Galápagos – ein Naturparadies (05.03. – 21.03.2014)

Der zu Ecuador gehörende Archipel liegt etwa 1.000 km vor der Westküste Südamerikas direkt auf dem Äquator. Die Inselgruppe umfasst 13 größere, 6 kleinere Inseln und mehr als 40 Eilande. Die Galápagos-Inseln sind ozeanische Inseln, d.h. sie sind vulkanischen Ursprungs und erheben sich vom Meeresboden aus großer Tiefe an die Oberfläche. Die Vulkane der östlichen Inseln sind erloschen, die westlichen Inseln liegen auf einem Hot-Spot und haben noch aktive Vulkane. Die letzte Eruption im Archipel war 2005 auf der jüngsten Insel, auf Isla Fernandina.

Galápagos liegt im Einflussbereich mehrerer Meeresströmungen,  die das Inselklima bestimmen und die Gewässer mit Nährstoffen anreichern. Der Panama Strom bringt von Januar bis Juni warmes Wasser von Norden und der Cromwell Strom oder Äquatoriale Tiefenstrom bringt im Juli/ August kaltes, nährstoffreiches Wasser von Westen.  Der Humboldt-Strom (Peru-Strom) führt von Juli bis Dezember ebenfalls kaltes,  nährstoffreiches Wasser aus der Antarktis bis zu der Inselgruppe und ist eine wichtige Nahrungsgrundlage für die Tierwelt. In einem El Nino Jahr erreicht der Humboldt-Strom die Inseln nicht und vielen Meerestieren wird ihre Nahrungsquelle geraubt, was verheerende Folgen für die Tierwelt haben kann.

Aufgrund ihrer isolierten geografischen Lage konnte sich eine festlandähnliche, aber trotzdem sehr eigene Flora und Fauna mit zahlreichen endemischen Arten im Laufe der Millionen Jahre entwickeln.  Selbst auf den einzelnen Inseln konnten unterschiedliche endemische Arten entstehen. Die Artenvielfalt sowohl an Land, als auch im Wasser ist enorm.
Die Tierwelt setzt sich primär aus Vögeln und Reptilien zusammen: Fregattvögel, verschiedene Tölpel-Arten, Albatrosse, Pelikane und die am nördlichsten lebende Piguin-Art, der Galápagos-Pinguin, die Galápagos-Riesenschildkröte, Landechsen und Lavaleguane um nur einige Beispiele zu nennen. Säugetiere sind nur mit wenigen Arten vertreten wie z.B. dem Galápagos-Seelöwen oder der Galápagos-Pelzrobbe.
Die an den Felsküsten lebende Meerechse ist die einzige ihrer Art weltweit, die eine amphibische Lebensweise angenommen hat. Sie kann sich unter Wasser gut fortbewegen und ernährt sich von Algen. Über 300 Fischarten, Wasserschildkröten, verschiedene Rochen- und Hai-Arten leben in den Gewässern. Eine besondere Attraktion sind die Hammerhaie, die zu Schulen von Dutzenden Tieren im Archipel leben.

Es existieren zwei Jahreszeiten auf Galápagos. In den Monaten von Januar bis Juni herrscht Regenzeit, in der es bei ansonsten blauem Himmel und hoher Lufttemperatur zu kurzen Schauern kommen kann und durch den Panamastrom warmes Wasser heranführt wird. In den Monaten von Juli bis Dezember ist es eher kühl, der Himmel ist meist wolkenverhangen und der Humboldt-Strom führt kaltes Wasser in den Bereich der Inseln. Diese Zeit wird auch Garúa genannt.

Nur vier Inseln des Archipels sind bewohnt: Isla San Cristóbal mit dem Verwaltungssitz (8.000 Einwohner), Isla Santa Cruz, die touristische Hauptinsel (18.000 Einwohner),Isla  Isabela, die größte Insel (2.000 Einwohner) und Isla Floreana (100 Einwohner). Insgesamt bewohnen somit rund  28.000 Menschen die Inselgruppe. Die Zuwanderung wird strikt geregelt und ist nur möglich durch Heirat eines Bewohners der Galapágos –Insel.  Dies gilt selbst für Festland-Ecuadorianer, die auch nur eine Aufenthaltsgenehmigung bis maximal 3 Monate bekommen.

