Die Marquesas oder auf polynesisch Te Fenua Enata – Die Erde der Männer (14.04. – 07.05.2014)

Einige Inseln der Marquesas haben das Wort „Hiva“ in ihrem Namen, was ein Synonym für den Garten Eden ist. Und genau so kommen uns diese Inseln nach der langen Seefahrt auch vor. Die Vulkaninseln sind bis zu 1.232 m hoch (auf Ua Pou), schroff und zerklüftet, aber auch üppig grün und dicht bewachsen – ein Traum in Grün nach dem vielen Blau um uns herum. Kein Wunder, dass es Paul Gauguin hier so gut gefiel.
Die polynesische Besiedlung der Marquesas erfolgte ab etwa 300 n. Chr. vermutlich von Samoa und Tonga aus. Von den Europäern wurde die Inselgruppe 1595 von den Spaniern entdeckt, die ihr ihren heutigen Namen gaben. Sie wurde benannt nach dem damaligen Vizekönig von Peru: „Las Islas Marquesas Don García Hurtado de Mendoza y Canete“, kurz Marquesas.
Aufgrund der ungenauen Positionsangaben und des mangelnden Interesses der Spanier, gerieten die Inseln bald in Vergessenheit. Erst fast zweihundert Jahre später wurden sie von James Cook wiederentdeckt.
Die Inselgruppe gehört zu Französisch Polynesien und besteht aus 13 bewohnten Inseln, von denen wir vier besucht haben. Sandstrände gibt es hier nur wenige und die Ankerbuchten sind meist recht ungeschützt und Schwell ausgesetzt, da ein schützendes Saumriff fehlt. Obwohl hier jedes Jahr ein ganzer Schwung Segler vorbei kommt, sind Einrichtungen für diese quasi nicht vorhanden. Marinas gibt es keine und das Anlegen mit dem Dingi am Betonsteg ist bei dem heftigen Schwell jedes Mal ein Abenteuer und manchmal einfach nicht möglich. Aber die Freundlichkeit und Offenheit der Polynesier und die Schönheit der Inseln stellen diese Unwägbarkeiten in den Hintergrund und lassen unseren Aufenthalt zu einem wunderbaren Erlebnis werden.
Die erste Insel die wir besuchen ist Hiva Oa. Das Einklarieren bei den französischen Behörden ist schnell und unkompliziert gemacht und als ich Olaf frage, wie lange wir in Französisch Polynesien bleiben dürfen, antwortet er: „Für immer!“ Na, das fängt doch schon mal gut an.
Um einen besseren Eindruck zu bekommen, buchen wir eine geführte Tour über die Insel. Frida, unser Guide, fährt uns quer über die Insel zur Nordseite. Wir arbeiten uns die Berge hoch und wieder runter, es geht über gut ausgebaute Straßen und endlose Schotterpisten zu einem abgelegenen Ort, wo wir ein leckeres marquesisches Essen erhalten und eine alte Tiki-Stätte, eine Zeremonienstätte der polynesischen Ureinwohner, besuchen.
Das Betanken von „Antares“ ist leider ein weniger schönes Erlebnis. Da gerade der erste Teil unserer Pazifik- Passage nicht mit genügend Wind gesegnet war und wir viel unter Motor fahren mussten, müssen wir dringend Diesel tanken. Der Betonpier ist leider nur für das Versorgungsschiff und nicht für Segelboote unserer Größe ausgelegt. So müssen wir unseren Dieselvorrat mit 20l-Kanister auffüllen und fahren gemeinsam mit „MeriTuuli“ mit unseren Dingis mehrere Male zwischen der zum Glück in derselben Bucht liegenden Tankstelle und unseren Booten hin und her. Bei über 30°C und heftigem Schwell ist das kein Vergnügen und kann schon mal mehrere Stunden in Anspruch nehmen.
Unser nächstes Ziel ist Fatu Hiva, ganz im Süden des Archipels – eine Insel, die durch ihre raue Schönheit beeindruckt. Unser Ankerplatz ist von hohen, steil ins Meer abfallenden Bergen umgeben, die an jeder nur erdenklichen Stelle mit Palmen, Bäumen und Sträuchern bewachsen ist. An den hohen Gipfeln bleiben häufig Wolken hängen und Schauer sind nicht selten, was das üppige Grün beweist. Gerade zu Sonnenuntergang ist das Farbenspiel einfach fantastisch und der Anblick der steilen Felswände und dicht bewachsenen Berge in dem Licht der untergehenden Sonne einfach spektakulär.
Hier besuchen wir einen Wettbewerb traditioneller polynesischer Tänze, bei dem Tanzgruppen der verschiedenen marquesischen Inseln im Alter zwischen etwa 8-12 Jahren gegeneinander antreten. Der Sieger darf zur Endausscheidung nach Tahiti fliegen und muss sich dort gegen die Gewinner aus den anderen Regionen Französisch Polynesiens behaupten. Es ist ein schönes Spektakel, die Kinder in den traditionellen Kostümen tanzen und singen zu sehen.

Auf dem Hin- und Rückweg nach Fatu Hiva passieren wir die Insel Tahuata. Hier finden wir eine traumhafte, unbewohnte und sehr geschützte Bucht mit einem der wenigen hellen Sandstrände der Marquesas. Der Ankerplatz gefällt uns so gut, dass wir hier beide Male gleich ein paar Tage verbringen.

Von hier aus segeln wir nach Norden, vorbei an der wunderschönen, rauen und auch hohen Steilküste an der Westseite von Ua Pou, an der wir jedoch nur einen kurzen Stopp einlegen. Unser nächstes und letztes Ziel ist Nuku Hiva, die Hauptinsel des Archipels. Hier wollen wir noch einmal unseren Proviant mit frischen Lebensmitteln aufstocken. Zum Glück kommt kurz nach uns auch das Versorgungsschiff aus Tahiti an, so dass wir in den beiden kleinen Lebensmittelläden eine ganz gute Auswahl an westlichen Produkten finden. Ein paar Tage später sind viele Regale bereits wieder leer und bleiben es auch bis zum nächsten Versorgungsschiff. Wie zu erwarten war, sind die Preise recht hoch und wir sind froh, dass wir das Boot mit Lebensmittel und Drogerieartikel zuvor bis in die letzte Ecken ausgefüllt haben. Einen Gemüsemarkt gibt es ebenfalls, aber zu unserem Entsetzen wird uns gesagt, dass er in der Woche bereits um 6 Uhr aufmacht und man auch zeitig dort sein sollte, da man ansonsten nur noch Reste bekommt. Als Segler stehen wir zwar meistens recht früh auf, aber das ist uns doch zu früh, zumal es um diese Zeit auch noch stockdunkel ist. Wir waren um 7 Uhr dort und haben zwar nicht mehr alles, aber doch ausreichend Ware bekommen. Am Samstag darf man dort bereits um 4 Uhr zum Einkaufen hingehen. Aber das ist nichts für uns – soweit reicht unsere Liebe zu Tomaten und Salat dann doch nicht.

Nach 3 Wochen in den Marquesas ist es dann für uns Zeit, weiter zu ziehen. Die nächste Region Französisch Polynesiens erwartet uns: die Tuamotus mit ihren Lagunen und palmengesäumten Stränden – wir sind gespannt.

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