Bahamas (08.05.-27.05.13)

Die Bahamas: mehr als 700 Inseln von denen nur 30 bewohnt sind und 2.400 Korallenriffe, die Cays, in einem Gebiet von 13.940 km² mit einer Nord-Süd-Ausdehnung von etwa 650 km und einer West-Ost-Breite von bis zu 750 km
Nach einer Nachtfahrt kommen wir morgens auf den Bahamas in Mayaguana an. Wir wollen hier nur einklarieren und am nächsten Tag gleich weitersegeln. Das Wasser im Riff, in dem wir ankern, sieht jedoch schon einmal phantastisch aus und bietet einen Vorgeschmack auf das, was uns noch erwarten wird.
In keinem Land und auf keiner Insel zuvor war das Einklarieren so langwierig, nervenaufreibend und teuer gewesen wie hier (Cruising Permit 300$). Zudem müssen wir aufgrund der geringen Wassertiefe auch noch sehr weit weg vom Land ankern, was das Ganze ein wenig umständlich macht und sind froh, als alles erledigt ist. Nach mehreren Stunden bürokratischer Klimmzüge sind dann doch alle wieder an Bord und wir können den Nachmittag genießen.
Am nächsten Tag segeln That’s life, TrinitY und wir weiter. Na, segeln kann man das nicht wirklich nennen, da wir kaum Wind haben. Im Laufe des Tages zieht es sich, wie auch angekündigt, immer mehr zu und der Himmel sieht sehr bedrohlich aus. Um uns herum toben bald Gewitter und in der Ferne sehen wir sogar einen Tornado auf dem Wasser – ein beunruhigendes Gefühl. Aufgrund der Wetterverhältnisse und des geringen Windes entscheiden wir uns, die Nacht nicht durchzufahren und gehen vor den West Plana Cays zusammen mit That’s life vor Anker. Eine gute Entscheidung, da in der Nacht weitere Gewitter mit einer unglaublichen Lightshow und heftigen Regenfällen auftreten. Wir sind froh, nicht unterwegs zu sein, sondern uns in die Koje verkriechen zu können. Der nächste Morgen zeigt sich wieder sonnig und wir können bei besten Wetter- und Windverhältnissen weitersegeln Richtung Conception Island.
Diese Insel ist ein Robinson-Crusoe-Traum, ein kleines Paradies, das wir so schnell nicht wieder verlassen wollen. Sie ist unbewohnt, hat lange, weiße Puderzuckerstrände und ist umgeben von glasklarem, türkis-grünem Wasser. In der Nähe unseres Ankerplatzes liegen ein paar schöne Korallenriffe mit reichlich Fischbestand, die wir schnorchelnder weise ausgiebig erkunden und direkt unter unserem Boot zieht regelmäßig ein großer Rochen durch. Wolfgang von That’s life hat eine Begegnung mit einem Delfin, als er vom Boot aus ins Wasser springt. Wer von beiden mehr erschrocken ist, ist ungewiss. Die Insel liegt recht abgelegen, so dass dadurch nur ein paar Boote hierherkommen und wir diesen Ort nur mit wenigen teilen müssen.
Leider holt uns die Realität bald wieder ein und wir müssen irgendwann doch unser Paradies wieder verlassen. Es ist bereits Mitte Mai und wir haben ja noch einen weiten Weg vor uns, um bis Anfang Juni aus der südlichen Hurrikan-Zone raus zu sein. Also brechen wir gemeinsam auf zurück in die Zivilisation Richtung Georgetown auf den Exumas, das Shangri-La der vorwiegend amerikanischen Seglergemeinschaft. Wir wollen herausfinden, was der Autor unseres Cruising Guides darunter versteht und nebenbei unsere Vorräte wieder aufstocken. Fest steht, unser Shangri-La ist es hier nicht. Die Umgebung ist zwar ganz nett, aber beeindruckt waren wir nicht. Vielleicht liegt es auch daran, das hier nur noch wenige Segler sind und alles recht verschlafen wirkt. Die „Snow Birds“, wie die amerikanischen Segler genannt werden, die zum Winter in Scharen auf den Bahamas einfallen und zum Sommer hin wieder in die USA segeln, haben sich bereits auf den Rückweg begeben. Auch ein weiteres Zeichen, dass wir uns ranhalten müssen. Nach 2 Tagen heben wir wieder den Anker und es geht weiter Richtung Norden.
