inseln von der Seeseite aus am schönsten. Geht man an Land, stellt man häufig ernüchternd fest, dass das Flair der Südsee ein wenig verblasst – zumindest uns ist es des Öfteren so ergangen. Das soll jedoch nicht zu negativ klingen. Uns hat es hier gut gefallen und wir haben die Zeit in Französisch Polynesien sehr genossen.

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Der Tuamotus Archipel: „Ah-toll-e!“ (11.05. – 02.06.2014)

Die weltgrößte Gruppe von Korallenatollen umfasst 78 Atolle und erstreckt sich über eine Fläche von 2 Millionen km², eine Fläche größer als Westeuropa. Die Landgröße zusammen entspricht allerdings nur der Größe des Stadtgebietes von Berlin, etwa 850 km². Fast alle Atolle der Tuamotus erheben sich nur zwischen einem bis sechs Metern über dem Meeresspiegel.

Atolle entstehen normalerweise aus Saumriffen um vulkanische Inseln, die im Laufe der Zeit durch Erosion abgetragen werden bzw. durch Senkung des Meeresbodens oder ein Anstieg des Meeresspiegels im Meer  versinken. Übrig bleiben die weiter wachsenden, meist ringförmigen Riffe und schmalen Inseln, Motus genannt, die eine Lagune umschließen.

Die Atolle haben normalerweise eine oder mehrere Riffeinfahrten, durch die man in die Lagune reinfahren kann. Allerdings sind diese starken Strömungen bis 9 Knoten und möglicherweise unangenehmen Wellen ausgesetzt, die durch Tiden, Wind und Schwell entstehen können, so dass man beim Passieren der Pässe diese Faktoren dringend berücksichtigen sollte. Am besten befährt man die Pässe bei „Slack“, Stauwasser, so dass die Strömung gar nicht oder nur gering vorhanden ist. Das setzt allerdings genaue Tidentabellen voraus, die wir leider nicht auftreiben können. So müssen wir verschiedene Tabellen zusammenwürfeln und den richtigen Zeitpunkt Pi mal Daumen abschätzen. Jedoch haben wir uns Atolle mit breiten, geraden Einfahrten ausgesucht, so dass das Wasser zwar wie im Whirlpool um das Boot herum tost und wir auch eine mehr oder weniger starke Strömung verspüren, das Passieren aber weiter kein Problem ist.

Als erstes laufen wir nach 5 Tagen Überfahrt Kauehi an, ein kleines Atoll mit etwa 500 Einwohnern und einem verschlafenen Dorf. Der Ankerplatz ist wunderschön: von Palmen gesäumte Strände und herrliches Wasser in den verschiedensten Blautönen, das zum Schwimmen und Schnorcheln einlädt – Südsee pur.
Wir liegen hier mit einer Handvoll Segelboote vor Anker, die wir teilweise schon zuvor getroffen haben. Alle zusammen besichtigen wir die nahegelegene Perlenfarm inklusive Schnorchel-Trip zu den Austernbänken und gemeinsamen Lunch. Inbegriffen ist auch ein Abstecher zum Flughafen, wo einmal in der Woche eine kleine Maschine aus Tahiti landet und der eigentlich nur aus einer asphaltierten Landebahn und einer Hütte besteht, aber anscheinend der Stolz der „Kauehianer“ ist.
Zum Abschluss werden uns die schwarzen Perlen der Südsee präsentiert, wobei die Frauen glänzende Augen bekommen und sich bei den Männer eher verhaltene Unruhe bis hin zu leichter Panik breit macht. Die Preise der hochwertigen Perlen könnten doch die Bordkasse deutlich beeinträchtigen.

