Der Panamakanal und ein kurzer Stopp in den Islas Las Perlas (21.02. – 26.02.2014)

Am 21.02.2014 um 16 Uhr ist es soweit: wir werfen in der Marina die Leinen los und machen uns auf Richtung Panamakanal. Der Vormittag war noch recht hektisch.  Zwei warme Mahlzeiten für jeweils sechs Personen in der kleinen Bordküche zu kochen bzw. vorzubereiten braucht schon etwas Zeit. Wir sind nämlich verpflichtet, dem Lotsen ein ordentliches, warmes Abendessen und am nächsten Tag ein entsprechendes Mittagessen zu servieren. Da die drei Leinenhändler und wir selbst auch was essen müssen, bedeutet es halt, für Sechs zu kochen.
Wir haben den Tipp bekommen, dass man auf der Seite „Panlinehandler.com“ Leute finden kann, die daran interessiert sind, durch den Panamakanal zu fahren und sich als Leinenhändler anbieten. Auf dieser Seite finden wir Inma und Carlos, zwei mit ihren drei Kindern seit vier Jahren in Panama lebende Spanier, die kurzfristig zusagen und eine wirkliche Bereicherung sind. Von unserem Agenten brauchen wir somit nur einen professionellen Leinenhändler, damit wenigstens einer an Bord schon einmal die Passage gemacht hat und weiß, was er zu tun hat.

Auf halber Strecke zur Kanaleinfahrt müssen wir auf das Lotsenboot warten, dass uns dann, etwas verspätet, unseren Lotsen an Bord bringt. Wir sollen zu Dritt als Päckchen hochgeschleust werden und werden kurz vor der ersten Schleuse zusammengeschnürt: wir rechts, in der Mitte MeriTuuli als größtes Boot und links ein Boot aus Südafrika.
Mittlerweile ist es 19 Uhr und dunkel, was aber nichts ausmacht, da die Schleusen hell erleuchtet sind. Das mittlere Boot übernimmt das Steuern des Päckchens und manövriert uns hinter einen großen Frachter mittig in die erste Schleuse. Jeweils zwei Leinen von den äußeren Booten gehen hoch an die Schleusenmauer und werden dort fixiert. Die doppelten Schleusentore schließen sich und Wasser strömt schnell hinein und bildet kleine Strudel.
Von den 12 Leinenhändlern, die für die drei Boote vorgeschrieben sind (vier je Boot), haben effektiv nur vier etwas zu tun – nämlich je zwei auf den äußeren Booten. Der Rest sitzt rum und schaut sich das Ganze nur an. Als der erste Schleusenvorgang beginnt, meint unser Lotse, er wäre jetzt jederzeit bereit für sein warmes Abendessen und ich muss leider zwischendurch in die Küche verschwinden – wie ärgerlich.

Die Gatun-Schleuse besteht aus drei direkt hintereinander liegenden Schleusen. Wir fahren also als Päckchen nach dem Schleusenvorgang von einer in die nächste Schleuse. Nach etwa 1,5 Stunden werden wir im Gatun See, 26 m über dem Meeresspiegel,  raus gespült. Auf Geheiß des Lotsen steuern wir eine Mooringboje an, an der bereits drei Boote liegen, so dass wir längsseits an ein dort vertäutes Segelboot gehen. Der Lotse wird vom Boot abgeholt, die drei Leinenhändler Inma, Carlos und Eric bleiben mit uns auf „Antares“.

Am nächsten Morgen soll es um 7 Uhr weitergehen, allerdings kommt der neue Lotse erst gegen 9 Uhr an Bord und wir können unseren Weg durch den Gatun See und den Kanal fortsetzen.
Für MeriTuuli beginnt der Morgen mit einem Schrecken. Ihr Lotse hat sie nämlich über Nacht ankern lassen und zur Abfahrt am nächsten Morgen können sie erst nach mehreren Versuchen den Anker heben.  Der Gatun See ist ein Stausee, in dem Bäume und Unrat auf dem Grund liegen, in dem sich der Anker prima verfangen kann. Unser Lotse hat uns daher mitgeteilt, dass es keine gute Idee ist, hier zu ankern. Der Lotse von MeriTuuli war leider nicht so umsichtig. Wenn man den Anker nicht wieder hoch bekommt, bleibt einem nur das Kappen der Ankerkette übrig oder einen Taucher für viel Geld zu bezahlen, der den Anker befreit. Bei letzterem würde man allerdings auf einen neuen Termin für die Weiterfahrt warten müssen und so lange im Gatun See festhängen. Zum Glück klappt es ja beim letzten Versuch.