Die Exumas erstrecken sich über etwa 100 Seemeilen, also 185 km, nach Nord-west und bestehen aus vielen aneinandergereihten Inseln, den Cays, die durch schmale Zufahrten voneinander getrennt sind. Wir müssen und wollen östlich davon im tiefen Wasser bleiben, da auf der geschützten Leeseite, der windabgewandten Seite, das Wasser sehr flach ist und nicht zum entspannten Segeln einlädt. Zum Übernachten fahren wir dann durch diese Zufahrten und werfen unseren Anker im Schutz der Inseln ins Wasser.
Ganz oben auf unserer Wunschliste steht der Besuch von Staniel Cay. Hier gibt es die Thunderball Grotte, bekannt aus einem alten James-Bond-Film, und am Strand lebende, im Meerwasser schwimmende…Schweine. Leider werden wir auf dieses animalische Highlight verzichten, da die Zufahrten zwischen den Inseln Tidenströmungen ausgesetzt sind und bei unserem recht starken Wind gegen die Strömung unangenehme Wellen entstehen können. Wir verzichten also aus Vernunftgründen auf das schweinische Spektakel und segeln weiter zu unserem letzten Stopp, bevor wir uns nach Nassau aufmachen.
Nassau empfängt unsere 4 Boote mit viel Wind und noch mehr Regen. Wir warten den heftigen Schauer ab und laufen dann in unsere Marina ein. Und nicht zu früh, denn zwei Stunden später bricht ein Unwetter mit Gewittern aus allen Richtungen, heftigem Regen und viel Wind über uns herein. Erst Stunden später kehrt wieder Ruhe ein. Man merkt deutlich, dass das Wetter sich langsam verändert und es wird höchste Zeit, beim nächsten passenden Wetterfenster nach Norden aufzubrechen.
Nassau bietet Kontrastprogramm zu dem, was wir bisher von den Bahamas gesehen haben: Hotels, Restaurants, Bars und ausgiebige Shoppingmöglichkeiten. Es ist toll, mal wieder schön Essen zu gehen und die Vorräte auffüllen zu können.
Ein schon von weither sichtbares „Wahrzeichen“ Nassaus ist die künstlichen Welt des „Atlantis“. Das Hotel ist riesig. Ist die Architektur des Gebäudes äußerlich schon etwas gewöhnungsbedürftig mit seinen rosa Türmchen, so ist es von innen doch noch umso kitschiger. Im Hotel gibt es eigentlich alles was man braucht (oder auch nicht braucht): über 40 Restaurants, Bars, ein Casino, Shops, um das gewonnene Geld gleich wieder zu investieren, diverse Poollandschaften und ein sehr schön angelegtes Aquarium.
Ein sportliches Highlight unseres Nassau-Besuchs ist das Champions League Finale Dortmund gegen Bayern, dem wir in einer Sports Bar alle zusammen live beiwohnen – ein bisschen Heimat in der Ferne.
In Nassau heißt es Abschied nehmen von den uns liebgewonnenen Segelfreunden That’s life und 2Mickys. Unsere Wege trennen sich hier leider, nachdem wir mit 4 Booten gemeinsam den Weg von den British Virgin Islands über die Turks und Caicos zu den Bahamas gesegelt sind. Aber das Leben ist bunt und zum Abschied von alten Segelfreunden kommen auch wieder neue hinzu. Im Hafen in Nassau treffen wir Pim und Hanneke von der Nelly Rose aus Holland. Sie wollen wie TrinitY und wir an der Ostküste der USA entlang bis hoch nach Main segeln und dort den Sommer und somit die Hurrikan-Saison verbringen, bevor wir uns alle erneut auf den Weg in die Karibik machen. Da auch die beiden mit einem Schlag möglichst weit nach Norden wollen, um der Hurrikan-Gefahr erst einmal zu entkommen, beschließen wir, zu dritt nach Norfolk zu segeln. Am 27. Mai öffnet sich für die nächsten Tage ein passendes Wetterfenster und es geht los. That’s life haben sich spontan entschieden, mit dem Boot in Nassau zu bleiben und haben somit den kürzesten Weg. Sie verlegen sich nur 14 Seemeilen in die Marina at Atlantis, ihrer neuen Heimat für die nächsten Monate. Die 2 Mickys segeln bis Florida und fahren dort den Intracoastal Waterway hoch bis Georgia. Wir anderen drei haben mit etwa 900 Seemeilen (1670 km) den weitesten Weg vor uns liegen, freuen uns aber schon riesig auf neue Ufer (und Klimazonen).

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