Nach ein paar Tagen machen wir uns auf nach Fakarava, dem zweitgrößten Atoll des Archipels. Die Lagune hat eine Fläche von 1.153 km², wohingegen die Landfläche nur 16 km² beträgt. Der Hauptort ist zwar deutlich größer als in Kauehi und verfügt immerhin über zwei Lebensmittelläden, ist aber nicht wirklich interessant. Jedoch sollen hier wunderschöne Ankerplätze vor den Motus im Osten und Südosten des Atolls sein – wir werden nicht enttäuscht! An manchen Plätzen liegen wir teilweise alleine und können das Robinson-Crusoe-Feeling in vollen Zügen genießen: „Antares“ im Paradies – einfach traumhaft!
Ein Highlight in Fakarava ist das Strömungstauchen im Südpass. Hier wird man mit Highspeed durch den Pass gespült und kann dabei unzählige Rifffische und Haie beobachten, die sich im frischen, nährstoffreichen Wasser tummeln.  Unsere beiden Versuche, diesem Erlebnis beizuwohnen, schlagen leider aufgrund der starken Strömung und unseres zu kleinen Dinghi-Motors fehl. Beim ersten Mal hat der Ebbstrom, also das ablaufende Wasser, bereits eingesetzt und wir sehen uns schon mit dem Dinghi auf dem Weg nach Tahiti, falls unser Motor uns nicht wieder in die Lagune zurück bringen kann. Beim zweiten Mal kommen wir gegen die reinlaufende Strömung auch nicht so gut an und geben etwas enttäuscht auf. Trotz alledem müssen wir auf die Haie nicht ganz verzichten, da bereits beim Ankermanöver zwei bis drei Schwarzspitzenriffhaie auf einen Leckerbissen wartend um unser Boot herumschwimmen und uns auch später immer wieder besuchen.

Als nächstes geht es nach Toau. Dort fahren wir aber diesmal nicht in die Lagune hinein, sondern liegen in Anse Amyot in einem Blindpass an einer Mooring. Hier leben Valentine und Gaston mit einer Handvoll Familienmitglieder ziemlich abgeschieden. Die beiden betreiben ein „Restaurant“ und eine kleine Fischfarm. Es gibt keine Läden und was die Familie braucht, wird bestellt und meist einmal im Monat mit dem Versorgungsschiff geliefert. Das nimmt dann auch gleich den zum Verkauf bestimmten frischen Fisch von der Farm mit nach Papeete. Es gibt Radio und Fernsehen über Satellit und sogar eine Telefonzelle, nur leider funktioniert letztere schon seit Jahren nicht mehr. Die Kommunikation findet über Funk statt – oder über die Satellitentelefone der vorbeikommenden Segler.
An einem Abend besuchen wir mit Ana und Leo und einer Familie mit zwei Kindern aus London Valentine’s „Restaurant“. Wir sitzen alle zusammen mit den Gastgebern und zwei ihrer Freunden zum gemeinsamen Essen an einem großen Tisch – polynesische Küche mit Familienanschluss. Nachmittags haben wir Gaston noch beim Fischen mit dem Speer zugeschaut und abends liegt der Fisch dann lecker zubereitet auf dem Tisch – frischer geht’s nicht.
Eigentlich wollten wir noch nach Apataki segeln. Da aber der Wind ein paar Tage recht stark von Südost bläst und das Passieren der Einfahrt möglicherweise unangenehm werden könnte, beschließen wir, in Toau zu bleiben und mit dem nächsten Wetterfenster die Tuamotus Richtung Tahiti zu verlassen.

Die Tuamotus sind wunderschön, nahezu paradiesisch, aber nach knapp vier Wochen ist es doch an der Zeit, weiterzuziehen. Wir freuen uns auf Tahiti, auf den Carrefour, um einmal wieder richtig einkaufen gehen zu können, auf eine Bar oder ein nettes Restaurant – einfach auf ein bisschen mehr Trubel und die Vorteile der Konsumgesellschaft. Es wird herrlich sein, mal wieder ein vernünftiges Internet zu haben und mit Familie und Freunden skypen zu können.
Man kann halt nicht alles gleichzeitig haben, wäre aber manchmal schön: traumhafte und einsame Ankerplätze in einer paradiesischen Gegend, kombiniert mit den Vorteilen der modernen Zivilisation und Technik. Es gibt für alles die richtige Zeit und die Zeit der Abgeschiedenheit ist jetzt erst einmal für die nächsten Wochen vorbei. Mal schauen, was die Gesellschaftsinseln für Eindrücke mit sich bringen.