Wir haben im Vorfeld ein „Autografo“, eine Cruising-Erlaubnis, in Quito durch einen Agenten beantragt und können dadurch drei Inseln anlaufen. Ohne „Autografo“ ist nur eine Insel gestattet. Die Reihenfolge, in der man die Inseln besucht und die jeweilige Ankerbucht pro Insel ist genau festgelegt und jede Insel darf nur einmal angefahren werden.  Häfen gibt es keine in der ganzen Inselgruppe.
Nach einer Woche Überfahrt von Panama laufen wir Puerto Baquerizo Moreno auf San Cristóbal, die fünftgrößte Insel des Archipels, als erstes an (max. Höhe: 896 m). Die Hauptstadt der Provinz Galápagos ist klein, aber man findet Restaurants, kleine Einkaufsmöglichkeiten für das Nötigste und sogar Internet – letzteres allerdings erschreckend langsam. Neben den 8.000 Einwohnern leben hier am Ort und in der Bucht massenhaft Seelöwen, die den ortseigenen Strand und teilweise auch die Promenade des Ortes belagern.
Als nach drei Tagen die Einklarierungsformalitäten abgeschlossen sind, nehmen wir uns ein Taxi und schauen uns das Inland der Insel an. Die Fahrt geht von unserem Ort zur 700 m hoch gelegenen Laguna El Junco, einem Maarsee und eines der wenigen Süßwasserreservoirs der Insel. Von hier aus hat man einen guten Blick über das Hochland bis hinunter zum Meer und zum einzigen Windpark Ecuadors, der 50% des Stroms der Hauptinsel erzeugt – mit sage und schreibe drei Windrädern!
Danach geht es zur Schildkröten-Aufzuchtstation La Galapaguera, in der man die Galápagos-Riesenschildkröten in den verschiedenen Altersstufen anschauen kann. Als Abschluss geht es zum Baden an den schönen Strand Puerto Chino mit seinem weißen Sand und türkis-blauem Meer.

Unsere zweite Station ist Puerto Ayora auf Isla Santa Cruz, der zweitgrößten Insel Galápagos (max. Höhe: 864 m). Die Insel ist der touristische Mittelpunkt des Archipels und der Ort ist dadurch deutlich geschäftiger. Von hier aus starten viele Exkursionen zu den umliegenden Inseln.
Der Ausflug zur Tortuga Bay, eine etwa 5 km lange Wanderung unter der unbarmherzigen Äquatorsonne ist zwar schweißtreibend, aber die Anstrengung lohnt sich. Der weiße, lange Sandstrand und das grünliche Meer sind wunderschön. Den Strand suchen Wasserschildkröten zur Eiablage auf und ist dadurch ab 18 Uhr gesperrt. Verschiedene Vogelarten, Pelikane und Meerechsen sind hier anzutreffen. Wegen der rauen Brandung und der starken Strömung gehen wir zum Baden in die angrenzende, mangrovengesäumte Bucht, die deutlich geschützter liegt, wo aber das Wasser fast schon zu warm ist und kaum Abkühlung bringt. Hier schwimmen ein paar Mal große Fische um unsere Füße, die sich als kleine Weißspitzenriffhaie entpuppen. Highlight ist ein Bad mit den Meerechsen, wobei sie ohne Scheu nahe an einem vorbei schwimmen und strikt ihren Kurs beibehalten – egal, ob da jemand steht. Hier haben die Tiere Vorfahrt und das scheinen sie auch zu wissen. Die Meerechsen kommen nach der Nahrungsaufnahme im Wasser zahlreich an den Strand, um sich in die Sonne zu legen und ihren Wärmehaushalt zu regulieren. Die größten Echsen sind um 1,20 m lang und sehen aus wie aus einem anderen Zeitalter.
Auf Isla Santa Cruz haben wir die letzte Möglichkeit, noch einmal größer einzukaufen, bevor wir uns auf den Weg zu der dritten und letzten Insel machen.

