Galápagos – der erste Eindruck (26.02. – 05.03.2014)

Wie zu dieser Jahreszeit zu erwarten ist, ist der Wind auf der Strecke von Panama nach Galápagos eher schwach und wir rechnen damit, dass wir viel unter Motor fahren müssen. Um schnellstmöglich die Innertropische Konvergenzzone  (ITCZ) zu durchqueren, nehmen wir nicht den direkten Kurs auf Galápagos, sondern fahren erst einmal nach Südwesten. Die ITCZ ist ein Bereich mit wenig oder keinem Wind, heißem, schwülem Wetter und häufig auftretenden, sehr starken Gewittern mit heftigen Regenfällen – kein Gebiet, in dem man sich lange aufhalten möchte. Im Frühjahr kann sich die ITCZ von Panama bis hinunter nach Galápagos erstrecken, später im Jahr wandert sie weiter nach Norden hinauf.
Wir haben zwar insgesamt wenig Wind, schaffen es aber uns fernab der Gewitter zu halten, so dass die Fahrt insgesamt sehr angenehm und entspannt ist. Am 04.03.2014 um 15.48 Uhr (21.48 Uhr UTC) überqueren wir bei strahlendem Sonnenschein und glatter See zusammen mit MeriTuuli den Äquator und stoßen mit einem Bier auf das Erreichen der südlichen Hemisphäre an.
Die letzte Nacht ist wunderschön und die See so ruhig, dass sich die Sterne im Wasser spiegeln. Einziger Wehrmutstropfen ist unser blinder Passagier in der Mastspitze, der sich einfach nicht vertreiben lässt und die ganze Nacht bis kurz vor Galápagos mit uns fährt. Das ein Seevogel eine so rege Verdauung haben kann und das ganze Bimini, den Baum und einen großen Teil des Decks dermaßen verunreinigen kann, ist schon unglaublich. Am nächsten Morgen nach Sonnenaufgang heißt es also erst einmal Bootwaschen und Wasser produzieren, da wir unbedingt mit vollen Tanks zum Ankerplatz fahren wollen.
Entschädigt werden wir für die morgendlichen Mühen  mit einer großen Schule Delfine, die uns eine ganze Zeit begleite. Erstmals sind es die Großen Tümmler, also Flipper, die uns besuchen kommen.
Die großen Tiere um unser Boot spielen zu sehen ist schon beeindruckend.

Die Auflagen für Segler in Galápagos sind sehr streng, teuer und unangenehm. Wir haben ein „Autografo“, eine Cruising-Erlaubnis, für Galápagos beantragt, damit wir drei Inseln des Archipels anfahren können und nicht nur eine.
Unsere erste Ankerbucht ist daher Puerto Baquerizo Moreno auf San Cristobal. Als wir den Anker ins Wasser werfen kommt erst einmal ein neugieriger Seelöwe angeschwommen – und das soll nicht der einzige bleiben, was man von weitem auch schon riecht. In der ganzen Bucht und am Land wimmelt es nur so von Seelöwen. Hätten man nicht den Küstenstreifen zumindest größtenteils abgesperrt, würden sie sich wahrscheinlich mitten auf die Straße zum Sonnen legen. Gerne springen sie auch auf die Boote in der Bucht und genießen das leichte Schaukeln. Daher ist es auch nicht ratsam, sein Dingi hinten ans Boot zu binden, da man nicht lange auf Besuch warten müsste und sich die Sonnenanbeter nur unter lautstarkem Protest wieder vertreiben lassen.
Wir hatten eigentlich gedacht, dass unsere Badeplattform zu steil und die Stufen zu schmal sein würden, aber das sieht der kleine Kerl, der es nach mehreren vergeblichen Versuchen doch noch schafft, anders und er macht es sich auf der untersten Stufe gemütlich.

Für das Einklarieren brauchen wir drei Tage und ist mit Abstand das langwierigste, komplizierteste und teuerste Verfahren von allen mit dem Boot bisher bereisten Ländern. Vielleicht soll das zur Abschreckung von Seglern dienen. Unser Agent, den wir schon im Vorfeld wegen des „Autografo“ beauftragt hatten, kommt diverse Male mit den unterschiedlichen Behörden zu uns an Bord. Auf Galápagos sind aber nicht die normalen Behörden wie Zoll, Immigration oder die Capitanía das Problem, sondern die Nationalparkverwaltung. Uns ist ja klar, dass der Park mit seinen endemischen Tieren und Pflanzen geschützt werden muss, aber müssen die Nationalparkleute gleich mit fünf Leuten und zwei Tauchern aufkreuzen? Wollen die bei uns eine Party feiern? Uns werden diverse Fragen gestellt, Kühlschrank und Schränke werden inspiziert und zu unserer Verwunderung wird alles fotografiert. Warum muss der Inhalt unserer Kühlschränke und das Fach mit meiner Unterwäsche fotographisch festgehalten werden? Was machen die mit diesen Fotos? Das ist wohl etwas übertrieben und verletzt doch irgendwie unsere Privatsphäre.
Unser Unterwasserschiff wird auch abgetaucht und auf mitgebrachte Tiere oder Pflanzen untersucht – und natürlich fotografiert. Das ist zum Glück der letzte „Besuch“. Hoffentlich lohnt der ganze zeitliche, finanzielle und nervliche Aufwand. Für Olli ist bereits klar: einmal Galápagos reicht – zumindest mit dem Segelboot. Eine gebuchte und organisierte Kreuzfahrt ist sicher eine ganz andere Geschichte, aber als Segler scheint man hier nicht so willkommen zu sein.
Dummerweise unterteilt die Inselgruppe aber die 4.000 Seemeilen von Panama zu den Marquesas und man kann nach rund 1.000 Seemeilen noch einmal verschnaufen, sich mit frischen Produkten eindecken und vor allem Diesel tanken, den man in dem Kalmengürtel um den Äquator dringend braucht. Andernfalls würden wahrscheinlich die meisten Segler Galápagos links liegen lassen.

Nachdem wir das ganze Prozedere hinter uns haben, können wir uns jetzt daran machen, die Inseln zu erkunden und die Tierwelt zu entdecken. Einen kleinen Eindruck haben wir ja bereits bekommen.

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