Die Weiterfahrt durch den blau-grünen See ist sehr ruhig und entspannt und erinnert ein wenig an deutsche Talsperren, wäre die Vegetation nicht deutlich exotischer und die Temperaturen nicht etwa doppelt so hoch. Zudem schwimmt hier auch mal ein Leguan am Boot vorbei und es soll ja auch Krokodile geben, die sich allerdings nicht blicken lassen.
Nach einiger Zeit verlassen wir den See und fahren durch den Gillard Cut, einem Kanal, der bis zu den letzten Schleusen führt. Wir kommen an dem 200 m hohen Gold Hill vorbei. Hier stand dem Kanal beim Bau leider ein Hügel im Weg. Um die Arbeiter zu motivieren, den Hügel mit viel Enthusiasmus abzutragen, erzählten die Bauherren, dass hier Gold gefunden wurde. Das beschleunigte zwar das Bauvorhaben, verhalf aber den Arbeitern nicht zu Reichtum, da hier natürlich niemand auch nur den kleinsten Goldklumpen fand.
Vor der Pedro-Miguel-Schleuse, der ersten Schleuse am Ende des Kanals, werden unsere drei Boote wieder zusammen vertäut. Diesmal gehen wir vor einem Frachter bzw. einem Autotransporter  in die Schleuse. Unser Päckchen hat die Position in der Schleuse rasch erreicht, das Schiff braucht bei seiner Größe etwas länger. Es wird von kleinen Loks langsam in die Schleuse gezogen und ragt turmhoch hinter uns auf. Nach Absinken des Wasserspiegels scheinen letztlich nur noch Zentimeter zwischen Bordwand und Schleusenmauer zu sein.
Verlief das Hochschleusen am Tag zuvor schon problemlos, so ist das Runterschleusen nochmals unspektakulärer. Die Schleusentore öffnen sich und wir fahren als Dreierpäckchen durch den kleinen Miraflores See zu den letzten beiden direkt hintereinander liegenden Schleusen, den Miraflores Schleusen. Hier wiederholt sich die Prozedur von der ersten Schleuse und nach dem letzten Schleusenvorgang öffnen sich die Tore zum Pazifik. Wir haben es tatsächlich geschafft und befinden uns jetzt auf der anderen Seite des amerikanischen Kontinents. Unglaublich! Hätte uns das jemand bei unserer Abreise oder auch nur ein Jahr zuvor gesagt, wir hätten ihn schlichtweg für verrückt erklärt. Eigentlich wollten wir ja nur bis Nordspanien!
Der Lotse wird abgeholt, wir fahren unter der „Bridge of the Americas“, über die die Panamericana führt, durch und in Balboa gehen per Wassertaxi die Leinenhändler von Bord. Die Drei waren wirklich super nett und haben uns die Durchfahrt sehr angenehm gemacht. Hoffentlich werden wir Inma und Carlos irgendwo noch einmal wieder sehen und können uns dann für ihre vergnügliche und anregende Gesellschaft und Hilfe bedanken. Wir ankern ein Stückchen weiter in La Playita de Amador und bleiben dort für die nächsten zwei Tage liegen.

Die gesamte Passage ist wirklich sehr unproblematisch verlaufen und unsere Sorgen oder Gedanken waren in unseren Fall völlig unbegründet.
Etwas unangenehm waren nur zwei Mal Schlepper, die mit ihrer rücksichtslosen Fahrweise unser Dreierpäckchen ins Trudeln gebracht haben. Der erste fuhr mit hoher Geschwindigkeit nahe an uns vorbei und erzeugte ordentliche Wellen, so dass unsere vertäuten Boote heftig auf- und ab wippten. Der zweite gab gerade in dem Augenblick, als wir uns direkt hinter ihm befanden, Vollgas, um einen Frachter wegzuschieben. Durch die von der Schraube erzeugte Strömung drifteten wir plötzlich Richtung Ufer, konnten aber durch sofortiges Gegensteuern das Dreierpäckchen schnell wieder auf Kurs bringen. Alles andere war ein Kinderspiel – und darüber sind wir sehr froh und glücklich.

Von unserem Ankerplatz in La Playita de Amador geht es mit MeriTuuli weiter zu unserem letzten Stopp in Panama. Die Inselgruppe Las Perlas befindet sich südwestlich vom Panamakanal und Panama City.  Wir steuern zunächst die Isla Contadora an, eine nördlich gelegene Insel. Da unsere Windanzeige 0 Knoten Wind anzeigt und das Meer glatt wie ein Spiegel ist, waschen wir erst einmal zwei Maschinen Wäsche – gelobt sei unsere Waschmaschine! Das haben wir bisher auch noch nicht bei Seefahrt gemacht.
Olaf, der früher unter keinen Umständen auch nur mit einem Handtuch an der Reling den Hafen verlassen hätte, steuert nun ein Boot mit zwei Wäscheleinen voller Bettwäsche – die Zeiten und Notwendigkeiten ändern sich.
Am nächsten Tag geht es weiter zur Isla Canas. Unterwegs sehen wir massenhaft Seevögel, Pelikane, Delfine und sogar zwei Wale. In einer einsamen, ruhigen Bucht im Süden der Inselgruppe gehen wir gemeinsam vor Anker. Am 26. Februar verabschieden wir uns bei strahlendem Sonnenschein und annähernd keinem Wind von Panama und machen uns mit zwei Booten auf nach Galapagos.

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