Isla Isabela ist die größte Insel im Archipel (max. 1.707 m). Sie liegt direkt auf dem Galapágos-Hot-Spot und alle fünf Vulkane der Insel, die bis zu 1.707 m hoch sind, sind aktiv.
Wir gehen in Puerto Villamil vor Anker. Der Ort ist deutlich beschaulicher, weniger touristisch und sowohl Haupt-, als auch Nebenstraßen sind staubige Sandpisten, die alles in ihrer Nähe mit einer Sandschicht überziehen.
Von hier aus machen wir drei Touren, um die Insel zu erkunden. Mit der ersten Tour geht es in einer 5-stündigen Wanderung zu den Vulkanen  Sierra Negra (1.370 m) und Chico (860 m). Der Vulcáno Sierra Negra beeindruckt durch die Größe seines Kraters, dessen  Ausmaß erst deutlich wird, wenn man am Kraterrand steht und bis zur anderen Seite hinüber blickt. Er hat einen Durchmesser von 12 km und ist damit der zweitgrößte weltweit. Danach geht es weiter zum jungvulkanischen Gebiet des Vulcáno Chico, der mit seiner bizarren Landschaft sehr sehenswert ist.
Am nächsten Tag machen wir einem Bootsausflug  an die Südküste zu den Los Túneles – interessante Lavaformationen direkt am Meer,  wo wir Blaufußtölpel aus nächster Nähe sehen und  in deren seichtem Gewässer sich Wasserschildkröten tummeln. Auf dem Weg dorthin springen wir ins Wasser, um mit Manta Rochen (Devil Manta Rays) zu schnorcheln, die dort in großer Anzahl anzutreffen sind und fahren an dem vorgelagerten Felsen Roc Unídad vorbei, einer Brutkolonie für Nazcatölpel. Zum Abschluss schnorcheln wir noch einmal mit Weißspitzenriffhaien, die uns quasi über die Füße schwimmen.
Direkt bei Puerto Villamil gibt es auch noch ein paar interessante Spots, um Landschaft und Tiere anzuschauen. Für die insgesamt 12 km lange Strecke leihen wir uns Fahrräder und radeln die Küste entlang mit abschließendem Bad an einem wunderschönen Strand, den wir uns mit den Meerechsen teilen. Drei wirklich tolle, aber bei der Hitze auch anstrengende Touren. Die Sonne ist wirklich unbarmherzig so nahe am Äquator und die Hitze zu dieser Jahreszeit ebenso.

Es ist wirklich unglaublich, die Tiere so nah zu sehen. Selbst an unseren Ankerplätzen schwimmen immer wieder Seelöwen, Rochen, Schildkröten und auf der letzten Insel auch kleine Pinguine bei uns am Boot vorbei. In der Luft schwirren Pelikane, Fregattvögel, verschiedene Tölpelarten direkt über uns her – die Pelikane teilweise zum greifen nah. Und an den Stränden sieht man viele Meerechsen zum wärmen in der Sonne liegen. Die Tierwelt ist hier wirklich zahl- und artenreich – einfach fantastisch und wirklich was besonderes. Wir sind trotz des anfänglichen Ärgers und der Kosten froh, dieses Fleckchen Erde besuchen zu können. Irgendwas scheint die Naturschutzbehörde hier ja doch richtig zu machen, denn so etwas haben wir bisher noch nicht gesehen.
Am Freitag (21.3.2014) nehmen wir dann Abschied von Galápagos und machen uns wieder zusammen mit „MeriTuuli“ auf den Weg zur längsten Etappe unserer gesamten Reise – in die Südsee zu den Marquesas nach Französisch Polynesien. Das sind rund 3.000 Seemeilen Wasser, Wasser und nichts als Wasser.

Advertisements

Galápagos – der erste Eindruck (26.02. – 05.03.2014)

Wie zu dieser Jahreszeit zu erwarten ist, ist der Wind auf der Strecke von Panama nach Galápagos eher schwach und wir rechnen damit, dass wir viel unter Motor fahren müssen. Um schnellstmöglich die Innertropische Konvergenzzone  (ITCZ) zu durchqueren, nehmen wir nicht den direkten Kurs auf Galápagos, sondern fahren erst einmal nach Südwesten. Die ITCZ ist ein Bereich mit wenig oder keinem Wind, heißem, schwülem Wetter und häufig auftretenden, sehr starken Gewittern mit heftigen Regenfällen – kein Gebiet, in dem man sich lange aufhalten möchte. Im Frühjahr kann sich die ITCZ von Panama bis hinunter nach Galápagos erstrecken, später im Jahr wandert sie weiter nach Norden hinauf.
Wir haben zwar insgesamt wenig Wind, schaffen es aber uns fernab der Gewitter zu halten, so dass die Fahrt insgesamt sehr angenehm und entspannt ist. Am 04.03.2014 um 15.48 Uhr (21.48 Uhr UTC) überqueren wir bei strahlendem Sonnenschein und glatter See zusammen mit MeriTuuli den Äquator und stoßen mit einem Bier auf das Erreichen der südlichen Hemisphäre an.
Die letzte Nacht ist wunderschön und die See so ruhig, dass sich die Sterne im Wasser spiegeln. Einziger Wehrmutstropfen ist unser blinder Passagier in der Mastspitze, der sich einfach nicht vertreiben lässt und die ganze Nacht bis kurz vor Galápagos mit uns fährt. Das ein Seevogel eine so rege Verdauung haben kann und das ganze Bimini, den Baum und einen großen Teil des Decks dermaßen verunreinigen kann, ist schon unglaublich. Am nächsten Morgen nach Sonnenaufgang heißt es also erst einmal Bootwaschen und Wasser produzieren, da wir unbedingt mit vollen Tanks zum Ankerplatz fahren wollen.
Entschädigt werden wir für die morgendlichen Mühen  mit einer großen Schule Delfine, die uns eine ganze Zeit begleite. Erstmals sind es die Großen Tümmler, also Flipper, die uns besuchen kommen.
Die großen Tiere um unser Boot spielen zu sehen ist schon beeindruckend.

Die Auflagen für Segler in Galápagos sind sehr streng, teuer und unangenehm. Wir haben ein „Autografo“, eine Cruising-Erlaubnis, für Galápagos beantragt, damit wir drei Inseln des Archipels anfahren können und nicht nur eine.
Unsere erste Ankerbucht ist daher Puerto Baquerizo Moreno auf San Cristobal. Als wir den Anker ins Wasser werfen kommt erst einmal ein neugieriger Seelöwe angeschwommen – und das soll nicht der einzige bleiben, was man von weitem auch schon riecht. In der ganzen Bucht und am Land wimmelt es nur so von Seelöwen. Hätten man nicht den Küstenstreifen zumindest größtenteils abgesperrt, würden sie sich wahrscheinlich mitten auf die Straße zum Sonnen legen. Gerne springen sie auch auf die Boote in der Bucht und genießen das leichte Schaukeln. Daher ist es auch nicht ratsam, sein Dingi hinten ans Boot zu binden, da man nicht lange auf Besuch warten müsste und sich die Sonnenanbeter nur unter lautstarkem Protest wieder vertreiben lassen.
Wir hatten eigentlich gedacht, dass unsere Badeplattform zu steil und die Stufen zu schmal sein würden, aber das sieht der kleine Kerl, der es nach mehreren vergeblichen Versuchen doch noch schafft, anders und er macht es sich auf der untersten Stufe gemütlich.

Für das Einklarieren brauchen wir drei Tage und ist mit Abstand das langwierigste, komplizierteste und teuerste Verfahren von allen mit dem Boot bisher bereisten Ländern. Vielleicht soll das zur Abschreckung von Seglern dienen. Unser Agent, den wir schon im Vorfeld wegen des „Autografo“ beauftragt hatten, kommt diverse Male mit den unterschiedlichen Behörden zu uns an Bord. Auf Galápagos sind aber nicht die normalen Behörden wie Zoll, Immigration oder die Capitanía das Problem, sondern die Nationalparkverwaltung. Uns ist ja klar, dass der Park mit seinen endemischen Tieren und Pflanzen geschützt werden muss, aber müssen die Nationalparkleute gleich mit fünf Leuten und zwei Tauchern aufkreuzen? Wollen die bei uns eine Party feiern? Uns werden diverse Fragen gestellt, Kühlschrank und Schränke werden inspiziert und zu unserer Verwunderung wird alles fotografiert. Warum muss der Inhalt unserer Kühlschränke und das Fach mit meiner Unterwäsche fotographisch festgehalten werden? Was machen die mit diesen Fotos? Das ist wohl etwas übertrieben und verletzt doch irgendwie unsere Privatsphäre.
Unser Unterwasserschiff wird auch abgetaucht und auf mitgebrachte Tiere oder Pflanzen untersucht – und natürlich fotografiert. Das ist zum Glück der letzte „Besuch“. Hoffentlich lohnt der ganze zeitliche, finanzielle und nervliche Aufwand. Für Olli ist bereits klar: einmal Galápagos reicht – zumindest mit dem Segelboot. Eine gebuchte und organisierte Kreuzfahrt ist sicher eine ganz andere Geschichte, aber als Segler scheint man hier nicht so willkommen zu sein.
Dummerweise unterteilt die Inselgruppe aber die 4.000 Seemeilen von Panama zu den Marquesas und man kann nach rund 1.000 Seemeilen noch einmal verschnaufen, sich mit frischen Produkten eindecken und vor allem Diesel tanken, den man in dem Kalmengürtel um den Äquator dringend braucht. Andernfalls würden wahrscheinlich die meisten Segler Galápagos links liegen lassen.

Nachdem wir das ganze Prozedere hinter uns haben, können wir uns jetzt daran machen, die Inseln zu erkunden und die Tierwelt zu entdecken. Einen kleinen Eindruck haben wir ja bereits bekommen.